Interview

„Nicht nur Hütchen aufstellen“: Grimm über den Job als Co-Trainer bei der MT

Verstärkung für den Chefcoach: MT-Trainer Michael Roth (links) bekommt ab sofort Unterstützung von Co-Trainer Heiko Grimm, der 2015 kurzzeitig für die Melsunger aktiv war. Foto: Hartung/nh

Melsungen. Im Frühling 2015 half er als Spieler bei der MT Melsungen aus. Nun ist Heiko Grimm neuer Co-Trainer beim heimischen Handball-Bundesligisten.

In der vergangenen Woche trat der 40 Jahre alte Ex-Profi seinen Dienst an.

Herr Grimm, haben Sie sich schon eingelebt?

Heiko Grimm: Nein. Ich bin erst seit Dienstag hier. Der Wechsel zur MT war ja auch eine kurzfristige Geschichte. Erst im Dezember fiel die Entscheidung. Und ich hatte in der Schweiz noch einiges zu organisieren. Hier bin erst mal auf Wohnungssuche, fündig geworden bin ich allerdings noch nicht.

Fühlt es sich dennoch ein bisschen wie eine Rückkehr an?

Grimm: Ich suche noch ein besseres Wort dafür. Auf jeden Fall ist es etwas Besonderes. Es besteht schon eine Bindung - das ist von Vorteil. Ich freue mich über diese Konstellation.

Wie kam es zu dem Engagement?

Grimm: Ich kann es nur betonen. Als ich vor zweieinhalb Jahren bei der MT kurz ausgeholfen habe, hatte ich nicht an einen Job als Co-Trainer gedacht. Vielleicht war es aber ganz gut, dass wir uns damals schon beschnuppert haben. Danach sind wir in Kontakt geblieben. Ich wollte auch eine Kooperation zwischen meinem Klub in Kriens und der MT. Vor einem Jahr gab es dann die ersten konkreten Gespräche. Im Mai waren wir uns einig.

Was reizt Sie an der Aufgabe als Co-Trainer?

Grimm: Ich war Spieler in der Schweiz und wurde dann dort Trainer. Wenn du in die Bundesliga gehen kannst, dann ist das ein Karrieresprung. Die Bezeichnung für meinen Job ist gar nicht so wichtig. Entscheidend sind die Aufgaben - und die werden wir uns teilen.

Wie stellen Sie sich Ihren Aufgabenbereich im Detail vor?

Grimm: Ich soll nicht nur Hütchen aufstellen. Es wird voraussichtlich so sein, dass ich mich verstärkt um die Offensive kümmere und „Schorle“ als Cheftrainer mehr um die Defensive. Ich denke aber auch, dass er mal auf mich zukommt und sagt: Morgen leitest du die Einheit. Schorle arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Trainer. Ich möchte neue Impulse reinbringen. Es kommt mir zugute, dass ich erst vor vier Jahren meine Trainerausbildung abgeschlossen habe. Schorle wird nicht böse sein, wenn ich ihm helfen kann.

In welchen Punkten wollen Sie das Team voran bringen?

Grimm: Ich habe alle Hinrundenspiele gesichtet und analysiert. Aus meiner Sicht wird das Offensivspiel schlechter gemacht, als es ist. Ich finde eher, dass die Mannschaft aus ihrer guten Abwehr noch mehr Kapital schlagen müsste. Wenn Schorle und ich uns zukünftig die Aufgaben teilen, haben wir mehr Zeit, an Details zu feilen und mit den Spielern zu reden.

Welchen Trainertyp verkörpern Sie?

Grimm: Ich war nach meinem Karriereende zunächst der Typ erfahrener Spieler. Danach wurde es wissenschaftlicher. Ich habe stetig neue Schwerpunkte gesetzt - zum Beispiel im Bereich Krafttraining, dann habe ich mich intensiver mit Statistiken beschäftigt. Trotzdem bin ich immer noch sehr nah am Handball. Ich bin definitiv kein reiner Laptop-Trainer.

Dafür manchmal ein Kumpel-Trainer?

Grimm: Ich verstelle mich nicht. Wenn ich keine gute Laune habe, merken es meine Spieler. Kumpeltyp sein und hartes Training sind kein Widerspruch. Es geht letztlich um einen Kreislauf. Die Spieler sollen mit guter Laune zum Training kommen. Dazu gehört aber auch viel Selbstdisziplin und harte Arbeit.

Blicken wir ein bisschen voraus. 2020 läuft der Vertrag von Chefcoach Michael Roth aus. Inwieweit haben Sie sich damit schon beschäftigt?

Grimm: Überhaupt nicht. 2020 ist weit weg. Ich bin nur mega froh, mit Schorle zusammenarbeiten zu können. Das ist eine Riesenchance für mich. Ich kann noch viel lernen.

Noch ein Blick in die nähere Zukunft. Welche Chancen räumen Sie der deutschen Mannschaft bei der EM ein?

Grimm: Deutschland gehört zu den Favoriten. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass ein guter Teamgeist die Voraussetzung ist, um ins Halbfinale zu kommen. Für die großen Ziele braucht man einfach auch das Quäntchen Glück.

Alles rund um die Handball-EM haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Zur Person

Heiko Grimm fungiert offiziell seit dem 1. Januar beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen als Co-Trainer. Der 40-Jährige arbeitete zuletzt in der Schweiz beim HC Kriens-Luzern als Trainer und Sportlicher Leiter. In der Bundesliga spielte der gebürtige Miltenberger für Großwallstadt, Wallau-Massenheim, Hamburg und kurzzeitig für die MT (2015). Er bestritt 48 Länderspiele und wurde unter anderem 2004 mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister. Grimm ist seit dem 1. Juli 2017 mit Carolin verheiratet. Sie wird im März nachkommen und dann auch in Nordhessen leben.

Quelle: HNA

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