Lange Liste angeschlagener Spieler

Große personelle Probleme: Die Krankenakte des Handball-Bundesligisten MT Melsungen

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Plötzlich Torhüter Nummer eins: Mathias Lenz war vor allem in der zweiten Hälfte Melsungens Rückhalt. 

Kassel. Einige Handballer verletzt, andere durch einen grippalen Infekt geschwächt - beim Heimsieg des Bundesligisten MT Melsungen gegen GWD Minden war natürlich auch die personelle Situation Thema. 

Dass an diesem Abend vieles nicht sein würde wie sonst, das wurde spätestens zehn Minuten vor dem Anpfiff klar. Noch ehe die Mannschaften auf das Spielfeld kamen, bat Hallensprecher Bernd Kaiser den Mannschaftsarzt ans Mikrofon. Dr. Gerd Rauch berichtete, warum nun auch Julius Kühn fehlen würde. Die Schulter! Eine Entzündung. So kannst du keinen Handball werfen.

Die Krankenakte MT, sie ist noch länger geworden vor diesem Spiel gegen Minden. Auch Torhüter Johan Sjöstrand fehlte. Die Grippe. Alle anderen waren da. Was aber nichts hieß. Die Liste derer, die angeschlagen auf der Bank saßen oder sogar auf dem Feld standen, war länger als die derer, die fit in diese Partie gingen.

Beispiel Nebojsa Simic: Der Torhüter stand nach seiner Verletzung wieder im Aufgebot. Er gab Tipps an Mathias Lenz. Er machte sich in Durchgang zwei zweimal warm. Er kam in der 55. Minute unter tosendem Applaus für einen Siebenmeter. Den Lukas Zvizej vor Schreck gleich verwarf. Mehr war kaum möglich. Trainer Michael Roth: „Wir haben ihn Mitte der Woche ins Training beordert. Aber nach vier Würfen war klar, dass er eigentlich nicht im Tor stehen kann.“

Beispiel Lasse Mikkelsen: kam sporadisch auf der Mitte zum Einsatz. Nach einer Erkältung war der Däne aber sichtbar geschwächt.

Beispiel Finn Lemke: Spielte wieder in der Abwehr. Eine Zerrung im Hüftbereich machte es aber unmöglich, dass der Nationalspieler den Vorwärtsgang einlegen konnte.

„Es war eine harte Woche. In dieser Form habe ich das noch nicht erlebt“, sagte Roth. Die Last lag so auf wenigen Spielern. Zum Beispiel auf Michael Müller. Auch der Kapitän war erkältet. „Es ging“, sagte der 33-Jährige, „aber so eine Rotznase behindert schon beim Laufen.“ Trotzdem spielte er nahezu durch, erzielte sechs Tore beim 31:27. Und betonte, wie wichtig dieser Erfolg war nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg: „Ja, das war ein ganz wichtiger Kraftakt, eine tolle Mannschaftsleistung. Wir haben zusammen gekämpft für diesen Sieg. Und wir hatten einen Torhüter, der uns geholfen hat.“

Dieser Torhüter hieß Mathias Lenz, ist mittlerweile eigentlich Lehrer statt Handball-Profi – und spielte nun 60 Minuten. Den einen Siebenmeter mal ausgenommen. Er war einer derer, die fit waren. Doch was heißt schon fit? „Ein bisschen Schnupfen haben wir alle“, sagt Lenz, der zudem in der Woche nur einmal mit dem Team trainierte.

Nun also musste er aus dem Handball-Ruhestand heraus plötzlich von Beginn an ran. Wissend, dass es nicht einmal einen Ersatz gibt. Ein besonderer Druck also? „Nein“, sagt Lenz, „für Situationen wie diese, für solche Spiele, treiben wir doch Sport. Ich hatte keinen Druck. Nebosja hat mir mit seinen Tipps geholfen. Die Verteidigung hat mir geholfen. Es hat Spaß gemacht.“ Und es war erfolgreich. Mehr als zehn Würfe parieren, das hatte Lenz sich zum Ziel gesetzt, denn: „Dann weiß ich, dass ich der Mannschaft geholfen habe.“ Am Ende waren es 13 Paraden. Auch diese Geschichte machte sie also möglich, die Krankenakte der MT.

Alle Infos zum Spiel gegen Minden

Beim Heimsieg gegen GWD Minden tat sich vor allem Philipp Müller hervor. Mehr dazu lesen Sie hier.

Unseren Spielbericht wie auch Fotos des Spiels finden Sie hier. 

Quelle: HNA

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