Handball

MT-Pleite in Kiel: Ein balingenhafter Auftritt

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Viel Frust nach Spielende: Die Melsunger Profis Julius Kühn, Felix Danner, Stefan Salger und Michael Allendorf (von links).

Frust und Enttäuschung herrschen vor nach der 26:38-Pleite der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga beim THW Kiel. Doch es gibt Unterschiede zum Debakel beim Aufsteiger Balingen.

„So darf man nicht verlieren“, sagte Linksaußen Michael Allendorf. „Wir dürfen nicht komplett auseinander fallen“, erklärte Manager Axel Geerken. Und auch Heiko Grimm, der Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, war maßlos enttäuscht: „Wir haben das Handballspielen nahezu eingestellt.“ Die Kommentare der Melsunger am späten Donnerstag nach der 26:38-Packung beim deutschen Rekordmeister THW Kiel hatten schon etwas balingenhaftes.

Tatsächlich können die Melsunger nach dem vor allem in der zweiten Halbzeit schwachen Auftritt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die unzureichende Gegenwehr erinnerte stark an das Debakel in Balingen Mitte September. Nur diesmal ist die Ursachenforschung einen Tick leichter - denn die Kieler haben ihren Gästen gnadenlos deren Defizite aufgezeigt.

Abwerhr, Abgeklärtheit, Torwartleistung: Drei Unterschiede zum MT-Debakel in Balingen

  • Unterschied 1 : Die Abwehr. Der THW versuchte es anfangs mit einer 3:2:1-Deckung. Dafür fanden die Nordhessen im Angriff die erhofften Lösungen. „Wir waren in den ersten 20 Minuten gut im Spiel“, befand Grimm. Dann ordnete Kiels Coach Filip Jicha seine Abwehr in einer 6:0-Formation an – und das war es mit der Melsunger Herrlichkeit. Zumal die MT ihrerseits keine Stabilität in die Verteidigung brachte. „Wir hatten 60 Minuten Probleme mit dem Kreisläufer“, bekannte Melsungens Kapitän Finn Lemke. Die Zweikämpfe mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler endeten im Regelfall so: Siebenmeter oder Tor für den THW. Hinzu kam oft noch eine Zeitstrafe gegen die MT.
  • Unterschied 2 : Die Abgeklärtheit. Nach der frühen Roten Karte gegen ihren Spielmacher Domagoj Duvnjak mussten sich die Gastgeber erst einmal schütteln. Aber dann ging bei den Nordlichtern im Kollektiv die Post ab - die Hausherren zeigten sich nicht nur beim Tempogegenstoß sehr abgezockt. Bei den Melsungern war vieles von unnötiger Hektik geprägt. Die Chancenverwertung war teilweise unzureichend. „Wir hätten kühlen Kopf bewahren müssen“, sagte Grimm. 

Allerdings wurde auch wieder deutlich, dass sich die MT zu sehr auf ihre Schützen auf den Halbpositionen verlässt. Dabei bräuchte es bisweilen mehr Tordrang aus der Mitte – und Lasse Mikkelsen hat die Qualität, um selbst den Abschluss zu suchen. In Grimms System soll der Däne jedoch in erster Linie Julius Kühn und Kai Häfner einsetzen. Mit Blick auf die kommenden harten Wochen muss der Coach dafür sorgen, dass Mikkelsen die richtige Balance zwischen Torvorbereitung und Torwurf findet.

  • Unterschied 3 : Die Torwartleistung. Es war Pech, dass Melsungens Johan Sjöstrand (Fieber) am Spieltag nicht fit war. So war der Schwede nur eingeschränkt einsetzbar. Sein Kollege Nebojsa Simic fing zwar ordentlich an, recht schnell gehörte die Bühne aber Gegenüber Niklas Landin. „Niklas und die Abwehr waren richtig stark“, erklärte THW-Trainer Filip Jicha. Der Weltmeister-Torwart aus Dänemark parierte reihenweise schwierige Bälle und freute sich über die großartige Unterstützung in der Sparkassen-Arena: „Die Halle war voll da.“

So wurde die Partie für den THW zu einem überraschenden Schaulaufen – und für die MT zu einer bitteren Handball-Lehrstunde.

Quelle: HNA

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