Ex-Melsunger Robert Hedin im Interview zur Rolle seines norwegischen Teams

„WM ist fast ein Heimspiel“

Nachdenklich an der Seitenlinie: Trainer Robert Hedin. Foto: dpa

Kassel/Nörrköping. Er steht mit seiner Mannschaft bereits vor dem abschließenden Gruppenspiel heute gegen Island in der Hauptrunde. Doch Robert Hedin, Coach des norwegischen Männer-Teams und früher auch in verantwortlicher Position beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen, will von einer möglichen Halbfinal-Teilnahme bei der Weltmeisterschaft in seinem Heimatland Schweden nichts wissen. Wir sprachen mit dem 44-Jährigen über das Turnier, Ambitionen und die MT.

Wissen Sie noch, was am 30. März 1993 war?

Robert Hedin: 1993? Da war die Weltmeisterschaft auch in Schweden.

Genau. Da wurde Schweden mit Ihnen als Rückraumspieler Dritter.

Hedin: Es war meine erste WM. Ich habe gute Erinnerungen daran. Im Spiel um den dritten Platz habe ich mit meinem Bruder Tony zusammengespielt.

Wie erleben Sie nun das Turnier in Ihrer Heimat als norwegischer Nationalcoach?

Hedin: Es macht viel Spaß, in Schweden dabei zu sein. Als norwegisches Team hat man hier fast ein Heimspiel. Vor allem nach Nörrköping sind uns viele Fans gefolgt und haben uns super unterstützt.

Aus der Mannschaft von 1993 sind Sie einer von vier Schweden, die sich bei der WM um eine Auswahl kümmern - neben Ihnen noch Magnus Andersson mit Österreich sowie Staffan Olsson und Ola Lindgren mit der Vertretung des Gastgebers.

Hedin: Das ist echt witzig, dass es aus dieser Zeit so viele geschafft haben, jetzt als Nationaltrainer zu arbeiten. Realistisch gesehen haben aber Staffan und Ola am ehesten die Chance, eine Medaille zu holen.

Gegen Andersson und dessen österreichischer Mannschaft waren Sie in der Vorrunde erfolgreich. Was trauen Sie Ihren Schützlingen bei dem Turnier noch zu?

Hedin: Wir kommen in der Hauptrunde in eine schwere Gruppe mit Teams wie Frankreich und Spanien. Das wird richtig hart. Wenn wir am Donnerstag gegen Island zwei Punkte holen sollten, dann haben wir eine kleine Chance aufs Halbfinale.

Das ist nicht unmöglich.

Hedin: Wir werden aber mit Beginn der heißen Vorbereitung vom Pech verfolgt. Erst fielen die Bundesliga-Profis Löke und Strand aus. Zuletzt war auch Torwart Ege krank. Und ob Kjelling gegen Island spielen kann, ist fraglich.

Wer ist Ihr Titelfavorit und warum?

Hedin: Ich tippe auf Kroatien. Die Kroaten haben eine junge Mannschaft, die aber bei den letzten Turnieren schon einige Erfahrung sammeln konnte. Für mich sind die Franzosen diesmal etwas schwächer.

Ihre wichtigsten Spieler wie Bjarte Myrhol und Börge Lund kommen aus der Bundesliga. Wie intensiv verfolgen Sie das Geschehen in Deutschland?

Hedin: Ich schaue viele Bundesliga-Spiele im Fernsehen.

Noch Verbindung zur MT Melsungen?

Hedin: Natürlich. Ich spreche oft mit Alex Fölker (Sportchef, d. Red.). Ich weiß, dass es in Melsungen jetzt wieder besser läuft. Michael Roth macht einen guten Trainerjob dort.

Dann würden Sie sich auch freuen, wenn es noch zu einem Duell mit Serbien und Nenad Vuckovic kommt.

Hedin: Klar. Nenad ist ein starker Handballer. Ich hatte zu allen Melsunger Spielern während meiner Zeit einen guten Kontakt.

Von Björn Mahr

Quelle: HNA

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