Dritter Langzeit-Ausfall in Erlangen

Ex-Melsunger Handballer Johannes Sellin: Ein Pechvogel der Saison

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Erlebt eine ganz schwere Saison: Handball-Profi Johannes Sellin zog sich nun wieder eine schwere Verletzung zu.

Kassel/Erlangen. Das Jahr 2016 war ein gutes für Johannes Sellin: Er wurde mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft Europameister und erreichte mit seinem Ex-Klub MT Melsungen in der Bundesliga den vierten Platz. Danach aber lernte der Rechtsaußen auch die Schattenseiten seines Sports kennen.

Sein 2017 auslaufender Vertrag in Melsungen wurde nicht verlängert, und eine hartnäckige Muskelverletzung zwang ihn in der Rückrunde der Abschiedssaison zu einer längeren Pause.

In dieser Spielzeit trifft es den Linkshänder allerdings besonders hart: Bei seinem neuen Klub HC Erlangen ist Sellin nun bereits zum dritten Mal für längere Zeit außer Gefecht gesetzt – er ist vielleicht schon jetzt der Pechvogel dieser Serie.

„Der Frust sitzt noch tief“, sagt der 27-Jährige, nachdem er sich am Samstag beim Heimsieg gegen die TSV Hannover-Burgdorf einen Sehnenabriss im linken Oberschenkel zugezogen hat. Für ihn ist die Saison damit vorzeitig beendet.

Mit einem Hechtsprung hatte er sich den Ball erkämpft. Weil er – am Boden liegend – das Leder wie eine Trophäe in die Höhe reckte, dachten einige Zuschauer, es sei nichts Schlimmeres passiert. „Das muss für einige ausgesehen haben, als würde ich jubeln. Ich hatte es aber schon knacken gehört, und schmerzhaft war es auch“, erzählt Sellin. Zwei Spieler mussten den Rechtsaußen vom Feld tragen. Es war zumindest ein Trost für ihn, dass seine Kollegen noch den Favoriten aus Hannover in die Knie zwangen und damit wichtige Punkte im Abstiegskampf einfuhren.

24 Wochen in dieser Saison ausgefallen

Am Montag bekam der Nationalspieler nach einer MRT die bittere Diagnose. Da zudem das linke Schultereckgelenk lädiert ist, muss er auf ärztliche Anordnung die nächsten zwei Wochen auf der Couch verbringen. Jegliche Unterstützung wird er von seiner brasilianischen Frau Julia erhalten.

Es ist das dritte Mal in diesem Spieljahr, dass er zum Zuschauen gezwungen sein wird. Das erste Kapitel seiner Leidensgeschichte: Im vergangenen September brach sich Erlangens Königstransfer in der Partie gegen Gummersbach den Ringfinger der rechten Hand. Kaum zurückgekehrt, zog er sich im November einen Bänderriss im Daumen zu. „Wenn ich jetzt alles zusammenzähle“, bemerkt Sellin, „komme ich in dieser Saison auf eine Ausfallzeit von 24 Wochen.“ Das sind fast sechs Monate.

Dadurch verpasst Sellin nach dem Hin- nun auch das Rückspiel gegen seinen ehemaligen Verein Melsungen, bei dem er einst zum Publikumsliebling avancierte. „Wenn ich allerdings wieder vernünftig gehen kann, werde ich mit nach Kassel kommen“, verspricht der von der Insel Usedom stammende Handball-Profi. Dann dürften bei Sellin Erinnerungen an gute Zeiten bei der MT Melsungen wachwerden – vor allem an das Jahr 2016.

Auch sie hatten so richtig pech

  • Usain Bolt (Leichtathletik): Er zog sich ausgerechnet im letzten Einzelrennen seiner Karriere im August 2017 bei der WM in London einen Muskelkrampf zu und verpasst so die Goldmedaille mit der Staffel. Er blieb verletzt auf der Bahn liegen und wurde so Letzter.
  • Nicolai Müller (HSV/Fußball): Nach seinem Tor zum 1:0 gegen den FC Augsburg am ersten Spieltag dieser Saison lief er zur Eckfahne, wo er zu einem Jubelsprung ansetzte. Dabei blieb Müller im Rasen hängen und verdrehte sich ein Knie. Er zog sich einen Kreuzbandriss zu und fehlt bis heute.
  • Marco Reus (BVB/Fußball): Er ist der größte Pechvogel der jüngeren Fußballgeschichte. Erst verpasste er WM und EM, dann zog er sich im Mai 2017 einen Kreuz-bandriss zu. Im Februar kehrte Reus zurück, aber schon Mitte März erzwangen muskuläre Probleme eine weitere Pause von vier Wochen. 34 Spiele hat er insgesamt verpasst, nun hofft er auf eine WM-Teilnahme.
  • Manuel Neuer (Bayern München/Fußball): Sein Comeback rückt nach zwei Mittelfußbrüchen näher. Seit März 2017 plagt den Nationaltorwart sein linker Fuß. Den ersten Mittelfußbruch gab’s im April 2017. Kaum zurück, war nach vier Spielen im September schon wieder Schluss – erneuter Fußbruch. 51 Spiele musste er schon zusehen, auch der Einsatz bei der WM ist weiterhin fraglich.
  • Finn Lemke (MT Melsungen/ Handball): Auch bei einem Melsunger läuft es nicht rund. Lemke verpasste schon im Juni 2017 sein letztes Spiel beim SC Magdeburg. Dann fehlte er im November wegen einer Bänderdehnung. Jetzt ist der Abwehrstratege schon wieder verletzt und fehlt bis auf Weiteres. Im Februar erlitt er gegen Flensburg eine Oberschenkelverletzung.

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Quelle: HNA

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