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Deutsche Handballer vor letztem EM-Einsatz: Mit Rumpfkader gegen Russland

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Von: Björn Mahr, Manuel Kopp

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Noch ein letztes Mal Anfeuern: Der Melsunger Tobias Reichmann (Mitte) tritt mit der deutschen Nationalmannschaft heute gegen Russland an. Links steht Bundestrainer Alfred Gislason.
Noch ein letztes Mal Anfeuern: Der Melsunger Tobias Reichmann (Mitte) tritt mit der deutschen Nationalmannschaft heute gegen Russland an. Links steht Bundestrainer Alfred Gislason. ©  imago images/wolf-sportfoto

Das Halbfinale hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft nach der Niederlage gegen Schweden vorzeitig verpasst. In ihrer letzten Partie bei der Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei geht es nur noch um einen versöhnlichen Abschluss. Allerdings muss das Team von Bundestrainer Alfred Gislason heute (18 Uhr, ZDF) in Bratislava gegen Russland mit einem Rumpfkader antreten, denn gestern wurden weitere Corona-Fälle bekannt.

Mit Kreisläufer Patrick Wiencek und Rückraumspieler Simon Ernst reihen sich zwei weitere Akteure in die lange Liste der coronabedingten Ausfälle ein. Die Ergebnisse der PCR-Tests waren nach der 21:25-Niederlage gegen Schweden am Sonntagabend jeweils positiv. Außerdem hat sich ein weiteres Mitglied der DHB-Delegation infiziert. Von den zu EM-Beginn 17 nach Bratislava gereisten Nationalspielern sind jetzt nur noch vier übrig: Kapitän Johannes Golla, Philipp Weber, Julian Köster und Lukas Zerbe.

Einer der vielen Nachnominierten ist Tobias Reichmann von der MT Melsungen. Der Rechtsaußen stieß vor dem ersten Hauptrundenspiel gegen Spanien hinzu. „Die Mannschaft schlägt sich sehr gut“, sagt der 33-Jährige, der vor allem die kämpferische Leistung hervorhebt. „In der Abwehr sind wir in jedem Spiel super. Wo wir uns schwertun, ist im Angriff“, sagt Reichmann. „Wir machen zu viele einfache Fehler, mit denen wir die Gegner zu Toren einladen.“ In dieser besonderen Situation sei das aber zu verschmerzen. Besonders aufgefallen ist dem Rechtsaußen der tolle Zusammenhalt im Team. Beispielsweise hätten die gesunden Spieler immer auch den isolierten Akteuren geholfen.

Heute wird Reichmann der einzige MT-Spieler im deutschen Kader sein, denn seine drei Melsunger Teamkollegen reisten gestern nach Hause. Timo Kastening und Kai Häfner hatten sich nach ihren positiven PCR-Tests in den letzten Tagen nur auf ihren Hotelzimmern in Isolation aufgehalten. Laut DHB-Sportvorstand Axel Kromer wurde die Rückreise als Krankentransport mit medizinischer Begleitung organisiert, obwohl die Spieler keine nennenswerten Symptome mehr aufweisen würden.

Gestern Nachmittag wurde dann bekannt, dass auch Julius Kühn aus Bratislava abgereist ist. Der Rückraumspieler, der der erste Corona-Fall im deutschen Team war, sei inzwischen negativ getestet. „Die Gesundheit unserer Spieler ist uns sehr wichtig. Wir werden alle, die bei der EM im Einsatz waren und positive Corona-Befunde hatten, von unseren Ärzten untersuchen lassen, um abzuklären, wann und in welchem Umfang sie wieder belastbar sind“, sagte MT-Vorstand Axel Geerken.

Einen Tag nach der Partie gegen Schweden hatte ein weiterer nachgereister Spieler die Niederlage schon verdaut. „Nach dem Spiel war ich enttäuscht. Aber wir haben uns lange gut verkauft“, sagte Paul Drux und fügte hinzu: „Ich bin nicht der Typ, der so etwas lange mit sich herumträgt. Ich habe die ganze Nacht Football geguckt, das war spannend genug.“

Mit den Russen wartet nun noch mal eine schwere Aufgabe. „Sie sind sehr robust und körperlich stark“, sagt Rechtsaußen Zerbe. Auf jeden Fall muss Bundestrainer Gislason heute mit seinem kleinen Kader erneut improvisieren. „Ich würde überall einspringen“, sagt Zerbe. Und der Halblinke Drux, der bei der Partie gegen Polen der mögliche Ersatzmann des damals einzigen Torhüters Johannes Bitter war, ergänzt: „Ich habe schon alles gespielt – außer Rechtsaußen.“ Aber diese Position ist heute mit Reichmann und Zerbe ja sowieso schon gut besetzt. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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