Schiller rettet Punkt

Deutsche Handballer erreichen zum Auftakt der Olympia-Qualifikation 25:25 gegen Schweden

Der deutsche Linksaußen Marcel Schiller (am Boden) mit Johannes Golla (von links), Kai Häfner, Philipp Weber, Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki.
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Umjubelt: Der deutsche Linksaußen Marcel Schiller (am Boden) nimmt nach der Schlusssirene die Glückwünsche von Johannes Golla (von links), Kai Häfner, Philipp Weber, Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki entgegen.

Zum Auftakt der Olympia-Qualifikation in Berlin kam die deutsche Handball-Nationalmannschaft zu einem glücklichen 25:25 gegen Schweden.

Berlin – Die Schlusssirene war kaum ertönt, da gab es für Uwe Gensheimer nur eine Richtung. Der Kapitän der deutschen Handbal-Nationalmannschaft lief von der eigenen Ersatzbank im Vollsprint zum gegnerischen Kreis. Aus gutem Grund: Da krümmte sich noch der leicht verletzte Linksaußen-Kollege Marcel Schiller, der zum Auftakt der Olympia-Qualifikation mit einem Treffer in buchstäblich letzter Sekunde das 25:

25 (14:13)-Remis gegen starke Schweden gesichert hatte. Auf Zuspiel von Melsungens Julius Kühn hatte der Göppinger den glänzend aufgelegten Gäste-Torwart Andreas Palicka von den Rhein-Neckar Löwen überlistet.

„Der Punkt war glücklich, aber wir haben ihn uns auch verdient, weil wir sehr gut gekämpft haben“, erklärte Schiller. Zusammen mit dem sich steigernden Torwart Johannes Bitter durfte er sich als Gewinner des Nachmittags fühlen. Zwar haben die Deutschen nun vor der zweiten Partie in der Berliner Max-Schmeling-Halle heute ab 15.35 Uhr (ZDF) gegen Slowenien, das am frühen Abend 36:28 gegen Algerien gewann, weiterhin alle Möglichkeiten – Bundestrainer Alfred Gislason war aber nicht amüsiert. „Ich kann mit unserem Spiel nicht zufrieden sein“, sagte der Isländer. Wie sehr er sich ärgerte, zeigte sich darin, dass er bei der virtuellen Pressekonferenz schon nach dem Eröffnungsspiel für die Begegnung gegen Slowenien personelle Änderungen andeutete.

Da bei der WM im Januar der deutsche Kader noch ein etwas anderes Gesicht hatte, war mit besonderer Spannung erwartet worden, welchen 16 Spielern Gislason gegen Schweden das Vertrauen schenken würde. Die erste Überraschung gab es schon am Vormittag, als Andreas Wolff im Aufgebot fehlte. Der Schlussmann war bei der Weltmeisterschaft noch als Nummer 1A ins Turnier gegangen, hatte die Erwartungen aber dann nicht erfüllt. Nun erhielten Bitter und Silvio Heinevetter im Tor den Vorzug. „Sie spielen in der Bundesliga und kennen die Schweden besser“, erläuterte Gislason seine Entscheidung. Wolff soll heute genauso wie Juri Knorr ins Team rücken.

Dass der Youngster pausierte, kam insofern nicht unerwartet, als der Bundestrainer im Angriff mit der Rückkehr der Kieler Steffen Weinhold, Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek sowie des Berliners Fabian Wiede mehr taktische Möglichkeiten im Angriff hatte. Und diese zunächst auch nutzte.

In der ersten Halbzeit erarbeitete sich die deutsche Mannschaft viele gute Chancen. Der Melsunger Kai Häfner war in seinem 100. Länderspiel ein belebendes Element in der Aufbaureihe. Von fast allen Positionen entwickelte der Gastgeber Torgefahr. Einziges Problem: Vize-Weltmeister Schweden zeigte sich davon unbeeindruckt. Die Skandinavier knüpften da an, wo sie bei der WM aufgehört hatten – sie präsentierten sich als ein starkes Kollektiv.

„Ich bin froh, dass ich diese Zahl erreicht habe“, sagte Jubilar Häfner. Noch mehr freute sich der Halbrechte im Handball-Krimi über das Happyend: „Wir haben immer an uns geglaubt.“ Dabei war ein Teilerfolg nach einem schwachen Start in Halbzeit zwei in weite Ferne gerückt (19:23, 48.). Gislason bezeichnete es später als „disziplinlos“. Etliche Angriffe wurden halbherzig vorgetragen. Palicka zeichnete sich wiederholt aus.

Doch dann wehrte Bitter einige Würfe ab. Im Tempospiel war die DHB-Auswahl nun konsequenter. Flensburgs Johannes Golla und MT-Profi Timo Kastening verkürzten auf 23:24 (56.). „Wir haben in der Schlussphase einen großartigen Job gemacht“, betonte Kastening. Dabei dachte er auch an Schiller, der die beiden letzten deutschen Tore markierte. Mit zwei Siegen gegen Slowenien und Algerien (Sonntag, 15.45 Uhr, ZDF) hätte Deutschland einen der ersten beiden Plätze sicher. (Björn Mahr)

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