„Ihr seid der Abschaum der Liga“

MT-Handballer üben scharfe Kritik am Verhalten der Flensburger Fans

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Musste viel einstecken: Melsungen Michael Müller (rechts) versucht hier, gegen die Flensburger Tobias Karlsson (links) und Holger Glandorf zum Wurf zu kommen.

Kassel. So abwechslungsreich wie die vorangegangenen 60 Spielminuten war auch das, was nach Ende des Pokal-Viertelfinales zwischen der Flensburgund der MT Melsungen geschah.

Die Gastgeber nutzten den Augenblick des großen Glücks, um gleich mal die Vertragsverlängerung ihres schwedischen Handballers Jim Gottfridsson bis zum Sommer 2018 zu verkünden.

Die Gäste brachten nach der 28:32 (18:17)-Niederlage derweil ihren Unmut über das Verhalten einiger Flensburger Fans zum Ausdruck.

Der Aufreger

Dass es nur teilweise um den Sport ging, hatte damit zu tun, dass einige Anhänger der Hausherren auf der berüchtigten Nordtribüne während der Partie skandierten: „Ihr seid der Abschaum der Liga.“ MT-Coach Michael Roth sagte dazu: „Das tut weh, weil wir eine Mannschaft haben, die versucht, gut Handball zu spielen. Und das haben wir in der ersten Halbzeit getan.“ Tatsächlich passte vieles im Spiel des Außenseiters. 18 Tore in einer Hälfte werfen auch nur wenige Teams bei den Nordlichtern.

Auch Manager Axel Geerken hatte kein Verständnis für die Reaktionen der Zuschauer: „Das war nicht die feine Art.“ So etwas würde er bei Melsunger Fans nicht tolerieren: „Der Handball unterscheidet sich ja in diesem Punkt zu der Situation in vielen Fußball-Stadien.“ Im Fachmagazin Handball Woche haben sich in den vergangenen Monaten wiederholt Gäste-Fans in Leserbriefen über die Stimmung in der Flens Arena geärgert.

Die hitzige Atmosphäre

Schon von der ersten Ballberührung an wurden die Müller-Zwillinge Philipp und Michael ausgepfiffen und teilweise von einigen Zuschauern sogar beleidigt. „Es hat in den letzten Jahren in Flensburg Überhand genommen“, beklagt Kapitän Michael Müller. Seine Kritik zielt auf eine Gruppe von zehn bis 15 Personen auf den Stehrängen, die regelmäßig Stimmung gegen bestimmte Spieler machen. Kiels Christian Zeitz kann bekanntermaßen auch ein Lied davon singen. Auf Michi Müller wirkt das Verhalten dieser Fans insofern befremdlich, weil in unmittelbarer Nähe auch viele Kinder die Partie verfolgen.

Der Schreckmoment

Der Spielführer der Gäste musste nicht nur Schmährufe, sondern auch einige harte Fouls einstecken – von Tobias Karlsson und vor allem Jacob Heinl. In einer Szene wurde Müller von Heinl so heftig gerempelt, dass der Melsunger mit dem Kopf voran auf den Boden knallte. „Ich hatte in der Pause einige Gedächtnislücken“, berichtete der MT-Kapitän. Ansonsten trug er aber nur eine dicke Beule davon.

Eigentlich hätte ihn Trainer Roth nach dem Seitenwechsel schonen müssen. Das ging aber nicht, weil der estnische Rückraumschütze Dener Jaanimaa verletzungsbedingt vorzeitig vom Feld musste. „Ich ziehe meinen Hut vor Michi Müller“, lobte der Melsunger Coach seinen Rückraumstrategen, „er hat gezeigt, dass er ein großer Kämpfer ist.“

Viel Zeit zum Verschnaufen hat Müller nicht. Schon am morgigen Samstag ab 19 Uhr geht es in der Kasseler Rothenbach-Halle in der Bundesliga weiter gegen den Bergischen HC. „Bei unserer personellen Lage ist dies sicherlich nicht glücklich“, erklärte Müller, „andererseits müssen wir nicht lange nach der Niederlage grübeln.“

Quelle: HNA

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