Unverständnis bei MT-Trainer Roth

Handball-EM: Finn Lemke äußert sich vorerst nicht zur Nicht-Nominierung

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Begeisterung sieht anders aus: Finn Lemke nach einer Niederlage mit der MT Melsungen.

Kassel. Der Stachel sitzt tief. Die Enttäuschung bei Finn Lemke ist so groß, dass er sich am Tag nach der Nicht-Nominierung für die Handball-EM nicht äußern wollte. Wer will es ihm übel nehmen?

Er sei erst ab Dienstag wieder erreichbar, schrieb der Abwehrchef der MT Melsungen dieser Zeitung über den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Dass Bundestrainer Christian Prokop den 2,10 Meter großen Hünen sowie zwei weitere Europameister nicht mit nach Kroatien nimmt, schlug indes hohe Wellen.

Neben Lemke fielen Rückraumspieler Fabian Wiede und Linksaußen Rune Dahmke hinten runter. Vorerst zumindest. Vor allem die Aussortierung des 25 Jahre alten Melsungers sorgte aber für das größte Kopfschütteln. Damit hatte niemand gerechnet. Zumal Lemke innerhalb des Nationalteams hohes Ansehen genießt und als Abwehrchef gewissermaßen der Ober-Bad-Boy beim Titelgewinn vor zwei Jahren in Polen war.

Der frühere Welthandballer Daniel Stephan bezeichnet Lemke als den Motor der überragenden Defensive. Wenn Prokops Entscheidungen nicht zum Erfolg führen, könne das für den Bundestrainer zum Bumerang werden. Überdies vermutet Stephan, dass Lemkes Fehlen einige Spieler wahrscheinlich schocken und verunsichern würde. Und: Es sähe schon komisch aus, „dass Bastian Roscheck und Maximilian Janke von Prokops ehemaligen Verein Leipzig den Vorzug bekommen haben“.

Mittlerweile hat sich Lemke geäußert: "Es traf mich ohne Vorahnung."

Verblüfft aber verständnisvoll kommentiert Heiner Brand die Kader-Planung. Der ehemalige Bundestrainer spricht von einer mutigen Entscheidung. Verbandsvize Bob Hanning verteidigt das Vorgehen Prokops. Er habe sich für sein Spielsystem entschieden und habe sich danach den Kader ausgesucht. Zudem verweist Hanning auf die bis zu sechs Wechseloptionen im Laufe des EM-Turniers: „Wer weiß, ob Finn Lemke im Halbfinale gegen eine der Top-Mannschaften wieder mit dabei ist?“ Für den Melsunger sicherlich nur ein schwacher Trost.

Und Lemkes Heim-Trainer? „Ich war völlig schockiert“, erklärt MT-Coach Michael Roth. Sein Unverständnis für diesen Entschluss des Bundestrainers teilte er Lemke via WhatsApp mit. „Finn ist ein Qualitätsspieler. Da greift keine Argumentation“, stellt Roth fest. Er ist davon überzeugt, dass die deutsche Mannschaft im Verlauf des Turniers auch mal mit einer defensiven 6:0-Deckung agieren muss. Dafür sei Lemke praktisch unverzichtbar. „Wenn es in Kroatien in dieser Besetzung nicht gut geht, werden Fragen kommen“, prognostiziert Roth.

Der Melsunger Trainer ist mit Lemke so verblieben, dass dieser bis zum nächsten Montag freibekommt. Dann wird er mit ins Trainingslager nach Fuerteventura reisen.

Quelle: HNA

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