Michael und Philipp Müller zum letzten Mal im Trikot der Nordhessen

Abschied nach sechs Jahren bei der MT Melsungen: "Es war eine geile Zeit"

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Charakterköpfe: Die Zwillinge Philipp (links) und Michael Müller haben in den vergangenen sechs Jahren das Gesicht der MT mit geprägt.

Eine kleine Ära geht zu Ende. Am Sonntag tragen die Zwillinge Philipp und Michael Müller zum letzten Mal das Trikot der MT Melsungen.

Echte Typen sind sie, die Müllers. Die Zwillinge Philipp und Michael hatten großen Anteil am Aufschwung der MT Melsungen. Nicht nur sportlich. Sie haben das Gesicht des Handball-Bundesligisten geprägt. Haben zur positiven Entwicklung beigetragen. Das Image aufpoliert. Zugleich haben sie polarisiert – mit ihrer ehrlichen Art und mit ihrer robusten Spielweise. Pfeifkonzerte in fremden Hallen waren keine Seltenheit.

Am Sonntag beim abschließen Saisonspiel gegen den TBV Lemgo laufen die Müllers zum letzten Mal als Gastgeber in der Kasseler Rothenbach-Halle auf (Anwurf 15 Uhr). Philipp Müller spielt ab der kommenden Saison in Leipzig, Michael für die Füchse Berlin. Beide Verträge wurden vorzeitig aufgelöst. Grund genug, einen Rückblick zu wagen auf sechs Jahre in Nordhessen.

... die Gefühlslage

Michael Müller: „Wir haben bereits ein kleines Abschiedsfest gegeben. Nur mit Familie und Freunden. Das war sehr emotional. Außerhalb des Handballs haben wir viele Freunde gefunden. In den sechs Jahren haben wir uns hier pudelwohl gefühlt. Es ist schon sehr traurig, wenn man realisiert, dass nun ein neuer Abschnitt losgeht.“

Philipp Müller: „Das stimmt. Wir lassen alle zurück. Es fühlt sich ein bisschen so an wie damals, als wir unsere Heimat Bayreuth verlassen haben. Ich blicke dem Abschied doch wehmütig entgegen.“

... besondere Momente

Michael Müller: „Unsere beiden Söhne sind in Kassel zur Welt gekommen. Da geht nichts drüber. Sportlich waren die zwei Teilnahmen am Final Four absolute Höhepunkte. Die Euphorie im Europapokal. Die Auswärtsfahrten. Der Sieg in Flensburg. Dass uns dabei so viele Fans begleitet haben, zum Beispiel die Trommler, das war  echt klasse. Aber den einen speziellen Moment zu nennen, geht gar nicht. Wir hatten Spaß. Es war einfach eine geile Zeit.“

... Freundschaften

Philipp Müller: „Mit Michael Allendorf und seiner Frau Natalie hat sich eine dicke Freundschaft entwickelt. Nicht nur, weil wir mit Michael eine Fahrgemeinschaft hatten. Mit Patrik Fahlgren haben wir noch Kontakt, auch mit Mikael Appelgren.“

Michael Müller: „Ich finde Freundschaften extrem wichtig. Innerhalb einer Mannschaft sind sie vielleicht nicht immer üblich. Mit Allendorf machen wir seit jeher eine Abschlussfahrt zu dritt. Es ist schön, wenn du besondere Momente im Urlaub teilst. Der Ausblick auf einem Berg. Der Strand auf den Seychellen. Das verbindet.“

... den Stammtisch

Philipp Müller: „Ach, das hat sich damals so ergeben. Statt in der Halle nach dem Training ein Bier zu trinken, konnten wir uns genauso gut in eine Kneipe setzen. Das war dann halt in Kassel im Ulenspiegel. So gut wie jeden Donnerstag. Wir waren dabei, Allendorf, Fahlgren, Appelgren. Johan Sjöstrand kam später auch dazu. Das ist mit der Zeit eingeschlafen. Ab und zu treffen wir uns heute noch mit ein paar Jungs von den Huskies.“

Michael Müller: „Das wurde zur wöchentlichen Routine. Da herrschte ein toller Zusammenhalt. Michael Roth wusste übrigens davon. Wir bildeten den Kern seiner Mannschaft. Und solange am Wochenende die Leistung passte, hatte er nichts gegen den Stammtisch.“

... Michael Roth

Michael Müller: „Wir haben ihm viel zu verdanken. Weit mehr als die Hälfte unserer Profizeit haben wir unter diesem Trainer gespielt. Schorle hat uns zur MT geholt. Wenn ich an so manchen Kommentar in den Foren denke, werde ich jetzt noch sauer. Da war von Roths Altherren die Rede. Von Vetternwirtschaft. Philipp und ich haben immer mit Herz für die MT Melsungen gespielt und alles gegeben.“

... die MT-Entwicklung

Michael Müller: „Es hat sich extrem viel getan.  Zuschauer sind zu echten Fans geworden. Plötzlich war die Halle voll, es herrscht eine tolle Atmosphäre. Die gesamte Präsenz in der Region – es ist toll, das alles miterlebt zu haben.“

Philipp Müller: „Ich bin auch stolz darauf. Als wir hierher kamen, wollten wir Handball spielen und Erfolg und Spaß haben. Dass wir zu dieser Entwicklung beigetragen haben, ist eine Bestätigung für unsere Arbeit.“

... Tiefschläge

Michael Müller: „Wir haben uns einen Ruf erarbeitet, der in anderen Hallen nicht positiv ankommt. Aber wir haben immer alles für den Erfolg unserer Mannschaft getan. Waren immer ehrlich. Von daher haben wir im Januar einen Tiefschlag erlebt, als uns mitgeteilt wurde, dass die Verträge aufgelöst werden. Das war bitter. Wir wären sehr gern noch ein Jahr hier geblieben und hätten unseren Vertrag erfüllt.“

... die Müllers

Philipp Müller: „Wir haben uns eine gewisse Unbekümmertheit bewahrt.“

Michael Müller: „Genau. Vor allem Philipp redet gern mal dummes Zeug. Wir sind ehrlich, laut und manchmal auch anstrengend. Peinliches Schweigen, egal wo, ist für uns das Unangenehmste. Das Wichtigste ist: Wir nehmen uns selbst nicht so ernst.“

Philipp Müller: „Dass ich noch mal sechs Jahre mit meinem Bruder zusammenspielen durfte, war echt klasse. Es war schön, dass wir mit unseren Familien in einer Stadt gelebt haben.“

Michael Müller (34) spielt im rechten Rückraum. Der Linkshänder nahm mit der deutschen Nationalmannschaft unter anderem an der WM 2009 in Kroatien teil, wo Deutschland Fünfter wurde. Seine Stationen: Haspo Bayreuth, TV Großwallstadt, Rhein-Neckar Löwen, HSG Wetzlar, MT Melsungen. Im Sommer wechselt er zu den Füchsen Berlin. Müller ist mit Kaja Schmäschke liiert – sie haben einen Sohn zusammen.

Philipp Müller (34) spielt im linken Rückraum. Im Gegensatz zu seinem Bruder Michael trug er nur zweimal das Adlertrikot. Ansonsten unterscheidet sich sein Werdegang nur unwesentlich von dem seines Zwillings. Zu der Zeit, als Michael bei den Löwen unter Vertrag stand, war Philipp bei Balingen-Weilstetten aktiv. Ab Juli ist er für den SC DHfK Leipzig im Einsatz. Philipp Müller ist mit Katja Langkeit liiert – auch sie sind Eltern eines Sohnes.

Quelle: HNA

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