Letzter Spieltag in der Handball-Bundesliga

MT Melsungen: Abschied mit Tränen und viel Respekt

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Bewegender Moment: Michael Müller mit Barbara Braun-Lüdicke.

Sehr emotional wurde es nach dem letzten Saisonspiel der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga gegen den TBV Lemgo Lippe.  Drei Spieler wurden verabschiedet. 

Als das Spiel gewonnen, das Ziel erreicht war, da kam für Spieler, Verantwortliche und Fans der MT Melsungen die Zeit des Feierns. Und die des Abschieds. Es gab bewegende Worte und lustige Anekdoten. Es gab Geschenke und freundschaftliche Gesten. Und ja, es gab auch Tränen bei Handball-Hünen, denen die Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke mit der Überreichung eines Taschentuches begegnete – ehe auch sie sichtbar schlucken musste angesichts der anstehenden Trennungen.

Denn klar: Die Melsunger A-Jugend wurde für Platz drei bei der Deutschen Meisterschaft geehrt. Simon Birkefeldt, der „liebe Kerl“ – so Braun-Lüdicke – verlässt die Mannschaft nach nur einer Saison, bekam von Kapitän Finn Lemke mit auf den Weg: „Schade, dass du gehst – auch für unsere Mannschaftskasse.“ Im Mittelpunkt aber standen Philipp und Michael Müller, die Zwillinge, deren Zeit bei der MT nach sechs Jahren endet. Und über die Braun-Lüdicke sagte: „Euch hat man lieber im eigenen Team, als in dem des Gegners.“ Dass das Ende der Melsunger Zeit nun nicht ganz freiwillig kam, klang am Sonntag nur am Rande an. So sagte Manager Axel Geerken: „Wir haben eine schwere Entscheidung getroffen, die euch nicht gefallen hat. Aber ihr habt weitergemacht, als ob nichts wäre. Das ist sensationell.“

Emotionaler Abschied: Philipp Müller (links) überkamen bei seinem letzten Auftritt für die MT Melsungen die Tränen. 

Rechtsaußen Tobias Reichmann erklärte: „Es ist sehr schade, wie das geendet ist.“ Ursprünglich galten die Verträge der Zwillinge bis zum Sommer 2020.

Als Michael Müller zur Bühne schritt, da spiegelte sich in seiner ernsten Miene doch, wie schwer ihm dieser Gang fiel. Vor ihm aber war zunächst Bruder Philipp aufgerufen worden. Mit ihm begann der Spätnachmittag der nicht endenden Ovationen. Es brandete ein Jubelorkan auf, während das „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller aus den Boxen dröhnte. Müller winkte. Er lächelte. Und schlug dann doch die Hände vors Gesicht, als die ersten Tränen liefen. Erst Michael Allendorf lockerte die Stimmung wieder. Im Video, das die Teamkollegen allen drei Abgängern gedreht haben, sagt er: „Du weißt, wie es ist im Sport: Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Und verschwindet aus dem Bild. 

Natürlich nur, um kurz darauf zurückzukehren und zu versichern: „War nur Spaß!“ Felix Danner verriet dann auch noch die Einschlaf-Challenge mit seinem Zimmer-Nachbarn. Gewonnen hatte, wer als Erster einschlief. Denn: „Wir schnarchen beide!“ Finn Lemke würdigte Philipp Müller mit den Worten, die auf beide zutrafen: „Du bist ein Teil von Kassel, ein Teil der MT. Du hast die DNA.“ Kein Wunder, dass der so Gepriesene bat: „Ich hoffe, dass ich hier zukünftig ein gern gesehener Gast bin.“ Bruder Michael, drei Jahre Kapitän der Mannschaft, stellte anschließend fest: „Ich bin extrem dankbar, Teil dieser Geschichte gewesen zu sein.“ In diesen Dank schloss er ausdrücklich den früheren MT-Trainer Michael Roth ein. Scherzhaft erklärt Müller: „Ich habe Heuschnupfen, daher die roten Augen.“

Wie groß der Respekt seiner Teamkollegen ist, wurde in vielen Statements klar. Lemke sprach von einem „Riesenjob“, betonte auch die menschliche Größe. Und Allendorf, den Müllers auch privat eng verbunden, sagte: „Die letzten Tage waren sehr hart. Beide sind Freunde für Leben. Das war sehr emotional.“ Bei soviel Wehmut lohnt dann noch mal der Blick zurück aufs Spiel: Dass Simon Birkefeldt das erste Tor gegen Lemgo geworfen hatte und Michael Müller das letzte. Dass dieser Treffer noch ein Kempa-Trick war nach Zuspiel von Bruder Philipp, setzte den glanzvollen Schlusspunkt unter die Zeit der Müllers in Melsungen – es passte zu diesem bewegenden Handball-Nachmittag in der Rothenbach-Halle.

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Quelle: HNA