Spiel eins nach Gudmundsson-Trennung

23:22 – Kai Häfners Geniestreich bringt der MT Melsungen den ersten Saisonsieg

Erleichterung im MT-Lager: MT-Kapitän und Siegtorschütze Kai Häfner, rechts im Bild, mit Arnar Freyr Arnarsson.
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Erleichterung im MT-Lager: MT-Kapitän und Siegtorschütze Kai Häfner, rechts im Bild, mit Arnar Freyr Arnarsson.

Um 17.36 Uhr war es geschafft: Nach einem wahren Handball-Krimi freuten sich die Bundesliga-Profis der MT Melsungen über einen 23:22 (10:7)-Heimsieg gegen den TuS N-Lübbecke.

Kassel – Um 17.36 Uhr war es geschafft: Nach einem wahren Handball-Krimi freuten sich die Bundesliga-Profis der MT Melsungen über einen 23:22 (10:7)-Heimsieg gegen den TuS N-Lübbecke. Erst ein technischer Fehler der Gäste kurz vor Ende besiegelte den ersten Saisonsieg der MT, für die es das erste Spiel nach der Entlassung von Trainer Gudmundur Gudmundsson war.

Ein Nachfolger für Gudmundsson war noch nicht dabei – auch wenn eine Verpflichtung des Spaniers Roberto Garcia Parrondo immer wahrscheinlicher wird. Der diesmal als Chefcoach eingesetzte Arjan Haenen wurde auf der Bank durch Manager Axel Geerken unterstützt. „Ich muss den Jungs ein Riesen-Kompliment machen“, sagte Haenen, „wir haben einen richtigen Kampf gesehen.“

Es brauchte nicht lange, bis die Melsunger zum ersten Mal an diesem Nachmittag den Beifall ihrer zuletzt nicht gerade verwöhnten Fans herausforderten. Erst traf Julius Kühn zum 1:0 (1.), dann parierte Torwart Silvio Heinevetter gegen Peter Strosack (2.). Bei der MT war die nötige Entschlossenheit zu spüren – auch wenn wie erwartet noch längst nicht alles nach Wunsch lief. Zudem wehrte TuS-Schlussmann Aljosa Rezar sofort einige Würfe der Gastgeber ab. Mal wieder, denn schon vor eineinhalb Jahren hatte er damals noch im Trikot des dänischen Europacup-Teilnehmers Silkeborg den Nordhessen einiges Kopfzerbrechen bereitet.

Die Melsunger versuchten, ihre Stärken zum Tragen zu bringen: im Angriff beispielsweise das Zusammenspiel von Kai Häfner mit Rechtsaußen Timo Kastening, in der Abwehr viel Aggressivität im Zentrum. „Es war nicht immer schön, aber wir hatten in der ersten Hälfte eine exzellente Defensive“, bilanzierte MT-Regisseur Elvar Örn Jonsson. Bitter allerdings, dass sich Hüne Finn Lemke früh am Knöchel verletzte (9.) und ausfiel. Für ihn rückte Marino Maric an die Seite von Arnar Freyr Arnarsson.

Es war ein umkämpftes Spiel. Haenen brachte nach 20 Minuten neue Kräfte – und über einen freuten sich die Zuschauer ganz besonders: Andre Gomes kam nach überstandener Fußverletzung zu seinem MT-Debüt.

Das vielleicht schönste Tor in Halbzeit eins warf Kastening: Nach einem Offensivfoul der Gäste beförderten Arnarsson und Häfner den Ball so schnell nach vorn, dass der Ex-Hannoveraner keine Mühe hatte, den in seinen Kasten zurück eilenden Rezar zu überlisten (29., 10:7).

Von allen Fesseln, die während der Gudmundsson-Ära die Entfaltung der Mannschaft gehemmt hatten, konnten sich die Gastgeber bis zum Wechsel nicht befreien. Was sich beim Start in Hälfte zwei widerspiegelte. Viermal in Folge war Valentin Spohn eher ungehindert aus dem Rückraum für die Ostwestfalen erfolgreich – aus einer Drei-Tore-Führung wurde der erste Melsunger Rückstand (10:11). Erst Elvar Örn Jonsson mit seinem ersten Tor an diesem Nachmittag stoppte den Negativtrend.

Von den Halbpositionen musste bei der MT jetzt mehr kommen. Solche überzeugenden Abschlüsse wie in der 40. Minute durch Kühn gab es zu selten (13:13). Danach bekamen die Hausherren die Begegnung wieder besser unter Kontrolle. Auch, weil Torhüter Nebojsa Simic nach seiner Hereinnahme für Heinevetter ein paar Mal stark reagierte und schnell mit „Simo, Simo“-Sprechchören gefeiert wurde. Eine herrliche isländische Co-Produktion von Jonsson und Arnarsson brachte das 18:15 (46.), das 19:15 markierte Kastening ebenso elegant (47.).

Den Sack zumachen konnten die Nordhessen in dieser Phase noch nicht – obwohl sie sich mit allem, was sie hatten, dem Kontrahenten entgegenstemmten. Schlimmer noch: In der 57. Minute gerieten sie durch ein Kontertor von Tom Skroblien wieder in Rückstand (21:22). Dann schlug Häfner zurück – das 23:22 ein Geniestreich. „Der Ball musste nur irgendwie rein“, sagte der Nationalspieler. „Und ich wollte den Torwart überraschen.“ Sein Plan ging auf – um 17.36 Uhr. (Björn Mahr und Manuel Kopp)

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