Handball-Experten aus der Region über den schwachen WM-Auftritt der Deutschen

Es ist Zeit für Veränderungen

Ute Berz

Rat- und machtlos wirkte Bundestrainer Heiner Brand als sich die Deutsche Nationalmannschaft am Dienstagabend beim 25:35 gegen Norwegen regelrecht vorführen ließ. Das Abschneiden der Mannschaft ist das schlechteste unter seiner Führung und selbst ein Sieg beim letzten Auftritt gegen Argentinien (heute, 18 Uhr) und damit Platz elf, würde das Debakel nicht schmälern. Welchen Anteil trägt der Trainer an dem Auftritt seiner Mannschaft? Sollte er womöglich abtreten, um Platz für einen Neuanfang zu schaffen? Das wollten wir von Handball-Fachleuten aus der Region wissen.

„So schlecht, wie sich die Mannschaft präsentiert hat, ist sie nicht“, ist sich Franz Fischer, Co-Trainer der Bezirksoberliga-Handballerinnen der HSG Werra WHO sicher. Entweder es stimme etwas in der Mannschaft nicht, oder der Trainer erreiche die Spieler nicht mehr, mutmaßt er, „und das zweite, das wird es wohl sein.“ Oft werde in solchen Situationen ein Neuanfang gemacht, meint Fischer und ergänzt nüchtern: „Und mit dem alten Trainer geht das nicht.“ Es sei an der Zeit für einen neuen Mann – einen, der etwas am Spielsystem ändert und die Mannschaft so weniger ausrechenbar macht.

Ein bisschen anders sieht das Ute Berz, Trainerin der Landesliga-Damen des TV Hersfeld. „Vielleicht wäre ein Trainerwechsel nicht schlecht“, sagt sie, „aber wer wäre ein adäquater Ersatz?“ Die eigentlichen Gründe für das Abschneiden der Deutschen sieht sie an anderer Stelle. „Wir sollten in Deutschland umdenken. In der Bundesliga müssen deutsche Spieler einfach mehr Spielpraxis bekommen“, meint Ute Berz und fordert damit das gleiche wie der Bundestrainer. Sollten dessen Vorstellungen hinsichtlich der Zukunft des deutschen Handballs erfüllt werden, hält sie Brand weiterhin für den richtigen Mann.

Ihrer Meinung ist in diesem Punkt auch Tomas Pankiewicz, Torwart im Oberliga-Team des TVH. „Ich glaube, die Mischung, die gewählt wurde, stimmt nicht ganz“, sucht er nach Gründen. „Die Mannschaft ist im Umbruch, das sind alles junge Leute – da reicht es im Moment einfach nicht für ganz oben.“ Wie es weitergehe, müsse man abwarten, überzeugt sei er jedoch davon, dass Brand der richtige Trainer ist. Fotos: Eyert (1), Ar (2)

Von Kristina Marth

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