Der Kohlhäuser Bernd Kragl besitzt die Bretter des einstigen Weltklasse-Springers Jiri Raska

Wenn Ski reden könnten

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2,50 Meter lang sind die Sprungski des tschechischen Skispringers Jiri Raska , die der Kohlhäuser Bernd Kragl im Keller aufbewahrt.

Bernd Kragl (65) aus dem Hersfelder Stadtteil Kohlhausen hütet einen Schatz in seinem Keller. Von seinem Vater Ernst hat der Ehrenvorsitzende des WSC Fuldatal zwei besondere Erinnerungsstücke geerbt: Die Sprungski des einstigen tschechischen Weltklassespringers und Olympiasiegers Jiri Raska.

Der Kohlhäuser stellt die Ski auf schneebedecktem Feld vor dem Haus auf. „Sie sind einfach lang und damit für mich zu groß, um sie im Wohnzimmer aufzuhängen“, sagt er. Deswegen kann er die beiden Erbstücke nur im Keller aufbewahren.

Die Maße der Ausrüstung sowie die Technik der Bindung haben sich im Laufe der Zeit nur wenig verändert – das Material dagegen schon. 2,50 Meter sind die beiden Sprungski lang. Sie sind zwölf Zentimeter breit. Sie besitzen eine Alu-Schlaufenbindung wie es sie einst auch für Abfahrtsski gab. Schon vor einiger Zeit sind die Metallschlaufen durch Bindungen aus Plastik und Gummi ersetzt worden. Und: Die meisten Ski werden heute auf Zentimeter und Gramm den Körpermaßen der Springer angepasst.

Kragl erzählt: „Mein Vater hat sie damals aus Klingenthal mitgebracht.“ Dort muss ein Springen gewesen sein, wo Ernst Kragl – selbst gebürtiger Tscheche – den Weltklasseathleten Jiri Raska traf. Und ihm die Ski abgekauft haben muss. Vater Kragl war selbst Skispringer, machte sogar bei Wettbewerben auf Schanzen in der Region mit. Wie zum Beispiel in Poppenhausen in der Rhön. Oder in Bermuthshain im Vogelsberg. Wenn diese Ski reden könnten, dann könnten sie einiges erzählen. Sie könnten erzählen von dem Mut ihres Besitzers, von seinem Gefühl, wenn er oben am Start sitzt, hinabschaut in das weite Rund der Zuschauer. Von dem Nervenkitzel, wenn er Anlauf nimmt, von dem spannenden Moment, wenn sie vom Schanzentisch abheben. Und von dem Nervenkitzel beim Flug und bei der Landung.

Jiri Raska war in den 60er- und 70er-Jahren ein bekannter Skispringer. Er holte Gold- und Silbermedaillen bei der Olympiade in Grenoble über die Normal- und Großschanze. Raska war zur damaligen Zeit eine Legende, nicht nur in der Tschechoslowakei, sondern in den ganzen Staaten des Warschauer Pakts.

Zu einem Weltcuspringen in der Hohen Tatra strömten bis zu 100 000 Zuschauer an die Schanzen. Am 22. März 1969 war er für einen Tag sogar Weltrekordhalter im Skifliegen auf der neuen Schanze in Planica. Er schaffte 164 Meter, einen Tag später wurde er von dem Norweger Björn Wirkola um vier Meter geschlagen. Gut möglich, dass er damals die Ski trug, die heute im Besitz von Kragl sind. Er gewann einmal die Vierschanzentournee (1970/71) und war davor zweimal Zweiter.

Raska sprang noch den damals übligen Vorlagen- und Fischstil: die Ski eng zusammen, die Arme zunächst ausgebreitet wie ein Adler, später eng anliegend am Körper. Raska starb 2012 im Alter von 71 Jahren. Ein Paar Ski haben ihn überdauert. Schade nur, dass sie nichts erzählen können ...

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