Wenn Eishockey-Profis Eisenschlitten ziehen ...

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Derek Dinger zieht beim Sommertraining einen mit Gewichten beladenen Eisenschlitten hinter sich her. Der Name Kassel Huskies wird zum Programm.

Die Eishockey-Profis der Kassel-Huskies müssen sich auch im Sommer fit halten - mit maximaler Belastung.

Sechs Monate dauert die Sommerpause für die Eishockey-Profis der Kassel Huskies in diesem Jahr. Wir haben uns mal gefragt, wie sich Eishockeyspieler in dieser Zeit fit halten?

Die Sommerpause war diesmal viel zu lang“, sagt Derek Dinger. Schon am 12. März war die Saison in der zweiten Eishockey-Bundesliga (DEL 2) für die Kassel Huskies und ihren erfahrenen Verteidiger vorbei.

Eine 1:2-Niederlage im dritten Pre-Playoff-Spiel gegen Crimmitschau bedeutete das überraschende Aus. Während die anderen Teams fortan um die Meisterschaft spielten, begann für den 32-Jährigen und seine Teamkollegen exakt an diesem Dienstagabend die Sommerpause.

Sechs Monate liegen für Dinger und die Huskies diesmal zwischen dem letzten Saisonspiel und dem Saisonauftakt gegen den Erzrivalen und Lieblingsgegner Löwen Frankfurt. Sechs Monate. Eine lange Zeit. Was aber macht ein Eishockeyprofi eigentlich während der Sommermonate? Urlaub?!

Dinger muss lachen. „Man sieht erst mal zu, dass man seinen Körper ein wenig runterfährt, um von den Belastungen der Saison mit etwa 60 Spielen zu regenerieren. Zwei vielleicht auch drei Wochen. Und es ist nicht schlecht, wenn man dann vielleicht irgendwo schon mal ein bisschen Sonne tanken kann, weil es in Deutschland um diese Jahreszeit ja noch recht kalt ist“, berichtet er.

Nach dieser Regenerationsphase geht es dann auch schon los mit dem Sommertraining. In drei Phasen – die jeweils etwa einen Monat dauern – bereiten sich Dinger und Co. auf die Saison vor, ehe Mitte August das Mannschaftstraining beginnt. „Du musst den Sommer gut nutzen. Da holst du dir als Eishockeyspieler die Kraft und legst die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison“, berichtet der Kasseläner, der 2014 mit dem ERC Ingolstadt Deutscher Meister war.

Du kommst hier nicht durch: Kassels Verteidiger Derek Dinger (im blauen Trikot) räumt – hier im Spiel gegen Kaufbeuren – vor dem eigenen Tor auf. Foto: schachtschneider

Nervt das nicht manchmal? „Natürlich willst du als Eishockeyspieler lieber aufs Eis. Du bist ja kein Bodybuilder. Aber das Sommertraining ist nun mal essenziell“, sagt Dinger. Er kennt das von Kindesbeinen an. Seit er Kassel mit zarten 13 Jahren verließ, um bei den Eisbären Berlin seine ersten Schritte für eine Profi-Karriere zu machen. „Bei den Trainern der alten DDR-Schule in Berlin habe ich Disziplin gelernt. Ich weiß, was man als Profi zu tun oder zu lassen hat“, stellt Dinger klar. Das habe ihm während seiner gesamten Karriere, die ihm mehr als 500 DEL-Spiele beschert hat, geholfen. „Ich hatte immer wenig Verletzungen, weil ich fit war und auf meinen Körper geachtet habe“, berichtet er. Jetzt, mit 32 Jahren, sei das umso wichtiger.

Das Sommertraining absolviert Dinger diesmal mit seinen Teamkollegen Michael Christ, Marco und Richie Müller, Alexander Heinrich sowie Toni Ritter, der in Kassel keinen neuen Vertrag bekommen hat und zum Liga-Konkurrenten Dresden wechselt. Fünfmal pro Woche trainieren sie am Vormittag für drei bis vier Stunden.

Derzeit befindet sich die Gruppe in der dritten und letzten Phase. „Wir trainieren jetzt auf Schnelligkeit und Agilität“, sagt Dinger. Phase eins sieht neben Krafttraining auch Konditionseinheiten mit Jogging und Fahrradfahren vor. In der zweiten Phase wird mit maximalem Gewicht trainiert. „Da versuchst du, an Masse zuzulegen und deine besten Werte zu schaffen“, sagt Dinger.

Wenn in etwa vier Wochen das Eistraining beginnt, sind die Grundlagen gelegt. Dann geht es zweimal täglich aufs Eis, dazu kommen noch Athletikeinheiten. Vier Wochen nur bleiben dem Team zur gemeinsamen Vorbereitung. „Essen-Training-Schlafen“ – so beschreibt Dinger den Rhythmus in dieser Zeit.

Der 32-Jährige kennt das nicht anders. „Du weißt als Eishockeyspieler genau, wofür du dich im Sommer quälst“, sagt er.

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