Wie gehen jugendliche Sportler mit der Corona-Zwangspause um?

Wenn die Playstation heiß läuft

Geht regelmäßig joggen: Mara Spill, Handballerin des TV Hersfeld.
+
Geht regelmäßig joggen: Mara Spill, Handballerin des TV Hersfeld.

Der zweite harte Lockdown sorgt bei den Teamsportlern für Trainingsverbote und Wettkampfpausen. Wir haben jugendliche Sportler gefragt, wie sie mit dieser schwierigen Situation umgehen.

Bad Hersfeld – Mara Spill ist genervt. Das gibt sie ohne Umschweife zu. „Es geht jetzt fast schon seit einem Jahr so – es reicht langsam“, sagt die 17-jährige Handballerin, die bereits im zweiten Jahr dem Landesliga-Kader der Frauenmannschaft angehört.

Die angehende Abiturientin ist aus mehreren Gründen mit der derzeitigen Situation unzufrieden. Erstens falle der Handball und somit der Kontakt zu den Teamkolleginnen weg. Zweitens seinen auch die privaten sozialen Kontakte beschränkt. Und drittens ist da ja auch noch die Schule. „Ich habe an sich bis zum Abi wohl nur noch zwei Monate Schulpflicht. Aber ich frage mich, wie demnächst alles weitergehen soll. Welche Themen für das Abi relevant sind – oder auch, ob es überhaupt einen Abi-Ball geben kann“, fasst sie zusammen.

Was das Handball-Training anbelangt, tut sich Mara Spill ein wenig schwer, was geeignete Alternativen anbelangt. „Ich gehe zwar jeden zweiten Tag joggen und mache zu Hause auch etwas Krafttraining. Aber das kommt natürlich alles nicht an die Belastung vom Handball dran“, berichtet sie. Dreimal pro Woche trainiert sie in „Nicht-Corona-Zeiten“ mit der A-Jugend von Ute Berz, für die sie aufgrund ihres Alters noch spielberechtigt wäre. „Die Trainingszeiten überschneiden sich leider mit denen der Frauenmannschaft“, erzählt sie. Mit Kai Becker betreut die Obersberg-Schülerin noch die männliche D2 des TVH. Wenn Corona das nicht gerade verhindert.

Fußball oder doch lieber Playstation: Tyler Werner, Juniorenfußballer des JFC Ludwigsau, vertreibt sich die Zeit momentan häufig am Computer.

Tyler Werner, der mit seiner Familie im Hersfelder Stadtteil Heenes lebt, hat seine ganz eigene Sicht auf die derzeitige Situation. „So sehr nervt es eigentlich nicht, denn wir waren vor der Pause nicht wirklich gut drauf“, sagt der B-Juniorenfußballer des JFC Ludwigsau. Nur eins von sechs Spielen hatte er mit seinem Team gewonnen, bevor Corona dazwischengrätschte. In der Kreisliga belegen die jungen Ludwigsauer von neun Mannschaften den siebten Tabellenplatz.

Im Alter von vier Jahren hat der Fünfzehnjährige angefangen, Fußball zu spielen. Derzeit fällt es Tyler aber nicht leicht, sich zu motivieren. „Ich mache kaum etwas außer Fahrrad fahren“, gibt er zu. Dafür läuft die Playstation an manchen Tagen heiß. „Ich zocke ziemlich viel und habe auch schon an e-soccer-Turnieren teilgenommen“, berichtet der Neuntklässler. Mutter Cindy ist damit nicht ganz einverstanden – und schickt ihren Sohn deshalb regelmäßig mit den Hunden auf die Runde.

Fest im Sattel: Henri Herdt, Jugend-Radballer des RSV Tann.

Henri Herdt (15), Jugend-Radballer des RSV Tann, fehlt ebenfalls die Motivation ohne Radball-Training. Mit Sechs hat er angefangen und trat damit in die Fußstapfen seines Großvaters und Vaters. „Der Sport und vor allem die geregelten Zeiten fehlen mir schon“, beklagt der Obersberg-Schüler. Eines aber steht außer Frage: „Natürlich spiele ich weiter Radball“, stellt Henri klar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare