Fußballtrainer aus Osthessen ist Co-Trainer in Belgiens erster Liga

Fußballtrainer Pflanz macht sein Hobby zum Beruf

Markus Pflanz mit den Maskottchen des KV Oostende, Marten und Kalle.
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Markus Pflanz mit den Maskottchen des KV Oostende, Marten und Kalle. Im Januar warten sieben Spiele auf sein Team.

Fußballtrainer Markus Pflanz lebt und arbeitet da, wo andere Urlaub machen. Abends sieht er von seiner Wohnung in Oostende aus die Lichter im englischen Dover. Es läuft - nicht nur sportlich.

Oostende - Besser hätte das Jahr 2020 nicht enden können. „Die Jungs haben mir ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gemacht“, frohlockt Pflanz, den wir im Auto auf der Fahrt von Belgien in seine osthessische Heimat erwischen. Neben ihm sitzt sein 15-jähriger Sohn Johannes. Beide haben tags zuvor, am 2. Weihnachtstag, den 2:1-Sieg des KV Oostende in Leuven miterlebt; der Gast drehte die Partie nach dem 0:1-Rückstand. Oostende, von so manchem als Abstiegskandidat Nummer eins angesehen vor Beginn der Saison, schließt das Jahr als Zehnter der höchsten Spielklasse Belgiens, der Jupiler Pro League, ab.

„Es ist schön, wenn wir mit diesem Gefühl in die kurze Winterpause gehen“. Das Programm hat es - ähnlich wie in der Bundesliga - im Januar in sich. Sieben Spiele warten auf Oostende, beginnend mit dem Duell am 9. Januar beim Tabellendritten Charleroi.

Blick zurück: Im Frühsommer diesen Jahres gab Pflanz seine mutige Entscheidung bekannt, den eher bequemen Sessel des Finanzamtes Fulda gegen den eher harten Stuhl im Fußball-Profigeschäft einzutauschen. „Eigentlich hat sich alles geändert“, bemerkt Pflanz. „Weg von der Familie. Das war und ist manchmal für uns alle hart. Ich genieße die Zeit, die wir miteinander haben.“

Wir, das ist neben Sohn Johannes seine Ehefrau Nicole. Die besuchte ihren Mann eine Woche vor Weihnachten wieder einmal - musste aber vor den Festtagen zurück nach Osthessen. „Zum ersten Mal können wir Weihnachten nicht miteinander verbringen“, bemerkt Markus. Er ist sich darüber im Klaren, dass „man durch den Fußball ziemlich viel verpasst. Man muss Opfer bringen“. So konnte er kürzlich den Geburtstag seines Vaters nicht erleben - oder die Hochzeit seines Kumpels.

Andererseits sagt er: „Sein Hobby zum Beruf zu machen, das kann nicht jeder.“ Man spreche oft leichtfertig davon, dass ein Traum in Erfüllung gegangen sei. „Dieses Mal ist es aber schon so“, spürt der 45-Jährige.

Schließlich ist Fußball seine Welt, und der Sprung aus dem eher beschaulichen Osthessen in die raue Luft im Profibereich scheint sich nahtlos vollzogen zu haben. Pflanz hat im Trainerteam Oostendes alle Hände voll zu tun. „Ich bin morgens um acht Uhr da - und gehe abends um acht als Letzter. Doch es kommt mir nicht als Arbeit vor. Es macht Spaß.“ Sein Team - dazu zählen unter anderen Cheftrainer Alex Blessin, einstiger U19-Coach bei RB Leipzig, und Torwarttrainer Eberhard Trautner, der ehemals mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde - habe sich zum unbequemen Gegner entwickelt. Es funktioniert über die Schiene Pressing, Gegenpressing, richtiges Anlaufverhalten und mehr. Und es arbeitet professionell. „Jeder Schritt wird bei uns überwacht“, sagt Pflanz. Erfolge bestätigen die detailgetreue Arbeit des Profiteams - so belegt der KV Oostende in einer europaweiten Wertung der Sprintdistanz bis Mitte November Platz fünf. Noch vor dem siebtplatzierten FC Bayern. Das Aufgabengebiet des Langenschwarzers ist komplex: von Trainingsplanung, -aufbau und -nachbereitung, über neue Trainings- und Spielformen bis hin zur Unterstützung des Videoanalysten.

Er lerne immer mehr, mehr, mehr, betont Pflanz. Kein Wunder, hat er sich doch einem Fernstudium verschrieben. Zwei Hausarbeiten will er dieser Tage noch schreiben. Bis er am 3. Januar wieder aufbrechen will nach Oostende. Am 4. Januar ist dort Trainigsstart. Abends kann Pflanz dann wieder nach Dover blicken.

Von Walter Kell

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