FUSSBALL

Wie und wann geht es mit der unterbrochenen Fußball-Saison weiter?

Kreisfußballwart Rainer Schmidt auf dem Roten Sofa der Hersfelder Zeitung.
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Kreisfußballwart Rainer Schmidt nimmt Ostern als Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Saison ins Visier.

Die Fußballer sind ratlos, wenn es darum geht, was aus ihrer unterbrochenen Saison werden soll. Nicht nachlassende Infektionszahlen und die Verlängerung des Corona-Lockdowns sind für eine zeitnahe Wiederaufnahme keine Mutmacher.

Hersfeld-Rotenburg - Wieder droht den Kickern, wie schon im vergangenen Jahr, eine Saison, die nicht zufriedenstellt. Die abgebrochen wird, nicht zu Ende gespielt werden kann oder so gar nichts mehr mit sportlich fairem Wettbewerb zu tun hat. Hier ein Meinungsbild lokaler Vertreter aus einzelnen Ligen.

Rainer Schmidt, Kreisfußballwart: Eine Sorge ist dem Friedewalder genommen. Politiker und Entscheidungsträger beraten bereits heute in einer Bund-Länder-Konferenz deutschlandweit, wie es coronabedingt weitergeht. Vieles spricht dafür, dass der Lockdown nochmals verlängert - und jetzt verschärft wird. Und damit vier Tage früher, als die virtuelle Vorstandssitzung auf Verbandsebene anberaumt ist. Da werden auch die Kreisfußballwarte zugeschaltet.

Schmidt wagt eine Einschätzung, was die Kicker erwarten könnte: „Ich bin froh, wenn wir vielleicht ab Ostern spielen können. Und dann die Vorrunde in jeder Liga erst mal zu Ende gespielt werden kann. Dass jeder wenigstens einmal gegen jeden antreten kann. Und eine Serie gewertet werden könnte.“ In der Kreisoberliga, deren Klassenleiter er ist, gebe es aus seiner Sicht keine Hoffnung, die Serie komplett durchzuziehen. „Machbar ist es in den unteren Kreisligen. Aber selbst in der A-Liga ist es schwer genug.“

In einer Hinsicht spricht er vielen Fußballern aus dem Herzen. „Was man vermeiden sollte, sind zu viele Freitags- oder Wochentagsspiele.“ Dies war im vergangenen Herbst die Regel - auf Kosten der Gesundheit der Amateurkicker.

Alexander Hübbe, VfL Eiterfeld - Gruppenliga: Im Moment sei an Mannschaftssport nicht zu denken, und es sei schwierig vorauszusagen, wann es weitergehe, befindet Eiterfelds 1. Vorsitzender Alex Hübbe. „Meine Hoffnung sind die warmen Monate, es wird mit Sicherheit Ostern.“

Alexander Hübbe vom VfL Eiterfeld

Und man könne es nicht handhaben wie im vergangenen Jahr, als keiner aufstieg und keiner abstieg. „Das war aus meiner Sicht auch nicht gut.“ Gerade in der Gruppenliga, in der die SG Eiterfeld/Leimbach elf von 16 Spielen der Vorrunde absolviert hat und Rang zehn belegt, werde es dann krass. Hübbe hat einen guten Rat an alle: „Manchmal muss man halt eine Entscheidung akzeptieren. Es geht um den Fußball - und nicht um den Einzelnen.“ Und nicht nur der Mann an der Spitze des VfL macht sich Sorgen um die Zukunft. „Es wird schwer genug für die Vereine. Man darf nicht nur an Fußball denken. Sondern ans Vereinsleben. Den Gänseblümchenpflücker musst du im Verein halten. Und die Kinder suchen sich andere Möglichkeiten der Bewegung.“

Gerd Ruch, VfL Philippsthal, Kreisoberliga: „Man liest es zwischen den Zeilen, dass sich auch der Verband schwertut, eine Entscheidung zu treffen. Im Endeffekt richtet sich alles danach, was die Politik vorgibt“, sagt Philippsthals Trainer, „vorher brauchen wir uns eigentlich keine Gedanken zu machen“. Es dauere noch einige Wochen, vielleicht auch Monate.

Gerd Ruch vom VfL Philippsthal

18 Teams spielen in der Kreisoberliga Nord - Ruchs Team hat elf Spiele bestritten, Spitzenreiter Kerspenhausen/Niederaula schon 13, Bebra und Rasdorf erst 9. „Die KOL-Serie kann nicht zu Ende gespielt werden. Eine andere Möglichkeit gibt es aus meiner Sicht nicht“, ergänzt Ruch. Es sei denn, die Liga beende ihre Vorrunde und die Saison würde anschließend gewertet. „Wenn es im April weitergehen sollte, ist Letzteres die einzige Möglichkeit.“

Hans-Jürgen Mannel, SG Schenklengsfeld/Rot./Wipp. - A-Liga: „Ich sehe es als wünschenswert an“, betont Mannel, „wenn in den Kreisligen die Saison beendet würde. Wenn du Ostern (4./5. April) anfangen könntest, müsste dies auch machbar sein“. In der Kreisoberliga- und Gruppenliga ginge das nicht, „da müsste man über einen Saisonabbruch nach der Hinrunde nachdenken“.

Sorgen, dass die Spieler des Tabellenführers der Kreisliga A1 nicht fit seien, müsse sich niemand machen, schiebt der Sportliche Leiter nach. „Die Jungs werden unter ihrem Personaltrainer Nils-Hendrik Lange richtig rangenommen. Sie waren zuletzt echt kaputt“, berichtet Mannel. Lange kickte bis vor Kurzem selbst noch im Team mit.

Eines beschäftigt den Sportlichen Leiter: „Wir haben viel zu spät angefangen mit der Serie“, betont er.

Marcel Mähler, SG Sorga/Kathus, A-Liga: „Wir haben den Beginn unserer Vorbereitung für den 30. Januar geplant. Da kannst du ’nen Haken dran machen“, meint der Abteilungsleiter des SV Kathus. Er glaube auch nicht, „dass im Februar etwas gehe, und dann hast du den März zum Trainieren.“ Frühestens ginge es ab 1. April los.

Auch Mähler, dessen SG Sorga/Kathus nach elf Spielen Tabellenneunter der Kreisliga A1 ist, ist der Meinung, dass es unrealistisch sei, die Saison zu Ende zu spielen. Und dann müsse man entscheiden, ob man sie werten könne. „Die Vorrunde und einen Strich drunter. Das wäre die Marschrichtung“, meint Mähler.

Enis Veapi, Hattenbacher SV - B-Liga: „Wünschenswert wäre es, wenn die Saison so zu Ende gespielt werden könnte, wie wir sie kennen“, hofft der langjährige Trainer des Spitzenreiters der Kreisliga B2 aus Hattenbach. In den oberen Ligen sei dies nur schwer möglich, und auch mit dem Gedanken, die Saison nach abgeschlossener Hinrunde zu werten, kann er sich, zumindest auf den ersten Blick nicht so recht anfreunden. „Das ist so, als ob du nur eine Halbzeit spielst. Für uns wäre das gut. Aber ich kann auch die anderen Mannschaften verstehen.“

Es sei schwierig, eine Entscheidung zu treffen. „Du kannst es keinem Recht machen“, ergänzt er, „es ist nicht so, wie wir den Sport lieben. Fußball wird für die Allgemeinheit Verlierer sein. Wie auch die Wirtschaft.“

Eines dürfe nicht wieder passieren. „Es hätte im vergangenen Sommer Auf- und Absteiger geben müssen. Zumindest einen.“ Aufgeblähte Klassen sind die Folge, ein Wettbewerb in altbekannter Form ist nicht mehr durchzuführen. Fotos: friedhelm eyert, tobias konrad, privat

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