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Die einmalige Laufbahn des Sebastian Gleim

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Von: Kristina Marth

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In seinem Element: Sebastian Gleim an der Seitenlinie beim Spiel seiner HAKRO Merlins Crailsheim gegen den FC Bayern München.
In seinem Element: Sebastian Gleim an der Seitenlinie beim Spiel seiner HAKRO Merlins Crailsheim gegen den FC Bayern München. © Die Lichtbulider/nh

Mit 37 Jahren ist er der jüngste Chefcoach der Basketball-Bundesliga, bringt dabei aber jede Menge Erfahrung mit. Schon seit 21 Jahren ist Sebastian Gleim Basketballtrainer. Von seiner Heimat Bad Hersfeld aus hat er einen einmaligen Weg hingelegt.

Bad Hersfeld – Ein vom Großvater gebauter Basketballkorb im Hof als Ausgangspunkt einer großen Karriere: Wie Sebastian Gleims Liebe zum Basketball entstand, könnte im Drehbuch eines klassischen Sportfilms stehen. Was vor mehr als 20 Jahren begann, ist längst Gleims Beruf(ung) geworden. Der 37-Jährige ist erfolgreicher Basketballtrainer – der derzeit jüngste in der BBL.

Vor Saisonbeginn hat Gleim die HAKRO Merlins Crailsheim übernommen und mit ihnen mit dem Einzug ins Pokalfinale am vergangenen Wochenende einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte erreicht. In der Liga sind die Merlins auf Play-off-Kurs, auf internationaler Bühne stehen sie im Viertelfinale des FIBA Europe Cups. Gleim befindet sich vorerst auf dem Höhepunkt seiner Karriere – wobei er diesen Begriff selbst nicht sonderlich mag.

„Ich nenne es lieber persönliche Timeline, weil es beim Basketball an erster Stelle nicht um mich, sondern um den Club, ein System und die Spieler geht“, sagt er in seiner typisch zurückhaltenden Art. Schon immer war er einer, der sich nicht in den Vordergrund stellte. Und der eher leise, aber absolut zielstrebig seinen ganz persönlichen Weg als Trainer ging.

Als junger Deutscher ohne eigene Spielerkarriere ist dieser im deutschen Basketball einmalig und begann kurz nach der Jahrtausendwende in Bad Hersfeld, seiner Heimatstadt. Gleim gründete damals eine AG für jüngere Schüler, wurde beim TVH Trainer und war parallel dazu als Spieler aktiv. 2005 bot sich dann die Chance für den ersten großen Wechsel: Nur einen Tag nach dem Examen seiner Physiotherapeuten-Ausbildung wagte er den Schritt zu einem Bundesliga-Verein.

Ein Trainer, den er während eines Praktikums bei den Paderborn Baskets kennengelernt hatte, fragte, ob er nicht zu den Eisbären Bremerhaven kommen wolle, erzählt er. Und da der Basketball oberste Priorität bei seinen Entscheidungen hatte, entschloss er sich trotz Heimat- und Familienverbundenheit für den Umzug in die Nordseestadt. Zwei Jahre später ging er zum SC Rist Wedel, den er 2014 bis ins Halbfinale der dritthöchsten Spielklasse führte. Es folgte der Wechsel zu den FRAPORT Skyliners nach Frankfurt, während er nebenbei an der Trainerakademie in Köln studierte.

Mit nur 37 Jahren ist er nun in seiner 21. Saison – in Crailsheim, wo er „nur“ Coach sein darf. „Für mich ist das aus vielerlei Perspektiven ein weiterer Schritt nach vorn“, sagt er. „Nicht nur, weil wir hier in einem europäischen Wettbewerb spielen. In Frankfurt habe ich bis zu drei Jobs gehabt, bei den Merlins fokussiere ich mich voll auf den Verein und das Traineramt.“

Seinen Ehrgeiz, die Begeisterung für den Sport und den Anspruch, sich selbst stets zu verbessern, teilt er mit den Vorstellungen und der Arbeit seines neuen Vereins. In der hohenlohischen Kleinstadt, die von der Größe her an Bad Hersfeld erinnert, sei der Club Kult und es würde Basketball gelebt. Zudem werde alles versucht, um sich weiterzuentwickeln – und zwar trotz des eher kleinen Budgets.

Man merkt, dass Gleim sich auf der großen Basketball-Bühne wohlfühlt und doch bleibt auch die alte Heimat- und Familienverbundenheit. Ohne seine Frau und seine zwei Kinder wäre er diesen Schritt nie gegangen, meint er – und bei nur 250 Kilometern Entfernung nach Bad Hersfeld schaut er nach wie vor gern in der alten Heimat vorbei.

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