„Viele waren zum Gaffen da“

Erinnerungen an das erste Frauenfußballspiel in der Region

Edelgard Wehner bekam als einzige Spielerin in der Presseschau ein dickes Lob: Mackenzells Mittelstürmerin bringt „Geschick und Talent zum Fußballspielen mit“. Insgesamt bedienten sich die damaligen Autoren allerdings vieler Klischees, die über Fußball und Frauen vorherrschten. Eine Auswahl ist den nebenstehenden Zitaten zu entnehmen.
+
Edelgard Wehner bekam als einzige Spielerin in der Presseschau ein dickes Lob: Mackenzells Mittelstürmerin bringt „Geschick und Talent zum Fußballspielen mit“. Insgesamt bedienten sich die damaligen Autoren allerdings vieler Klischees, die über Fußball und Frauen vorherrschten. Eine Auswahl ist den nebenstehenden Zitaten zu entnehmen.

Das erste genehmigte Frauenfußballspiel in der Region fand am Samstag, 25. Juli 1970, zwischen Mackenzell und Eiterfeld-Leimbach 3:1, statt. Edelgard Wehner (67) erinnert sich.

Frau Wehner, zu jener Zeit hatte der DFB Frauenfußball noch verboten. Wieso durften Sie dennoch gegen Leimbach (Eiterfeld) spielen?

Wir dachten damals, dass das gar nicht so schwer sein dürfte. Aber dann haben wir festgestellt, dass wir ganz viele Anträge stellen müssen, damit dieses Spiel erlaubt wird. Der langjährige Kreisfußballwart Adolf Böhning hatte uns dabei geholfen. Zu dieser Zeit hatte der DFB den Frauenfußball zwar noch verboten, der Hessische Fußball-Verband ihn aber schon erlaubt.

Und wie sind Sie dazu gekommen, überhaupt ein Fußballspiel auszutragen?

Das 50-jährige Vereinsjubiläum der TSG stand an, und da sollte für eine Attraktion gesorgt werden. Irgendwann war die Idee geboren, ein Frauenspiel auszutragen.

Kam das beim damaligen Vorstand gut an?

Eher nicht. Dort waren alte Haudegen dabei, die nicht viel von Frauenfußball hielten. Wir Frauen schickten dann die Männer der ersten Mannschaft vor, die Überzeugungsarbeit geleistet haben. Und sogar unser Trainer Reini Becker war Feuer und Flamme für die Idee.

Mit Erfolg?

Ja, auf jeden Fall. Allerdings dachte der Vorstand, dass das Spiel am Sportfest wohl eine Ausnahme bleibt. Eben eine einmalige Attraktion. Das war zum Glück nicht so.

Weil das erste Spiel bei den mehr als 500 Zuschauern auf Anhieb gut ankam?

Im Gegenteil. Wir Frauen mussten uns eine Menge anhören. Und es waren sicherlich viele Zuschauer nur zum Gaffen da. Zu der Zeit gab es keine Sport-BHs, und wenn es etwas mehr Oberweite war, hat es entsprechend gewackelt. Manche waren sicherlich nur deswegen am Platz.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Mich persönlich haben die Schmähungen nicht getroffen. Aber natürlich habe ich mal etwas Passendes gesagt. Es gab aber Damen, die relativ schnell wieder aufgehört haben, weil sie damit nicht umgehen konnten.

Auch nicht mit den teils harschen Presseberichten?

Die waren teilweise schon über der Grenze, haben aber zur allgemein negativen Wahrnehmung des Frauenfußballs zu dieser Zeit gepasst. Leider.

Haben Sie sich als Pionierin oder gar als eine Art Frauenrechtlerin gefühlt?

Nein, ich war 16 Jahre alt. Fußball war schon immer mein Leben. Ich wollte nur spielen, alles andere hat mich nicht interessiert.

Entsprechend hat das erste Spiel besonders Spaß gemacht?

Auf jeden Fall. Dieses Spiel ging zwar nur zweimal 15 Minuten, aber es hat sich gelohnt. Es war immerhin die Geburtsstunde für eine erst einmal erfolgreiche Frauenfußballzeit in Mackenzell. Aus der Nachfolgegeneration wurde Andrea Trapp Leistungsträgerin in Rothenkirchen, Eva Muschik und Anita Mihm spielten später gar für Schwarzbach in der Bundesliga. (jg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare