Verbandsentscheidung

Meinungen zum Saisonabbruch im Fußball geteilt

Tristesse: Die Fußballplätze der Amateure, wie hier beim FSV Hohe Luft, bleiben verlassen. Dort rollt in dieser Saison kein Ball mehr, hat der Hessische Fußballverband am Wochenende entschieden. Archiv
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Tristesse: Die Fußballplätze der Amateure, wie hier beim FSV Hohe Luft, bleiben verlassen. Dort rollt in dieser Saison kein Ball mehr.

Die Fußballsaison 2020/2021 wird in Hessen abgebrochen und annulliert. Wir haben uns dazu bei den Klubs im Kreis umgehört.

Hersfeld-Rotenburg – Fabian Kallée, Spielertrainer des SV Unterhaun, Tabellenführer der Fußball-Kreisliga A 2, betrachtet den Saisonabbruch mit gemischten Gefühlen. „Natürlich geht die Gesundheit vor, und ich habe auch geahnt, dass die Saison annulliert wird. Aber nach einem Jahr Pandemie und dem zweiten Saisonabbruch fehlen mir die lösungsorientierten Ansätze“, sagt der 41-Jährige.

Natürlich ist man in Unterhaun enttäuscht, weil man sich Hoffnungen auf den Aufstieg gemacht hatte. „Vielleicht hätte man die Spiele werten können, damit die erbrachte Leistung nicht völlig umsonst ist“, meint Kallée. Er hätte sich vorstellen können, die Saison im Juli fortzusetzen und dafür auf die Saison 21/22 zu verzichten. „Der Abbruch ist aus meiner Sicht der einfachste und fantasieloseste Weg“, moniert der höherklassig erfahrene Torjäger.

Kreisfußballwart Rainer Schmidt sieht sich in seiner Meinung bestätigt. „Die Annullierung ist die einzige vernünftige Lösung“, sagt er. Der Zeitrahmen hätte es Pandemie-bedingt nicht mehr hergegeben, die Saison bis Mitte Juni zu beenden. Eine Wertung der bisherigen Spiele ergebe für ihn keinen Sinn. „Jeder muss doch wenigstens einmal gegen jeden gespielt haben“, findet er. Als möglicher Saisonbeginn steht – laut Schmidt – das zweite Juli-Wochenende im Raum.

„Wir haben Bock auf Fußball. Die vier Spiele, um die Vorrunde zu beenden, hätten wir auch noch absolvieren können, wir wollten ja schließlich Meister werden. Aber die Entscheidung war ja so zu erwarten“, ärgert sich Felix Bodes, der nach dem Rücktritt von Daniel Orth eigentlich Interimstrainer beim Kreisoberliga-Spitzenreiter SG Niederaula/Kerspenhausen sein sollte. Jetzt wird der 23-Jährige seinen Posten im Sommer für Frank Ullrich räumen, wahrscheinlich ohne dass er ein Spiel mit der SGN bestritten hat.

Für Hans-Jürgen Mannel, Betreuer des A-Liga-Spitzenreiters SG Rotensee/Wippershain/Schenklengsfeld, ist die Entscheidung „ein Schlag ins Kontor für die Vereine, bei denen es um etwas geht.“ Die vier bis sechs Spiele, wie beispielsweise in der A-Liga, hätte man im Juni durchaus noch absolvieren können. „Dann wäre die Vorrunde beendet gewesen und man hätte werten können.“ Besonders ärgerlich sei, dass die Hessenliga von dieser Regelung wieder ausgenommen ist. Hier sollen die Spitzenreiter wieder aufsteigen dürfen.

Wortwörtlich spricht er von einer „Sauerei“: „Hier werden die Vereine einfach nicht gleichbehandelt.“ Die Mannschaft des Tabellenführers sei natürlich jetzt trotzdem heiß auf die kommende Serie, um wieder oben anzuklopfen. „Der Kader bleibt, mit Noah Schneider kommt ein Jugendspieler, der in der JSG Hauneck spielt, zurück.“ Zumindest ein weiterer Zugang im Abwehrbereich ist noch geplant.

„Schade - wir hätten die Serie gern zumindest so lange gespielt, dass sie hätte gewertet werden können.“ Das sagt Mike Lindemann, Trainer des Kreisoberligisten SG Wildeck. Seine Mannschaft stand auf Tabellenplatz zwei zum Zeitpunkt des Abbruchs im Herbst, hatte von elf Spielen zehn gewonnen. „Wir standen oben, hätten aufsteigen können, wollten weitermachen. Die, die unten standen, wahrscheinlich nicht. Und denen in der Mitte war’s vermutlich egal“, glaubt der Trainer. So bleibt der SGW der Lohn für den starken Saisonstart versagt. Aber: „Hätte, hätte, Fahrradkette“, sagt Lindemann, der auch zugibt: „Die Infektionszahlen geben es einfach nicht her, dass weitergespielt wird. Wenn die Geschäfte geschlossen bleiben, wie kann dann im Kreis Fußball gespielt werden?“ Der Wildecker Trainer hofft nun darauf, dass die nächste Saison früher beginnen kann.

Auch für Roland Krug gibt es keinerlei Zweifel, dass es zum Saisonabbruch keine Alternative gab. „Wir sind mit der Entscheidung einverstanden“, sagt der Vorsitzende des A-Ligisten TSV Baumbach, der als 13. zwei Punkte vor den Abstiegsrängen lag. „Wenn man sich die Fallzahlen anschaut, dann ist klar, dass es bis Mai oder Juni keinerlei Kontaktsport geben kann“, sagt Krug. „Vielleicht kann ab Juli mit dem Training begonnen werden. Pokalspiele wird es auch nicht geben“, glaubt er.

Krug sieht weitere Probleme. Während die erste Mannschaft sofort wieder loslegen würde, wenn sie dürfte, bangt er um die Reserveteams: „Alles driftet auseinander, das Zusammengehörigkeitsgefühl leidet. Da überlegt sich mancher, ob er nach Corona noch spielen will. Am meisten tut es mir für die jungen Spieler Leid, die ein Jahr ihrer Karriere verlieren.“

Enis „Kalli“ Veapi, Trainer des B-Ligaspitzenreiters Hattenbacher SV, sieht den Abbruch als einzige vernünftige Lösung: „Die Fallzahlen sind einfach zu hoch und werden es wahrscheinlich auch noch bis in den Sommer bleiben“, sagt der Coach. Im Grunde genommen hält er nichts davon, den Titel nur von einer Halbserie abhängiig zu machen. „Wenn, dann soll es eine richtige Saison sein - mit Hin- und Rückrunde.“ Veapi ist gerade dabei, sich von einer Corona-Infektion mit starken Kopfschmerzen zu erholen. Doch die Quarantäne ist inzwischen vorbei.

(Rainer Henkel, Sascha Herrmann und Hartmut Wenzel)

Felix Bodes,
Roland Krug
Hans-Jürgen Mannel
Fabian Kallee

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