Trotz Pandemie in der Form des Lebens

Bodybuilder Tim Budesheim will sich bei den Profis etablieren

Der erste Lockdown im März hat den 30 Jahre alten Profi-Bodybuilder Tim Budesheim aus Ransbach ein wenig aus der Bahn geworfen. Jetzt muss er wieder pausieren.

Pia und Tim Budesheim, hier mit Sohn Emilian, erwarten Mitte Dezember ihr zweites Kind. Tim möchte nach seiner Bachelorarbeit Ende des Jahres in 2021 im Profibereich der Bodybuilder wieder angreifen. Pia dagegen wird zwar weiter Sport treiben, sich aber auf keiner Bühne mehr präsentieren. Für sie steht künftig die Familie an erster Stelle.

Ransbach - Mitten in der Aufbauphase für die Sommersaison traf ihn die Schließung der Sport- und Fitness-Studios. „Ich musste daher die geplante Sommersaison bei den Profis in den USA absagen. Von dem nun zweiten sogenannten Lockdown-Light will sich Bodybuilder Tim Budesheim, der eine sehr erfolgreiche Amateur-Karriere hatte und nun im obersten Profi-Bereich antritt, aber nicht noch einmal stoppen lassen.

Schließlich peilt der Athlet aus Ransbach an, im März und April kommenden Jahres erfolgreich Profi-Wettkämpfe zu absolvieren. „Ich stecke mitten in den Vorbereitungen und bin mit 119 Kilo so schwer wie noch nie. Und jetzt kommt mir der neuerliche Lockdown dazwischen. Das passt mir eigentlich überhaupt nicht.“

Denn sein zweites Zuhause, der Ray’s Fitnesschlub in Philippsthal, ist nun seit Montag geschlossen. „Das wird mir fehlen. In den vergangenen 15 Jahren war ich einmal drei Wochen am Stück nicht in dem Studio, weil ich in Urlaub gewesen bin. Ich sitze eigentlich mehr an den Trainingsgeräten im Studio, als daheim am Kaffeetisch. Die Routine, die Trainingspartner und all das Drumherum werden mir fehlen“, erklärt Tim Budesheim, der normalerweise sechsmal pro Woche für jeweils zwei Stunden hart an sich arbeitet.

Muskelberg: Aktuell wiegt Tim Budesheim unglaubliche 119 Kilogramm. Bis zu seinen Wettkämpfen will er mit seinem Trainer Stefan Kienzl aus Wien weiter Muskeln aufbauen.

Nun ist er auf der Suche nach Privaträumen, in denen er seine intensive Wettkampfvorbereitung fortführen kann. Aktuell erarbeitet er ein Hygienekonzept, das er für das Gesundheitsamt benötigt. Da er Profisportler ist, hofft er auf grünes Licht für sein Vorhaben. Denn noch einmal möchte er seine Wettkampfvorbereitungen nicht abbrechen. Das musste er nämlich während des ersten Lockdowns. Da fiel die Sommersaison in den USA für ihn aus. Noch einmal möchte er so etwas nicht erleben.

„Als Profi lebt man in der Illusion und arbeitet auf den Tag X hin. Dieser besondere Tag ist auch diesmal sehr verschwommen, denn ich weiß nicht, was kommen wird“, so Budesheim.

Ähnlich verhält es sich derzeit auch mit seinem Maschinenbaustudium. „Das läuft alles online am Rechner. Das ist für mich schon eine große Qual. Im Dezember steht dann die Bachelorarbeit an.“

Nichtsdestotrotz blickt er optimistisch nach vorne. Und auch allen anderen rät er, so gut es geht, weiterzumachen. „Etwas Training ist besser als gar keins. Ganz wichtig bleibt die sportgerechte Ernährung. Training und Ernährung sind die beiden Säulen im Sport. Wenn eine etwas wegbricht, muss zwingend auf die zweite geachtet werden“, rät der Profi-Bodybuilder und erntet dabei zustimmenden Nicken vor seiner Ehefrau Pia.

Sie ist ebenfalls sportbegeistert, setzt aber in der aktuellen auf Sicherheit. „Ich bin schon ambitioniert und liebe den Sport. Aber in der aktuellen Corona-Situation ist es wichtig, dass man sich in allen Lebensbereichen vorsichtig und umsichtig bewegt. Dass nun auch Sport- und Fitness-Center geschlossen sind, ist nur allzu verständlich. Die Gesundheit steht an erster Stelle“, sagt Pia Budesheim – auch mit Blick auf sich selbst. Schließlich erwartet sie Mitte Dezember ihr zweites Kind.

Auf den Sport möchte Pia Budesheim aber auch in Corona-Zeiten nicht verzichten. „Das wäre auch nicht gut für die Psyche. Sport hält eben fit und lässt einen entspannter in den Tag starten“.

Kritikern, die ihr vorwerfen, sie würde während der Schwangerschaft ihrem Körper mit sportlichen Aktivitäten nichts Gutes tun, hält sie entgegen: „Ich bin bisher ohne Probleme durch die Schwangerschaft gekommen und ich glaube schon, dass mir der Sport sehr dabei geholfen hat.“

Es gebe viele Möglichkeiten, sich schonend fit zu halten. „Ich mache Kniebeugen mit einer Wasserflasche in den Händen, übe mit Fitnessbändern. Gerade erst bin ich mit meiner Mutter acht Kilometer spazieren gegangen“, sagt Pia Budesheim, die im Jahr 2015 Deutsche Meisterin in der Bodybuilding-Bikiniklasse gewesen ist.

Dem aktiven Wettbewerbs-Bodybuilding hat sie aber längst den Rücken gekehrt. „Ich habe für mich nun andere Prioritäten gesetzt. An erster Stelle steht bei mir nun meine Familie“, sagt sie. Und die wird schon bald nicht mehr aus drei, sondern vier Mitgliedern bestehen.

Von Mario Reymond

Rubriklistenbild: © Victor Wall/nh

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