Trauer um Horst Eckel

Erinnerungen an den letzten Helden

WM-Talk mit drei Weltmeistern: HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm interviewt beim Jubiläumstalk des SVA Bad Hersfeld mit Bernd Hölzenbein, Uwe Bein, Horst Eckel und Hans Meyer.
+
WM-Talk mit drei Weltmeistern: HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm beim Jubiläumstalk des SVA Bad Hersfeld mit Bernd Hölzenbein, Uwe Bein, Horst Eckel und Hans Meyer.

Fritz Walter, Toni Turek oder Helmut Rahn – sie alle haben auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg ihre Spuren hinterlassen. Aber keiner der „Helden von Bern“ war hier so präsent wie Horst Eckel, der am Freitag verstarb.

Hersfeld-Rotenburg – Justus Kürle standen auf der Hauptversammlung des SV Asbach die Tränen in den Augen. Denn die Urkunde zum Ehrenmitglied überreichte Horst Eckel, Weltmeister von 1954. Dies hatte den Stürmer, ohne dessen Tore die Asbacher in den 50er-Jahren nie in die Hessenliga aufgestiegen wären, so übermannt, dass er kaum zu Dankesworten fähig war. Das Idol aus seinen Jugendtagen hatte ihm, dem Amateurfußballer aus dem Hersfelder Vorort, gratuliert. Eine größere Ehre war für Fußballer aus seiner Zeit nicht möglich.

Horst Eckel war ein gern gesehener Gast in der Region. Er war Repräsentant und Botschafter für SMOG – Schule machen ohne Gewalt e.V. sowie der Sepp-Herberger-Stiftung. Bad Hersfeld, die Stadt in Nordhessen, hatte es ihm angetan. Sie gefiel dem Pfälzer aus dem Bruchmühlbach-Miesauer Ortsteil Vogelbach so gut, dass er oft hier war, hier übernachtete, um beispielsweise die Festspiele zu besuchen. Die Stadt kannte er übrigens schon seit der Zeit kurz, nachdem er Weltmeister geworden war. Zur Einweihung des Jahnstadions gastierte der 1. FC Kaiserslautern mit ihm und Fritz Walter in der Kurstadt. Die Lauterer, damals Deutscher Meister, schlugen vor Tausenden von Zuschauern eine Kreisauswahl mit sage und schreibe 16:0.

Auch später gastierte er mit dem FCK noch hier, zum Beispiel mit der FCK-Traditionself beim SVA anlässlich eines Jubiläums. Einer, der ganz engen Kontakt zu Eckel pflegte, war Reiner Birkel, der ihn zum ersten SMOG-Turnier verpflichtete, wo er sogar als über 60-Jähriger noch mitmachte und so seine Fitness demonstrierte. „Es war Fritz Walter, der Eckel gebeten hatte, an unserem ersten Benefizturnier in Schlitz teilzunehmen. Daraus entstand eine wunderbare Freundschaft zu seiner Frau Hannelore und zu Horst, die unvergessen bleibt“, sagt Birkel. Wie bei so vielen Auftritten von Fritz Walter stand Eckel damals nur in der zweiten Reihe – hinter Rudi Völler.

Der Lauterer Weltmeister war kein Mensch für die Großstadt. Als er bei der WM 2006 die Möglichkeit hatte, in Berlin als Gast des DFB auf der Ehrentribüne zu sitzen, lehnte er ab. „Das Gedränge im riesigen fremden Stadion, und nicht am heimischen Betzenberg, umgeben von zigtausenden Menschen, gefiel ihm nicht. Er wollte nach Hause nach Vogelbach, um sich das Spiel vor dem Fernseher zusammen mit seiner Frau Hannelore anzuschauen – mehr nicht. Er flog von Berlin nach Frankfurt – und von dort nach Hause.“

Als Fahrer hatte Peter Diwi aus Asbach Eckel oft abgeholt und nach den Veranstaltungen wieder nach Hause gefahren. Diwi, der für den SVA Ende der 50er-Jahre auch spielte, kann sich noch erinnern: „Das Finale gegen Ungarn habe ich im Hessen-Stadion in Hersfeld vor dem Getränkestand an einem Fernseher verfolgt. Ich weiß noch, dass ich auf einer Colakiste stand, als Rahn das 3:2 schoss.“ Als die FCK-Traditionself in Asbach zum Jubiläum gastierte, holte Diwi für Eckel noch eine Extra-Ration „Ahle Wurst“. „Daran hat er sich später noch erinnert, als ich ihn gefahren habe.“ Diwi war genauso wie Birkel oft auch zu Gast bei Eckels in Vogelbach: „Er hat mir sofort auf der ersten Fahrt auch das Du angeboten. Hör auf mit dem ‘Herrn Eckel’ – ich bin der Horst.“

„Er war ein bodenständiger und überaus sympathischer Mensch mit einem großen Herzen für unser Thema Gewaltprävention, da er selbst als ehemaliger Realschullehrer um die Probleme wusste“, sagt der Vorsitzende von SMOG, Erwin Maisch.

„Wir alle sind sehr dankbar, dass wir diese großartige Persönlichkeit des deutschen Fußballs an unserer Seite wussten und werden sein soziales Engagement würdigen und den Menschen Horst Eckel nie vergessen,“ blickt Reiner Birkel auf die Zeit mit der Fußballlegende zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare