Tennis: Zverev bald die Nummer eins 

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Dem Himmel so nah: Der 21-jährige Hamburger Alexander Zverev ist Tennis-Weltmeister. 

Bad Hersfeld. Als erster Deutscher seit Boris Becker 1995 hat Alexander Zverev die ATP-WM der Tennisprofis gewonnen. Auch Spieler aus Vereinen aus dem Kreisgebiet fieberten mit. 

Als „historisch“ bezeichnet Sissy Pfeiffer den Erfolg Alexander Zverevs. „Der erste deutsche Sieger bei der ATP WM seit Boris Becker. Für das deutsche Tennis ist das klasse.“

Pfeiffer, die ihr Racket für die Damen 30 des TC Johannesberg schwingt, verfolgt die Szene sehr genau, besucht Turniere und war schon 2017 Zuschauerin beim Turnier-Höhepunkt in London. Sie traut dem jungen Deutschen zu, dass er an diesen Erfolg anknüpfen und auch bei den vier großen Turnieren künftig um die Titel mitspielen wird: „Zverev kann im nächsten Jahr seinen ersten Grand Slam holen. Seit er Ivan Lendl als Trainer an seiner Seite hat, spielt er besser. Unter Lendl hat er die richtige Einstellung.“

Zudem sieht sie in Zverev den künftigen Branchenprimus. „Ich denke, dass er in den nächsten zwei, drei Jahren die Nummer eins wird. Wenn er so überragend spielt, wie bei der ATP WM, vielleicht sogar schon im nächsten Jahr.“ Auch wenn Djokovic, Nadal und Federer noch immer die Szene bestimmten, seien sie doch in die Jahre gekommen – und Zverev erst 21.

Oliver Woschek 

Trotz der jüngsten Erfolge des deutschen Tennis – von Zverev und Angelique Kerber – glaubt Pfeiffer nicht an einen Boom, wie ihn einst Boris Becker oder Steffi Graf ausgelöst haben. „Die Auswahl an Sportmöglichkeiten heute ist einfach zu groß. Und im Fernsehen wird zu wenig Tennis gezeigt. Die Vereine müssen deshalb selbst mehr tun, um Menschen für unseren Sport zu begeistern.“

Gern erinnert sich Oliver Woschek, ebenfalls beim TC Johannesberg aktiv – an die größten Erfolge deutscher Tennisprofis in den Jahren 1988 bis 1993. „In dieser Zeit wurden zahlreiche Tennishallen und Vereinsheime gebaut und die Vereine hatten doppelt so viele Mitglieder wie heute“, weiß er.

Mit Angie Kerber und Sascha Zverev seien nun wieder zwei Deutsche ganz oben in der Weltspitze angekommen und könnten eine richtungsweisende Revitalisierung des Tennissports herbeiführen. Auch einen Generationenwechsel nach den Zeiten von Federer und Nadal hält Woschek für möglich.

Zverev biete mit seiner mutigen und aggressiven Spielweise gute Unterhaltung für die Zuschauer. An seinem Auftreten neben dem Platz könne er noch nicht in allen Belangen an die früheren Publikumslieblinge Becker und Stich anknüpfen.

„Aus meiner Sicht war der Wechsel zur Legende Ivan Lendl allerdings der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“, meint der Hersfelder. Es sei davon auszugehen, dass nach Angie Kerber innerhalb der kommenden zwei Jahre auch im Herrentennis eine neue deutsche Nummer eins der Welt heranwachse.

Carsten Wiegand

Carsten Wiegand vom TC Rot-Weiß Philippsthal kennt die Spielweise des neuen Weltmeisters sehr genau. „Er hat einen Aufschlag, der unglaublich schnell ist“, sagt der Sportwart des TC, der in der ersten Mannschaft in der Bezirksoberliga spielt. Und auch Wiegand hat bemerkt, dass sein neuer Trainer Ivan Lendl schon großen Einfluss auf ihn hat. „Seitdem er der Coach ist, ist Zeverevs Spiel schon deutlich ruhiger geworden.“

Zverev, so sagt der 34-jährige Philippsthaler, gehöre unter die Top fünf. „Zur Nummer eins wird er aber erst dann, wenn Nadal und Federer aufhören.“ Einen Tennisboom wie einst bei Becker und Graf wird seiner Meinung der Sieg nicht auslösen: „Dazu fehlt einfach die Medienpräsenz.“ Wiegand selbst konnte Zverevs Spiel nicht live verfolgen, sondern erst in einer Aufzeichnung.

(hex, sle, wz)

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