Handball-Oberligist TV Hersfeld gerät im Abstiegskampf in Bedrängnis

„Substanz reicht nicht“

Wirkt ratlos: Trainer Peter Schikarski hat mit dem TVH nur eines der letzten sechs Spiele gewonnen. Foto: Eyert

bad hersfeld. Es war wie so oft in dieser Saison. Während aus der Gästekabine der Geistalhalle laute Disco-Musik dröhnte, schlichen die Handballer des TV Hersfeld am Samstagabend, kurz nach Acht, wie begossene Pudel unter die Dusche. Einige Spieler suchten zuvor noch nach Erklärungen für die deutliche 28:37-Niederlage gegen die SG Wallau. Der Satz, der dabei am häufigsten fiel: „Ich weiß auch nicht, was bei uns los ist.“

Ja, was ist denn los? Trainer Peter Schikarski suchte gar nicht nach Ausreden. „Ich bin enttäuscht“, sagt der 40-Jährige. Und: „Die Substanz der Mannschaft reicht nicht für die Oberliga.“ Deutliche Worte des Neulings, der den TVH Ende Oktober übernommen hat, mit Siegen in den Derbys in Vellmar und gegen Eschwege gestartet war, seitdem aber lediglich 4:12 Punkte holte.

Wer den TVH in seinen Heimspielen sieht, wird Schikarski recht geben. Das Leistungsgefälle innerhalb des Kaders ist zu groß, lediglich die Hälfte der Mannschaft genügt Oberliga-Ansprüchen. „Wenn ich nicht die ersten Sechs oder Sieben fit aufs Feld bekomme, wird es schon eng“, sagt Schikarski und deutet damit indirekt an, dass man sich bei der Zusammenstellung der Mannschaft vor der Saison wohl verspekuliert haben muss.

Gegen Wallau konnte sich der TVH zwar abermals auf seine beiden Torleute Kai Hüter und Tomas Pankiewicz verlassen, doch wer trotzdem regelmäßig mehr als 30 Gegentore bekommt, hat es in der Oberliga eben schwer, seine Spiele zu gewinnen. Das weiß auch Phillip Debus. „Wir haben eigentlich in der Abwehr ganz gut gestanden, aber trotzdem 37 Tore kassiert. Das ist zuhause einfach viel zu viel“, sagt der 23-Jährige.

Keine Struktur im Spiel

Im Angriffsspiel läuft beim TVH einfach zu wenig zusammen. Keine Ideen, keine Struktur, kaum Spielzüge. Und auch den schnellen Handball, der über die erste oder zweite Welle zu einfachen Toren führen soll, demonstrieren in der Geistalhalle zumeist die Gäste. Dabei waren es am Samstag noch nicht einmal viele freie vergebene Chancen, die den Hersfeldern das Genick brachen. Nein, es waren unvorbereitete oder ungenaue Würfe, die an der Hallenwand, in der Deckung oder mehrfach sogar in den Armen (!) von Wallaus starkem Schlussmann Sebastian Schermuly landeten. Jonggi Pasaribu, vor der Saison vom Drittligisten Eintracht Baunatal als Leistungsträger gekommen, konnte dem Spiel des TVH als Mittelmann (für den veletzten Marco Kemmerzell) abermals keine Linie geben. Gleich zwei Siebenmeter ließ der Routinier aus. Und als der TVH beim 19:24 eine Viertelstunde vor Schluss noch einmal Morgenluft witterte, Pankiewicz vier Bälle in Folge entschärfte, und auch die Zuschauer plötzlich wieder da waren, leistete sich der 29-Jährige im Angriff zwei Abspielfehler in Folge. Der Schwung war weg, Wallau setzte sich nach und nach weiter ab und siegte am Ende souverän.

Nächstes Spiel am 12.2.

Da Fränkisch-Crumbach, Dotzheim und Vellmar ihre Spiele gewannen, hat sich die Lage im Kampf um den Klassenerhalt für den TVH verschärft. Erst am 12. Februar geht es mit dem nächsten Heimspiel weiter: Dann kommt der Tabellensechste Bruchköbel nach Hersfeld.

Von Sascha Herrmann

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