Trainer-Rücktritt überrascht Spieler des Handball-Oberligisten TV Hersfeld

„Stimmung ist nicht schlecht“

War in der ersten Halbzeit nicht zu halten: Hersfelds Spielmacher Marco Kemmerzell. Foto: Eyert/Ar

bad hersfeld. Irgendwie war die Situation ein bisschen skurril. Der TV Hersfeld hatte in der Handball-Oberliga wieder einmal ein Spiel verloren. Diesmal mit 26:29 (16:15) gegen Holzheim. Trotzdem war der Applaus der 120, ja vielleicht 130 Zuschauer, die am Samstagabend noch den Weg in die Geistalhalle gefunden hatten, nach dem Abpfiff herzlich wie lange nicht mehr.

Und während einem aus der Kabine der Gäste alsbald Malle-Musik von Mickey Krause entgegen schmetterte, verkündete Hersfelds Trainer Reiner Dietz auf der anderen Seite des Ganges seinen Rücktritt. „Es fällt mir natürlich nicht leicht, aber ich denke es ist die richtige Entscheidung“, sagte Dietz. Seinen Vertrag hat er zum 31. Januar gekündigt, weil er vermute, der Mannschaft im restlichen Saisonverlauf nicht mehr entscheidend helfen zu können.

„Man muss sich ja auch selbst hinterfragen, wenn es sportlich nicht läuft“, meint er. Er habe das Gefühl, dass einige Spieler nicht mehr zufrieden wären, einigen vielleicht auch die Trainingsmethoden nicht immer zusagten. Das habe dann auf die Stimmung gedrückt, die in der Vergangenheit schon wesentlich besser gewesen sei.

Sein Entschluss habe bereits am Mittwoch festgestanden. Nach der deutlichen Niederlage in Reinheim und vor dem Spiel gegen Holzheim habe er sich aber nicht in den Mittelpunkt rücken wollen, so Dietz. In unserer Freitagausgabe hatte der 44-Jährige deshalb noch gesagt, er habe das Gefühl, dass bislang alle hinter ihm stehen würden.

In der Mannschaft wurde Dietz’ Entscheidung am Samstagabend nach Spielschluss einigermaßen überrascht aufgenommen. „Ich habe nicht damit gerechnet, und ich kann auch nicht bestätigen, dass die Stimmung im Team besonders schlecht wäre“, sagte Spielmacher Marco Kemmerzell, der eine überragende erste Halbzeit gespielt hatte, dabei zehnmal traf und am Ende mit zwölf Treffern knapp die Hälfte aller Hersfelder Tore erzielt hatte. Der 31-Jährige nahm den Abschied des Trainers in seiner gewohnt gelassenen Art hin. „Es ist zwar schade, aber so ist das nun einmal. Für uns ältere Spieler sind Trainerwechsel nichts Besonderes mehr. Das hat man schon oft genug erlebt“, sagte er.

Zunächst also werden sich die erfahrenen Kai Hüter und Jörg Ley, der den TVH zwischen 2006 und 2008 als Spielertrainer von der Bezirksoberliga in die Oberliga geführt hatte, um den Trainings- und Spielbetrieb kümmern.

Dass Hersfeld trotz des ziemlich sicheren Abstiegs noch atmet und nicht mausetot ist, zeigte es am Samstagabend. Hätte man es nicht gewusst, so wäre man nicht davon ausgegangen, dass sich in der Geistalhalle der Tabellenletzte und der -vierte gegenüberstehen. Bis zum 20:20 wechselte die Führung ständig, erst dann setzte sich Holzheim auf 25:21 ab. Eine Leistung, die dem TVH Mut für den Rest der Saison machen sollte.

Von Sascha Herrmann

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