Sportkreis-Vorsitzender Christian Grunwald im Interview

Grunwald: „Spiel die Pille, nicht die Playsi“

2020 hat die Menschen vor neue Herausforderungen gestellt. Auch den Sportkreis. Wir haben mit Christian Grunwald, dem Vorsitzenden, gesprochen.

Hängt nicht in den Seilen: Christian Grunwald ist selbst sportlich unterwegs.

Glücklicherweise sind wir alle weitgehend gesund durch das Jahr gekommen. Geholfen hat sicherlich, dass wir wirklich viel Sport auch im Freien gemacht haben. Generell war der Sport, wenn auch meistens individuell, immer auch ein Stück weit Therapie nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist. Generell war 2020 ein absolut verlorenes Jahr. Und gleichzeitig hat dieses Jahr gezeigt, wie wichtig Rücksichtnahme, Zusammenhalt und Miteinander sind.

Wie fällt Ihr Fazit als Vorsitzender des Sportkreises aus?

Auch für den Sport im Kreis war es ein gebrauchtes Jahr. Ich habe großen Respekt vor allen Ligaverantwortlichen, die in tollem Miteinander mit den Vereinen die Saison 19/20 in den verschiedenen Sportarten mit viel Miteinander und Fairness zu Ende gebracht haben. Nun ruht aber wieder der Trainings- und Spielbetrieb, was nicht nur für unsere national und international erfolgreichen Leistungssportler im Kreis eine Katastrophe ist. Es wird daher auch 2021 wieder viel Motivation, Kompromissbereitschaft und Solidarität geben müssen, um sportlich auch bei uns im Kreis wieder „in die Reihe“ zu kommen.

Viele Vereine haben stark gelitten und fürchten um ihre Existenz. Gab es Rückmeldungen?

Viele Vereine im Kreis hatten natürlich große Einbußen durch ausbleibende Eintrittsgelder oder fehlende Einnahmen aus Getränkeverkäufen. Positiv war, dass das Land Hessen einen Sondertopf zur Unterstützung von Sportvereinen aufgemacht hatte. Der griff allerdings nur dann, wenn die Vereine keine Zahlungsfähigkeit mehr hatten und vorher die gesamte finanzielle Rücklage aufgebraucht wurde. Diese besonderen Härtefälle hatten wir bisher im Kreis allerdings zum Glück nicht.

Wie hat der Sportkreis auf die Pandemie reagiert?

Die Pandemie war und ist auch für unseren Sportkreis-Vorstand ein echter Härtetest. Unter anderem mussten unsere Fortbildungsveranstaltungen für Vereinsmitglieder fast alle abgesagt werden. Die Sportabzeichenabnahmen im Kreis unter den hohen Hygieneauflagen waren dazu eine ganz besondere Herausforderung. Auch die zu Beginn des Jahres umgesetzte Neuaufstellung der Sportkreis-Geschäftsstelle um das Team von Heide Aust in Neuenstein war ein Glückfall. So haben wir glücklicherweise gerade rechtzeitig zur Corona-Zeit viel Schlagkraft bei der administrativen Unterstützung unserer Vereine entfalten können. Es gab viele Unsicherheiten und Rückfragen zum Sport – und auch zum satzungsmäßigen Vereinsbetrieb, die wir beantwortet haben. Ich hoffe und denke, dass wir den Vereinen im Sportkreis insgesamt ein wirkungsvoller und wahrnehmbarer Unterstützer und Informationsgeber sein konnten.

Sie sind selbst Sportler – wie sehr fehlt Ihnen der Wettkampfsport? Auch als Zuschauer …

Sehr! Der Sport lebt vom Wettkampf um Tore, Zeiten und Wertungen. Und von Emotionen auf und neben dem Platz. Das ist in der Kreisliga nicht anders als in der Bundesliga. Daher bin ich ganz sicher nicht der Einzige, der darauf hin fiebert, dass die Wettbewerbe wieder stattfinden können, und wir auf dem Platz stehen oder auf der Tribüne sitzen können.

Wann werden wir Ihrer Meinung nach wieder Wettkampfsport erleben?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass es im Frühjahr 2021 wahrscheinlich noch eingeschränkt und dann im Spätsommer zur neuen Saison wieder regelhaft losgehen kann. Sicher ist vieles aber abhängig davon, ob die geplante Impfstrategie aufgeht und sich auch möglichst viele Menschen gegen das Virus impfen lassen.

Als Vater dreier Kinder wissen Sie, wie schwer diese Zeit gerade auch für Jugendliche ist. Haben Sie ein Echo von jungen Sportlern erhalten?

Das erhalte ich jeden Tag schon allein zuhause… Aber natürlich auch von anderen Kindern, Jugendlichen und auch Eltern und Trainern. Den Kids fällt natürlich die Decke auf den Kopf. Da hat sich nicht selten eine gewisse Trägheit, zum Beispiel vor den Spielekonsolen entwickelt. Und das ist für den Vereinssport schon eine besorgniserregende Entwicklung. Nach der langen Zeit ist schon zu befürchten, dass sich nicht mehr alle Kids aufraffen werden, selbst wieder sportlich aktiv zu werden. Da sind wir alle als Eltern, Trainerinnen, Trainer und auch wir als Sportkreis gefragt, die Kids für einen Neustart in den Vereinen zu motivieren. Mein Motto dazu: „Spiel´ die Pille, nicht die Playsi!“

Fast alle Sportveranstaltungen mussten ausfallen. Ich nenne exemplarisch mal das Grasbahnrennen, oder das Fußballturnier um den HZ-Cup. Was möchten Sie den Organisatoren zurufen?

Haltet durch, wir sehen uns wieder! Und es ist auch so: Viele Organisatoren von Sportveranstaltungen stehen für 2021 in den Startlöchern, weil sie wissen, dass es nach der Pandemie ganz sicher noch mal eine besondere Wertschätzung und Zuspruch zu ihren Veranstaltungen geben wird.

Der sportliche Top-Act des Kreises: Der Lollslauf. Aufgrund der Pandemie fand er im vergangenen Jahr mit einem alternativen Konzept unter Corona-Bedingungen statt.

Der Lollslauf hat dennoch stattgefunden – mit alternativem Konzept. Eine große Leistung der Veranstalter, oder?

Absolut! Was das Team des SC Neuenstein im ehrenamtlichen Engagement in der Kürze der Zeit mit den top organisierten Präsenz-Läufen in Bad Hersfeld und dem virtuellen Lollslauf für eine Arbeit geleistet hat, ist sensationell. Besser und professioneller konnte man das in dieser besonderen Zeit wahrlich nicht umsetzen. Und natürlich sind wir dem SC Neuenstein für seine sogar noch aufgestockte Spende der freiwilligen Startgelder des Lollslaufs an die Tour der Hoffnung und an unseren Sportkreis Hersfeld-Rotenburg sehr dankbar.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie schneidet die Frankfurter Eintracht in dieser Saison ab?

Das ist mit Abstand die schwierigste Frage des Interviews. Ehrliche zweigeteilte Antwort: Mein Herz sagt: Klare Sache: Europacup im nächsten Jahr! Mein Hirn sagt: Sei realistisch: Am Ende wird´s ein Platz irgendwo im Nirgendwo der Tabelle. Achterbahnfahrt der Gefühle – wie immer halt als Eintracht-Fan.

Von Sascha Herrmann

Rubriklistenbild: © Silke Schäfer-Marg

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