UMFRAGE

Fußball: Umstellen auf Sommerfahrplan?

Schneebedecktes Oberaulaer Stadion an der Katzbach: Derzeit ist wegen Corona, aber auch wegen der winterlichen Witterung, nicht an Fußball zu denken.
+
Schneebedecktes Oberaulaer Stadion an der Katzbach

Die Corona-Pandemie hat den Sport gehörig auf den Kopf gestellt. Viele Sportarten haben die Saison bereits abgebrochen. Die Terminplaner im Fußball stehen vor einem Dilemma. Sollte nicht generell auf Sommerbetrieb umgestellt werden? - Eine kleine Umfrage dazu.

Hersfeld-Rotenburg – In den vergangenen Jahren waren es immer wieder Schlechtwetterperioden, die im Februar oder März den Saisonfahrplan der Fußballer durcheinander wirbelten. In diesem Jahr ist es nicht das winterliche Klima, welches den Fußballern einen dicken Strich durch die Rechnung macht. Sondern die Pandemie.

Einiges spricht dafür, die Saison auch in Deutschland auf Sommerbetrieb umzustellen, wie es in einigen skandinavischen Ländern schon lange üblich ist, sofern die Infektionszahlen es zulassen. Und damit verbunden, die Erlaubnis, wieder die Plätze zu betreten.

Reinhold Röhs hat sich per E-Mail zu Wort gemeldet: „Die Vorteile dafür liegen klar auf der Hand“, schreibt der frühere Trainer aus Hauneck-Unterhaun, der es auf den Punkt bringt: „Zur gegenwärtigen Lage bin ich der Meinung – sofern es die Corona-Pandemie zulässt – die Hinrunde bis zum Beginn der Schulferien durchzuführen und die Rückrunde nach den Ferien dann zu Ende gespielt wird. Für das Jahr 2022 sollte dann im Amateurbereich die Saison auf die Sommermonate von Frühjahr bis Herbst gelegt werden.“ Vereine, Trainer, Spieler und Zuschauer dürften von dieser Umstellung nur profitieren. Röhs hat auch einen Vorschlag, wie im Winterhalbjahr verfahren wird. Dann sollte wieder zu Hallenturnieren zurückgekehrt werden, schreibt er. Für einen Sommerbetrieb im Fußball spricht sich auch Christian Pfeiffer, Trainer des Kreisoberligisten SG Neuenstein aus. „Wenn nicht jetzt die Umstellung passiert, wann dann?“, fragt Pfeiffer. „Wann sollen wir denn Fußball spielen, wenn nicht in den Sommermonaten?“ Pfeiffer spricht vor allem von den Monaten Juni und Juli. „Da können wir spielen. Das Wetter ist prima. Ich denke, wir müssen davon abrücken, dass dann die Serie schon zu Ende ist und nur noch ein paar Relegationsspiele stattfinden. Ich finde, dass so ein Terminplan nicht mehr zeitgemäß ist.“

Auch der neue Kreisfußballwart Rainer Schmidt ist der Meinung, dass die Fußballserie verstärkt im Sommer stattfinden sollte. „Im Februar und März, bei echtem Sauwetter, geht doch kein Mensch auf die Plätze, wenn sie denn bespielbar sein sollten. Und das Kicken an sich macht den Aktiven auch keinen Spaß. Wenn es nach mir ginge, würde ich sofort alles dransetzen, um eine Umstellung dahingehend in die Wege zu leiten, dass wir im Sommer spielen“, sagt der Friedewalder. Schmidt weiß allerdings auch, dass es ein echtes Problem für die Verbände ist, einen Sommerbetrieb einzustellen. „Es dreht sich dann auch um Auf- und Abstiegsregelungen zu den höheren Amateurklassen bis zur Regionalliga. Wenn, dann müssten alle anderen Amateurverbände mitziehen. Das wird nicht so einfach sein.“ Bei der nächsten Sitzung sollte dieses Thema aber sicherlich wieder ein Tagesordnungspunkt sein.

Auch Ernest Veapi, Trainer des Gruppenligisten SG Aulatal, wäre ebenfalls ein Befürworter. Er sieht aber auch Hinterungsgründe. „Grade im Jugendfußball ist das wegen der Ferien ein großes Problem.“ Allerdings sieht auch er die Vorteile. „Juni und Juli sind die besten Monate zum Kicken.“

Nichtsdestotrotz ist er der Meinung, dass es mit dem Fußball erst dann weitergeht, wenn die Impfungen weit vorangeschritten sind. „Vorher macht es meiner Meinung nach keinen Sinn“, sagt Veapi. Letztendlich werden aber in diesem Punkt die Politiker das Sagen haben, ergänzt der Aulataler Coach.

Tino Jäger, Trainer des Gruppenliga-Aufsteigers SG Hönebach, sieht Vorteile, aber auch Nachteile einer Saison-Umstellung. „Man hat dann eher eine Wettergarantie“, sagt der Coach. „Das ganze wird aber zum Problem, wenn die Spielklassen länderübergreifend ins Halbprofitum übergehen.“ Wie dann verfahren wird, ist offen. Vereine, die an dieser Schwelle stehen, wie zum Beispiel die SG Barockstadt, werden natürlich alles dransetzen, um oben am Ball zu bleiben. „Auf Kreis- und Bezirksebene ist so ein Spielplan eher durchsetzbar.“ Jäger, selbst Lehrer, hofft nur, dass die Pandemie bald ein Ende hat. Allein wegen der Kindern und Jugendlichen. Er und seine Frau Aline haben zwei Töchter, Zazou (9) und Solé (6). „Wir haben in den letzten Wochen ganz schön was mitmachen müssen. Sie wollen endlich raus – und spielen.“ Nicht nur den Fußballern geht es so.

Von Hartmut Wenzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare