Solo über 42 Kilometer

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Der Beweis: Thorben Weichgrebe im Ziel mit seiner Uhr. 4:37,24 Stunden zeigt sie an für 42,22 Kilometer.

Thorsten Weichgrebe aus Heinebach ist einen Marathon durch die Fuldawiesen gelaufen - ganz allein.

Heinebach – 30 mal 1,4 Kilometer. Macht zusammen 42 Kilometer. Also einen Marathon, wenn man noch 195 Meter draufgibt. Thorben Weichgrebe aus Heinebach ist diese Strecke gelaufen vor wenigen Tagen. Und zwar solo. Also – die meiste Zeit.

Die Geschichte beginnt mit einem Freund des Heinebachers. Dieser, ebenfalls Läufer, hat richtig Pech. Im Vorjahr trainiert er auf einen Frühjahrsmarathon hin, wird aber im entscheidenden Moment krank und kann nicht starten.

In diesem Jahr will er am 18. April in Wien starten. Doch der Lauf fällt aus – Corona, was sonst. „Da ist er einfach einen Solo-Marathon gelaufen, ganz für sich, und seine Kinder haben ihm eine Medaille gebastelt“, erzählt Thorben Weichgrebe. Und denkt sich: Das mach’ ich auch.

Er ist regelmäßig beim Nordhessencup dabei, hat immerhin zehn Marathonläufe absolviert, spielt Hockey für die SGK Rotenburg und kickt in Heinebach bei den Alten Herren. Nichts findet statt im Moment. „Aber ich brauch’ das Laufen, sonst werd’ ich verrückt“, sagt Weichgrebe. Eine 1,4 Kilometer lange Runde misst er sich ab in den Fuldawiesen, nahe dem Gelände der Kirchner Solar Group – so, dass er die Strecke komplett überschauen kann. Schnappt sich seine Uhr, um den Lauf per GPS-Aufzeichnung zu dokumentieren – und gibt nach 15 Kilometern auf. Gar nicht so einfach, solo unterwegs zu sein. Beim zweiten Mal, eine Woche später, kommt er auf 35 Kilometer. Der dritte Versuch endet bei 30. Mittlerweile begleiten ihn seine Frau Katja und sein Sohn Lias, selbst schon Nachwuchsläufer, feuern ihn an. Und beim vierten Mal, „schaffst Du das, Papa“, sagt Lias überzeugt.

Thorben Weichgrebe hat aus den vorherigen Versuchen gelernt, plant das Unternehmen nun durch. Die erste Hälfte der Strecke ist er allein unterwegs.

Dann stoßen seine Frau und sein Sohn dazu, begleiten ihn drei Runden lang, also einen Mini-Marathon. Dann ist erstmal Pause. Es gibt Kaffee und Kuchen, „wie bei einem Ultralauf“, sagt Weichgrebe. Dann geht’s weiter. Weil er weiß, dass es ab Kilometer 30 besonders schwer wird, ist er ab da mit Musik unterwegs.

Kritisch wird’s trotzdem. Denn im Endspurt verzählt er sich – fast – um eine Runde. Denkt, er sei im Ziel, und muss doch nochmal weiter. Und auf der Pulsuhr, die alles dokumentieren soll, zeigt der Akku stolze zwei Prozent an – das reicht gerade noch.

Nach 4:37 Stunden hat Thorben Weichgrebe es geschafft. Über eine Stunde langsamer als seine Bestzeit, aber trotz der Kaffeepause nur 20 Minuten hinter seiner Zeit aus Frankfurt vom Herbst 2019. „Man sollte sich auch in dieser schwierigeren Zeit einfach immer Ziele setzen und sich auch freuen dürfen, wenn man sie erreicht hat“, sagt er. Sein nächstes Ziel: Ein Halbmarathon unter 1:45. „Unter Laborbedingungen“, wie er es nennt. Auf der Heinebacher Runde.

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