Sören Wollrath: Schiri mit großer Energie 

Rotenburg – „In allen Bereichen musst du viel Energie investieren.“ Diese Bemerkung stammt vom Fußball-Schiedsrichter Sören Wollrath, und es scheint, als träfe sie auf niemanden besser zu als auf ihn. 

Der 27-Jährige arbeitet als Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege sowie als Ausbilder im Klinikum Kassel – im Drei-Schichten-System. Und nebenher engagiert er sich in drei Ehrenämtern: als Besitzer im Kreisschiedsrichter-Ausschuss und im Jugendausschuss auf Kreisbene sowie in der Rotenburger Feuerwehr.

Mehr geht nicht, möchte man meinen, Sörens Beruf ist Berufung. Das trifft auch auf die Schiedsrichterei zu, fast 1000 Spiele hat er schon gepfiffen. Sicher habe er da viel erlebt, „doch die Persönlichkeitsentwicklung im Ehrenamt und als Schiedsrichter hat für mich eine große Bedeutung, und sie hat mir im Berufsleben mit Sicherheit geholfen, vor allem im menschlichen Umgang“. Sören nennt Dinge, die ihn im Berufsleben begleitet und vorangebracht haben. „Gesprächsfindung und Konfliktlösung sowie der Umgang damit.“ Der 27-Jährige präzisiert: „Du sollst als Schiedsrichter ein kommunikativer Mensch sein“; dies sei ein Job, in dem man viel, zuallererst Konflikte, mit Kommunikation lösen könne.

Heutzutage würden Konflikte über E-Mails und soziale Medien ausgetragen. Wollrath sieht diese Art der Kommunikation als Chance, betont aber: „Das hat Grenzen. Das Geschriebene kommt oft anders rüber, als wenn man miteinander telefoniert. Wir dürfen nicht übereinander sprechen, sondern müssen es miteinander tun.“

Ehrlich. Direkt. Zuverlässig. Offen. Eigenschaften, nein Werte, die ihn selbst gut kennzeichnen, wie er zugibt. „Das sind Tugenden, die ein Schiedsrichter mitbringen sollte.“ In Sekundenschnelle betont er: „Aber nicht nur der.“ Und wieder gelingt ihm ruck-zuck der Übergang ins Berufsleben. „Ich arbeite auf der Intensivstation junge Mitarbeiter ein – und bin im Generationskonflikt. Das beschäftigt mich schon.“

Keine Frage: Sören reflektiert. Er tut das, was viele junge Menschen heute nicht mehr tun. „Man muss sich das immer vergegenwärtigen, dass der Jüngere eine andere Weltanschauung hat – und ich ihm meine Einstellung rüberbringen soll.“

Zurück zum Schiri Wollrath. An diesem Wochenende rückt er wieder in den Fokus. Bei den Regionalmeisterschaften der Juniorenfußballer in der Waldhessenhalle am Obersberg ist er am Sonntag als Schiedsrichter im Einsatz – zwischendurch fährt er zum Neulingslehrgang nach Kalkobes. Seine Bestimmung: Der 27-Jährige ist Futsalbeauftragter des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Als der Futsal vor einigen Jahren in Deutschlands Landesverbände überschwappte, suchte der Allmershäuser Karsten Vollmar jemanden, der ihm diesen Job anvertrauen konnte. Letztgenannter, einst einer der Köpfe der Kreisschiedsrichter-Vereinigung, war im Begriff, andere Prioritäten zu setzen. Mittlerweile ist er stellvertretender Verbandsschiedsrichter-Obmann in Hessen – und profilierter Kommunalpolitiker in Bad Hersfeld.

In Sören fand er einen idealen Ansprechpartner. Dies Wollrath zu übertragen, sei „eine seiner besten Personalentscheidungen“ gewesen, sagte Vollmar jüngst. „Für mich beginnt die Arbeit als Futsalbeauftragter im Sommer“, bemerkt Wollrath.

Mit einer Abfrage, wer der futsal-ausgebildeten Schiris im Kreis im bevorstehenden Winter in der Hallenrunde pfeifen könne. Es folgt ein Neulingslehrgang im Futsal, jährlich im November. Der besteht aus theoretischem und seit vergangenem Jahr auch aus praktischem Teil. Der Erfolg gibt Wollrath recht: Binnen fünf Jahren stieg die Zahl der Futsal-Schiris im Kreis von acht auf 60.

„Ich will in der Halle keine anderen Spiele mehr pfeifen“, betont Sören heute. Auch wenn er eines unumwunden eingesteht: „Dem Regelwerk fehlt kritischerweise eine Zeitstrafe.“ Überdies setzt Wollrath alle Spiele der Hallenrunde an: 172 waren es in dieser Saison unterm Dach insgesamt, 124 bei den Junioren, 24 bei Herren, Frauen und Alten Herren.

Heute pfeift der Rotenburger bis zur Kreisoberliga, bis 2016 war er in der Gruppenliga aktiv und Assistent in der Hessenliga – und er will in die Gruppenliga zurück. Wollrath, der für den TSV Meckbach pfeift, ist sich darüber im Klaren, dass die Arbeit mit dem Schiedsrichter-Nachwuchs nicht leicht ist. „Um junge Schiedsrichter zu halten, müssen wir kräftig in die Trickkiste greifen. Das A und O ist die Betreuung.“

Das könne im Paten-Modell sein, im Coaching oder auch im Modellversuch eines „Tandem-Schiedsrichters“. Sei’s drum: Der Blick hinter die Fassade eines jungen Menschen, der auch Schiedsrichter ist, hat sich gelohnt.

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