Corona und die Folgen

Ski Alpin: Schreckensnachricht bei James Bond

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Hier hat er noch gut lachen: HZ-Sportredakteur Hartmut Wenzel beim Skiurlaub in der Schweiz – hier am Schilthorn im Kanton Bern. 

16 Mitglieder des Wintersport-Clubs Fuldatal aus Kohlhausen erlebten in Wengen in der Schweiz einen nicht alltäglichen Skiurlaub. HZ-Sportredakteur Hartmut Wenzel war mit dabei.

Es sollte ein Skiurlaub werden wie jedes Jahr. Mit Tiefschneefahren, rasanten Abfahrten – diesmal über die Lauberhorn-Strecke. Mit Besonderheiten wie beispielsweise einem Curlingkurs. Und einem abendlichen Fondue-Essen. Und das alles vor dem Schweizer Dreigestirn, den Bergen Eiger, Mönch und Jungfrau – ein eindrucksvolles Panorama.

Bernd Kragl, lange Zeit Vorsitzender der Fuldataler, hatte diese Reise organisiert. Beim Start am vorvergangenen Sonntag schien der Corona-Virus noch weit weg. Die Schweiz hatte vor der Abfahrt „nur“ 180 Infizierte gemeldet. Und auch Südtirol war noch ein Stückchen entfernt. Wengen ist überdies verkehrberuhigt und über Lauterbrunnen nur mit der Zahnradbahn zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus einen Bogen um uns machen würde, schien groß. Doch das sollte sich als Illusion erweisen.

Die Nachricht der ersten Infizierten im Kreis erreichte die Gruppe an einem illustren Ort: Am Gipfel des Schilthorns, 2970 Meter hoch. Hier im Gipfelrestaurant, das sich um 360 Grad dreht, und wo man eine Aussicht vom Eiger bis zum Thuner See hat, schlug der Anruf bei einem Glas Sekt praktisch wie eine Bombe ein. Denn die Infizierten kamen aus Hersfeld und waren in denselben Bussen gefahren, die die WSC’ler übernommen hatten. Und der Ort, an dem uns der Anruf erreichte, hatte einen Hintergrund, der jetzt sehr makaber erschien. Denn hier am Schilthorn spielte der James-Bond-Film „007-Im Geheimdienst ihrer Majestät“, in dem der Bösewicht Stavro Bloefeld, im Film dargestellt von Telly Savalas („Kojak“), Krankheitserreger über die ganz Welt verbreiten wollte.

Was sollten wir jetzt tun? Nach dem Abendessen setzten sich die Skifahrer zusammen, diskutierten lange. Emotionen kochten hoch. Schlimme Szenarien schwebten uns vor – bis zu diesem, dass wir noch in der Nacht von den Gesundheitsbehörden in Schutzanzüge in eine Quarantänestation befördert werden würden. Doch die Hotelleitung beruhigte uns schließlich, auch nach Rücksprache mit dem Amt in Interlaken. Es bestehe kein Grund zur Aufregung, nur wer Symptome wie Husten oder Fieber zeige, müsse sich testen lassen. Überdies wären die fünf Tage Inkubationszeit schon fast erreicht.

Somit konnten wir noch ein paar Tage genießen, wobei man „genießen“ relativieren muss. Die Nachrichten wurden schließlich immer beängstigender. Das Coronavirus und seine Folgen – angefangen von Geisterspielen und Absage der Bundesliga bis hin zu den Schulschließungen, war ständiges Gesprächsthema.

Unser letzter Tag war auch gleichzeitig der letzte Skitag in der Region – alle Skigebiete der Schweiz schlossen. Bei der Rückfahrt nach Deutschland standen, entgegen der Ankündigungen im Fernsehen, keine Polizei und Zollbeamten, die kontrollierten. Wir durften passieren Richtung Heimat – und damit auch ins Ungewisse.

Unser Sportredakteur Hartmut Wenzel befindet sich seit seiner Rückkehr in häuslicher Quarantäne und arbeitet aus dem Home Office. Sowohl bei ihm, als auch bei den anderen aus der Gruppe sind keine Symptome aufgetreten, die auf eine Corona-Infektion hindeuten. Nach der Rückkehr haben sich alle WSC-Skifahrer beim Gesundheitsamt oder beim Arzt gemeldet. Ein Test wäre nicht notwendig, da Wengen in der Schweiz kein Risikogebiet sei.

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