Der Senkrechtstarter: Fynn Reinhardt

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Gemeinsam sind sie stark: Baunatals Fynn Reinhardt (links, hier gegen Coburgs Lukas Dude) will auch heute in Eisenach zusammen mit seinen Teamkollegen Phil Räbiger und Marvin Gabriel (Nr. 39) die Mitte dichtmachen. 

Baunatal. Er ist die Entdeckung der noch jungen Saison beim Handball-Drittligisten Eintracht Baunatal: Der 19-jährige Fynn Reinhardt aus Bad Hersfeld.

Vor ein paar Tagen ist Fynn Reinhardt erst 19 Jahre alt geworden. Aber der Neuzugang spielt im Mittelblock in der Abwehr des Drittligisten schon so, als wäre er ein alter Hase. An die starken Leistungen zuletzt will der Senkrechtstarter auch am Samstag im Auswärtsspiel (19.30 Uhr) beim ThSV Eisenach anknüpfen.

Der Sprung

Reinhardt wechselte vor der Saison vom TV Hersfeld aus der Landesliga in die 3. Liga. Ein großer Sprung. Vor allem für einen jungen Mann. Aber der 19-Jährige war auf Anhieb Stammspieler in der Defensive. Und das auf der wichtigen Position im Mittelblock. „Er ist eine große Überraschung“, sagt sein Trainer Florian Ochmann. „Ich habe ihn geholt, weil ich wusste, was er kann und weil mir seine emotionale Spielweise gefällt. Aber ich hätte nicht gedacht, dass er den Sprung so schnell schafft.“

Ähnlich geht es Reinhardt selbst: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so viel spiele. Ich bin selbst überrascht, dass es so gut klappt.“ Im Training und in den Vorbereitungsspielen habe er sich an das höhere Tempo und den größeren körperlichen Einsatz schnell gewöhnt. Reinhardt glänzt in der Abwehr mit seinem Verhalten in 1:1-Situationen und zeigte bereits konstant starke Leistungen, was für einen Neuling in der 3. Liga erstaunlich ist.

Gemessen am Alter wäre diese Saison für Reinhardt die erste im Herrenbereich. Aber in Bad Hersfeld spielte er in den vergangenen zwei Spielzeiten parallel zur A-Jugend bereits bei den Herren in der Landesliga. „Sonst wäre dieser Sprung in die 3. Liga jetzt nicht denkbar gewesen“, sagt er.

Das Lernen

Mit Phil Räbiger hat Reinhardt im Mittelblock einen erfahrenen Mann neben sich. „Wir helfen uns beide sehr gut. Ich kann mir von Phil viel abschauen – beispielsweise das Stellungsspiel“, sagt der 19-Jährige. Das Duo ergänzt sich im Abwehrzentrum gut. Der Jungspund übernimmt den offensiveren Part. Der Routinier verhält sich etwas defensiver und organisiert die Abwehr.

Nicht nur Räbiger hilft dem Neuzugang. „Ich lerne auch von den anderen Mitspielern einiges.“ Und von seinem Trainer, denn Ochmann spielte früher selbst im Mittelblock. „Er gibt mir häufig Feedback, da er viele Situationen selbst kennt“, sagt Reinhardt.

In der Abwehr ist der 19-Jährige schon ein Stammspieler, anders ist dies in der Offensive. Dort bekam er bisher nur kurze Einsatzzeiten im linken Rückraum, Ochmann führt ihn langsam heran. „Bei ihm läuft es für einen Spieler, der aus der Landesliga kommt, im Angriff normal“, sagt der Eintracht-Trainer. „Er muss sich schrittweise entwickeln und wird in der Rückrunde auch in der Offensive dann etwas länger spielen.“

Neben dem Feld

Auch außerhalb der Halle ist es für Reinhardt eine spannende Zeit. Am Montag begann sein Studium an der Uni Kassel – Wirtschaftsingenieurwesen in Richtung Bau. Dafür zog er von Bad Hersfeld nach Kassel um. „Daher hat es gut gepasst, nach Baunatal zu wechseln“, sagt er. Der enge Bezug zu seiner Heimatstadt aber bleibt, schließlich wohnen dort seine Familie und seine Freundin Emma. Wenn er neben dem Handball noch Zeit hat, fährt er gern Fahrrad und unternimmt etwas mit seinen Freunden.

Die Wurzeln

Eigentlich war klar, dass aus Reinhardt mal ein Handballer werden musste. Sein Vater Karl-Heinz spielte zusammen mit Fynns Onkel Martin Becker beim TV Eitra in der Bundesliga. Seine Mutter Christine Becker war Oberligaspielerin. Aber Fynn Reinhardt spielte zunächst einmal Fußball. Erst über einen Freund kam er mit sechs Jahren zum Handball – und blieb dabei. Sehr zur Freude der Familie. Von klein auf spielte er beim TV Hersfeld. Aber vor dieser Saison wagte er den Sprung in die 3. Liga.

Von Manuel Kopp

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