Verlegung der Olympischen Spiele

Schmermund: Geht nur um Macht und Geld

+
Genervt vom wochenlangen Gezerre um Olympia: Die Paralympics-Goldmedaillengewinnerin von 2004, Manuela Schmermund von der Schützengilde Mengshausen. 

Die Olympischen Spiele in Tokio sind ebenso wie die Paralympics  auf 2021 verschoben worden. Wir haben uns bei Sportlern aus dem Kreis umgehört.

Manuela Schmermund, Behinderten-Sportschützin aus Mengshausen, ist nicht nur Gold-, Silber-, und Bronzemedaillengewinnerin bei den Paralympics gewesen, sondern ist auch stellvertretende Athletensprecherin im Deutschen Behindertensportverband, Mitglied in der DOSB-Athletenkommission sowie Vizepräsidentin des Vereins „Athleten Deutschlands“.

Sie hat also etwas zu sagen. Und sie vertritt eine klare Meinung: „Als Gesellschaft haben wir gerade in dieser schwierigen Zeit zusammenzuhalten. Und der Sport hat sich nicht über die Gesellschaft zu erheben.“

Das wochenlange Gezerre um Absage, Verschiebung oder nicht sei gegen den Olympischen Gedanken gewesen. Durch das ewige Hin- und Her seien die Werte, die der Sport vermittle, mit Füßen getreten worden.

„Wenn wir beispielsweise die Bilder aus Italien sehen, dann ist es für meine Begriffe sehr fraglich, warum diese Entscheidung so lange aufgeschoben werden musste. Zumal die Pandemie auf anderen Kontinenten wie beispielsweise in Afrika oder in Südamerika erst beginnt.“

Als vor kurzem die Olympische Flamme in Japan angekommen ist, seien ihr Schauer über den Rücken gelaufen. „Wie kann ich nur 50 000 Menschen in einer Zeit, in der eine Pandemie grassiert, auf engstem Raum versammeln?“ Es gehe den Spitzenfunktionären und Politikern nur um Geld und Macht.

Sie greift den IOC-Vorsitzenden Thomas Bach scharf an: „Das geht so nicht.“ Ohnehin hätten einige Nationen wie Kanada oder Norwegen sowie Einzelathleten wie der Säbelfechter Max Hartung schon von sich aus Olympia in diesem Jahr abgesagt. „Das ist mehr als konsequent“, pflichtet ihnen Schmermund bei.

Maximilian Zipf,Turner

Maximilian Zipf, Turntrainer des TV Hersfeld, sieht eine Verschiebung der Olympischen Spiele wegen der Corona-Pandemie als angemessene Lösung an. „Eine generelle Absage wäre für alle Beteiligten eine Katastrophe gewesen“, sagt der 20-jährige Hersfelder, der früher auch für den KTV Fulda auf Hessenebene turnte und sich derzeit im Abi-Stress befindet.

„Dann wäre auch die ganze Vorbereitung umsonst gewesen. Das ist für die Athleten bestimmt das Schlimmste.“ Bei einer Verschiebung bleibe für sie das Ziel gewahrt. „Schließlich ist Olympia das Größte für Sportler. Besonders in den Disziplinen, die sonst nicht im Fokus stehen.“

Marcel Schmied,Basketballer

Für Marcel Schmied steht außer Frage, dass es das einzig Richtige ist, die Olympischen Spiele in diesem Jahr nicht stattfinden zu lassen. Natürlich sei es nicht nur für die Sportler, sondern auch für die Zuschauer schade, meint der Basketballer der TV Hersfeld Titans. Die Gesundheit stehe jedoch an erster Stelle und das sollte jeder verstehen können.

Kontaktlose Sportarten seien vielleicht durchführbar gewesen, in leeren Stadien mit gesunden Athleten – aber was ist mit Boxen, Judo, Ringen oder Mannschaftssportarten, fragt er. Die müssten aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr ausfallen. „Wir haben in der NBA gesehen, wie schnell sich dieses Virus auf die gesamte Liga verteilen kann“, sagt der 27-Jährige. „Und wenn einzelne Sportarten wegfallen, ist es richtig, Olympia komplett zu verschieben.“

NikaRollmann,Handballerin

Diese Meinung teilt auch die 21-jährige Nika Rollmann, die bei der TG Rotenburg Handball spielt und die weibliche D-Jugend des TV Hersfeld trainiert. „Ich finde es gut, dass Olympia verschoben wird und meines Erachtens war das auch klar - allerdings kam die Entscheidung sehr spät“, sagt sie. Es sei jetzt vor allem wichtig, gesund zu bleiben und zu verhindern, dass sich noch mehr Menschen in einem solch hohen Tempo infizieren.

Sie selbst hätte sich viele Wettbewerbe angesehen, denn seit ihrer Schulzeit sei sie Fan. „Im Abi hatte ich Leichtathletik und habe mir viel angeschaut, um von den Sportlern zu lernen“, verrät sie.

Von Kristina Marth und Hartmut Wenzel

Kommentare