Leichtathletik

Trainer Wolfgang Weber in Dresden aktiv

Trainer Wolfgang Weber mit Läufer Philipp Stuckhardt beim Rotenburger Strandfestlauf 2018.
+
Trainer Wolfgang Weber mit Läufer Philipp Stuckhardt beim Rotenburger Strandfestlauf 2018.

Bebra/Dresden – Mehr als vier Jahrzehnte lang war Wolfgang Weber Lehrer im Kreis Hersfeld-Rotenburg und Leichtathletiktrainer in der LGA Rotenburg-Bebra. Als er 2017 mit dem Ende seiner Dienstzeit die Region verließ und nach Dresden, in die Heimat seiner Frau Birgitt, zog, ahnte man wohl, dass er nicht von jetzt auf gleich die Füße hochlegen würde.

Doch was der Nordhesse in Sachsen ins Rollen bringen sollte, ist dann doch eine ziemlich einzigartige Geschichte.

Es fängt ganz harmlos an. Wolfgang Weber stellt sich beim Stadtverband Sport in Dresden vor. Er, der langjährig erfahrene Trainer, möchte sich in der Leichtathletik-Szene einbringen – ein bisschen. Der Empfang ist überwältigend: „Wolfgang, sag nichts, wir kennen dich schon“, hätten die Leute gesagt. Artikel aus den hessischen Zeitungen haben vor dem Treffen die Runde gemacht. Weber wird 2. Vorsitzender im Stadtverband.

„Doch auch als Trainer war ich schnell gefragt“, erinnert er sich. Weber landet beim Dresdener SC. Ex-Fußball-Bundestrainer Helmut Schön spielte einst dort, aber auch der Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter hat seine sportlichen Wurzeln beim DSC. Der Wolfsburger Fußballprofi Maximilian Arnold ging in Dresden zur Sportschule. Im Stadion trifft Weber viele Hauptamtliche, die er aus seiner Trainerzeit kennt. Seit vier Jahren betreut er eine U-16-Gruppe von Athleten, die nicht solche Spitzenleistungen bringen, dass sie auf eine Sportschule gehen, aber trotzdem talentiert sind.

Doch auch sein alter Beruf reizt ihn. „Mathematik-Lehrer wurden gesucht“, erinnert sich Weber, der bei einer Christlichen Privatschule in Dresden landet und sich freut, noch ein Jahr dranzuhängen. „Daraus sind jetzt vier geworden“, sagt er. „Ich bin übrigens Klassenlehrer.“ Doch das ist längst nicht alles. Während den Stadtverband der Neubau eines Stadions beschäftigt, in dem 2025 die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften stattfinden könnten, fördert Wolfgang Weber die Kinderleichtathletik. „Das war im Osten immer ein Stiefkind“, erzählt er. Wenn Corona vorbei ist, soll es eine richtige Kinder-Liga geben: Vier Vereine sollen in Sportfesten um den Sieg streiten.

Auch von seiner Erfahrung im Stabhochsprung profitieren die Sachsen. „Dresden war Schwerpunkt Sprint und Speerwurf – Stabhochspringer wollten die gar nicht, und deswegen gab es auch kaum Zehnkämpfer“, sagt er. Das ändert sich bald. Weber macht selbst eine solche Gruppe auf, schiebt die dezentrale Trainerausbildung an. Dabei ist ihm eins wichtig: „Ich mache nichts allein“, betont er. „Ich arbeite die Leute ein, damit sie weitermachen, wenn ich mich zurückziehe.“

Und die alte Heimat? „Die Kontakte sind sehr intensiv“, sagt der Ex-Trainer der LGA. Etwa zweimal im Jahr ist Weber in Bebra, schaut beim Training vorbei, übernimmt – wenn’s passt – auch mal eine Einheit. Seinen Ex-Kollegen Hajo Löffler und Thomas Kunz bescheinigt er tolle Arbeit, mit Martin Triebstein, der beim TV Hersfeld trainiert, tauscht er sich regelmäßig aus. „Wenn jemand von meinem alten Verein im Wettkampf ist, dann schaue ich im Internet nach den Ergebnissen“, verrät Weber.

Zudem besteht telefonischer Kontakt zu denen, die er teils zu großen Erfolgen geführt hat: Stabhochsprung-Vizeweltmeisterin Annika Becker, Sprinter Sebastian Gatzka, die Mittel- und Langstreckler Friedrich Schenk und Philipp Stuckhardt, um nur einige zu nennen.

Eine ungewöhnliche Geschichte. Dass es eine Erfolgsgeschichte ist, beweist ein Satz des großen Trainers: „Genauso wie es gekommen ist, war es gut.“

Von Rainer Henkel

Im Kreis seiner erfolgreichen Athleten: Wolfgang Weber mit Friedrich Schenk (von links), Annika Becker und Philipp Schenk im Jahr 2006. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare