Besondere Trainingseinheit: Ex-Eisschnellläufer Wolfgang Scharf macht Fußballer fit

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Gibt die Übungen vor - und macht auch selbst mit: Wolfgang Scharf.

Ransbach. Der ehemalige Eisschnellläufer Wolfgang Scharf (59) macht derzeit die B-Juniorenfußballer der FSG Hohenroda/Schenklengsfeld/Friedewald fit.

„So – und jetzt in die Hocke, die ersten 20 Meter Springen. Und dann im Sprint bis zum Ende des Feldes...“ Die Anweisungen von Wolfgang Scharf kommen nicht laut, aber bestimmt. 15 B-Juniorenfußballer der FSG Hohenroda/Schenklengsfeld/Friedewald in der Ransbacher Großsporthalle spitzen die Ohren.

Es sind nicht nur Übungen zur Kräftigung der Beinmuskulatur. Scharfs Programm ist für den ganzen Körper gedacht. Er macht alles vor und korrigiert die Haltung, wenn es sein muss. Oft sind es Partnerübungen. Die machen den Jugendlichen, die mit Eifer bei der Sache sind, am meisten Spaß, obwohl ihnen die Anstrengung anzumerken ist. „Mama, kannst du mich bitte morgen in der Schule abmelden. Ich glaube, ich bekomme morgen einen Mega-Muskelkater“, sagt einer zu seiner Mutter, die das erste Training mit Wolfgang Scharf von der Bank aus verfolgt. Alle lachen.

Zweimal bei Winter-Olympiade dabei - ein Gänsehautgefühl

Hat zweimal bei der Winter-Olympiade teilgenommen: Ex-Eisschnellläufer Wolfgang Scharf.

Scharf ist 59 und war früher Leistungssportler. Und zwar Eischnellläufer. Zweimal nahm er an Winter-Olympiaden teil: 1980 in Lake Placid – hier war er allerdings nur Ersatzmann – und 1984 in Sarajevo.

 „Das waren ganz besondere Erlebnisse, die mir immer in Erinnerung bleiben werden“, erzählt er. Wenn er an den Einmarsch der Nationen denkt, bekommt er noch heute Gänsehaut: „Das ist ein ganz besonderes Gefühl, ich habe es damals auch extra genossen.“ Scharf stammt aus München. 

Seine Frau kommt aber aus Hohenroda, seit gut einem halben Jahr wohnt und arbeitet auch er hier. Und er lernte Thomas Fritsch kennen. „Als er mir erzählte, dass er früher Leistungssportler war, hab’ ich ihn gefragt, ob er mit uns einmal Konditions- oder Zirkeltraining machen könnte“, sagt der FSG-Juniorentrainer.

Ungewohntes Training mit Spaßfaktor

Das Trainng war ungewohnt für die Fußballer - aber Spaß hat es gemacht.

„Schließlich kann es den Jungs nicht schaden, auch einmal in andere sportliche Disziplinen reinzuschnuppern.“ Dass mehr Muskelgruppen beim Konditions- und Zirkeltraining von Scharf beansprucht werden als beim Fußball haben die Spieler bereits am letzten Dienstag gespürt.

„Es hat riesig Spaß gemacht“, sagt zum Beispiel Eduard Garaev. „Es ist gut für die Kondition. Ich freue mich schon auf die nächste Einheit.“ Aus Scharfs Zeit als Leistungssportler ist auch das Fitnesstraining hängen geblieben. Schwimmen. Laufen und Golfspielen – das sind heute seine Sportarten.

Nicht nur die Kräftigung der Muskeln, sondern auch Strecken und Dehnen steht bei ihm auf seiner Übungseinheit, dass er sich selbst zusammengestellt hat. Scharf erfindet dabei das Rad nicht neu, die Partnerübungen mit „Sit ups“, wobei die Füße unterhalb der Knie eingehakt werden, machen trotzdem Spaß. Einmal die Woche soll er in der Hallensaison die Konditionseinheiten leiten. „Vom Fußball an sich habe ich leider nur wenig Ahnung“, gibt er freimütig zu. 

Wolfgang Scharf stellte 18 Landesrekorde auf

Zum Eisschnelllauf ist der geborene Münchner Scharf über den Schulsport gekommen. Das war zu den Glanzzeiten der deutschen Spitzenläufer wie Erhard Keller oder Monika Holzner-Pflug. Das Kufenflitzen war ihm im Elternhaus in die Wiege gelegt worden. Die Mutter tanzte in einer Eisrevue, der Vater – er stammte aus der Tschechoslowakei – war Eishockeyspieler. „Damals gab es in der Bundesrepublik zwei Eisssportzentren, eines in München und eines in Inzell“, erläutert er. Beide kennt er auf dem Eff-eff- Nach der Schulzeit wurde Scharf Leistungssportler.

Er lernte und arbeitete aber zusätzlich in einer Bank. „Training war damals morgens und abends ab sechs und dann ab 18 Uhr, sechs Tage die Woche und am Wochenende war Wettkampf“, erzählt Scharf, der sich auf Mittel- und Langstrecken spezialisierte. Er lief nicht nur in den Eissportzentren in Deutschland wie in Frankfurt und Berlin und in Österreich (Innsbruck), sondern er kam durch den Sport bis nach Alma Ata. Hier stellte er auch über 5000 Meter mit 7:09:01 eine seiner persönlichen Bestzeiten auf. 18 mal stellte er neue Landesrekorde auf. Bei der Olympiade in Lake Placid 1980 war er nur Ersatzmann und kam nicht zum Einsatz. Vier Jahre später in Sarajevo landete er über 5000 und 10 000 Meter auf dem 28. Rang, über 1500 auf Rang 25. Scharf war überdies noch einer der ersten Shorttrackfahrer. „Das sind irrwitzig schnelle Rennen, die viel Kraft und Kondition erfordern.“ Mit einigen Konkurrenten von damals pflegt er noch heute freundschaftliche Beziehungen, zum Beispiel mit dem Amerikaner und fünffachen Goldmedaillengewinner von Lake Placid, Eric Heiden.

Zur Person

Wolfgang Scharf (59) stammt aus München, wohnt aber in Ransbach. Er ist verheiratet, seine Frau Johanna ist Ransbacherin. Scharf, der selbstständig ist, hat drei Kinder aus erster Ehe: Michael, Thomas, der ebenfalls Eisschnellläufer war, und Corinna. Scharf startete für zwei Vereine: Den MTV Ingolstadt sowie den Münchner Eislaufverein von 1883.

Konditionstraining mit Eisschnellläufer Scharf 

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