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Fußball-WM: Trainer Pflanz erwartet heute giftige Japaner

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Japans Torhüter Daniel Schmidt entschärft in einem Vorbereitungsspiel den Elfmeter von Ecuadors Enner Valencia.
Japans Torhüter Daniel Schmidt entschärft in einem Vorbereitungsspiel den Elfmeter von Ecuadors Enner Valencia. © Rolf Vennenbernd/dpa

Markus Pflanz ist Co-Trainer des belgischen Fußball-Erstligisten St.Truiden. Im Kader stehen fünf Japaner. Darunter auch Daniel Schmidt – der Mann heißt wirklich so – als Torhüter bei der WM in Katar mit Japan heute auf Deutschland trifft.

Langenschwarz – Wie die Stimmung in der Kabine des belgischen Fußball-Erstligisten St. Truiden demnächst sein wird, könnte auch von einem Spiel ohne belgische Beteiligung abhängen: der heutigen WM-Vorrundenpartie zwischen Deutschland und Japan.

Während im Kader St.Truidens gleich fünf Japaner stehen, sind mehrere Mitglieder des Trainerstabs deutsch. Mittendrin: Markus Pflanz. In der Region bestens bekannt als ehemaliger Coach der Gruppenligisten Aulatal und Eiterfeld. Pflanz hat 2020 den Sprung in Belgiens Eliteliga geschafft. Nach zwei Jahren beim KV Oostende wechselte er im Sommer als Co-Trainer nach St. Truiden.

„Die Nationalmannschaft erwartet heute ein Gegner, der bis zur letzten Sekunde alles geben wird“, sagt er. Der 46-Jährige weist auf die mannschaftliche Geschlossenheit Japans hin – aber auch auf starke Individualisten wie „seinen“ Torhüter Daniel Schmidt. Japans Schlussmann mit deutschen Vorfahren saß beim Testspiel gegen Kanada (1:2) noch auf der Bank; in Katar wünscht ihm Pflanz Einsatzzeiten: „Ich halte sehr viel von Daniel. Er hat sich hier super entwickelt und wäre eine Verstärkung für drei Viertel aller Bundesligaklubs.“

Schmidt, der in den USA geboren wurde und über Stationen in Japan 2019 den Weg nach Belgien gefunden hat, kann sich vor allem an die starken Auftritte Oliver Kahns bei der WM 2002 erinnern. Heute inspirieren ihn dessen Nachfolger: „Ich schaue mir die deutschen Keeper immer genau an. Ich mag ihren Spielstil – wie sie sich in Eins-gegen-eins-Situationen verhalten, wie sie Bälle abfangen. Alle deutschen Torhüter, die in der Bundesliga spielen, aber auch Marc-André ter Stegen in Barcelona: Das sind Vorbilder für mich“, sagt der 30-Jährige.

Als einziger Akteur aus St. Truiden hat er den Sprung zur WM geschafft: Seine japanischen Kollegen, darunter die ehemaligen Bundesligastars Shinji Kagawa und Shinji Okazaki, wurden nicht nominiert. Pflanz schwärmt dennoch von seinen Leistungsträgern: „Japanische Spieler sind sehr diszipliniert und absolute Teamplayer. Sie funktionieren als Einheit.“

Markus Pflanz, derzeit Cheftrainer des belgischen Erstligisten Cercle Brügge.
Markus Pflanz trainierte einst Aulatal und Eiterfeld. © Friedhelm Eyert

Seine Prognose für das heutige Spiel: „Aufgrund der höheren individuellen Klasse tippe ich auf einen 2:0-Sieg für Deutschland“, sagt Pflanz, der als potenziellen nächsten Weltmeister aber vor allem Argentinien auf dem Zettel hat. Viele Überraschungen erwarte er, da die meisten WM-Teilnehmer kaum Zeit zum Einspielen hatten. Umso wichtiger sei es, einen guten Start zu erwischen. Den wünscht er auch einem weiteren ehemaligen Schützling: Pflanz trainierte, seinerzeit noch in Diensten Oostendes, Arthur Theate. Dieser steht im Aufgebot Belgiens und hat Chancen, in der Startelf des Mitfavoriten zu stehen. Noch immer hat Pflanz Kontakt zum mittlerweile bei Stade Rennes aktiven Verteidiger, der in der Vorrunde aber nicht auf die DFB-Elf treffen wird.

Anders als Daniel Schmidt: Viel Glück hätten ihm seine deutschen Trainer gewünscht. Hin und wieder habe man auch Scherze über das Duell gemacht. Wirkliche Ratschläge aber gab es von Pflanz und Co. nicht, sagt Japans Nationalkeeper und lacht: „Aber selbst wenn sie etwas sagen sollten, würde ich in diesem Fall mal weghören.“ (Steffen Schneider)

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