Paula Brenzel ist Guide der sehbehinderten Noemi Ristau 

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Ein starkes Duett: Paula Brenzel – auf beiden Fotos rechts – fährt als Guide mit der sehbehinderten Alpin-Skifahrerin Noemi Ristau aus Marburg. Im paralympischen Weltcup haben die beiden schon einige Erfolge erkämpft.

Neue Herausforderung für Paula Brenzel aus Schenklengsfeld: Sie fährt der sehbehinderten Sportlerin Noemi Ristau als Guide voraus.

Es könnte eine Erfolgsgeschichte werden. Denn die beiden sind ein echtes Team. „Sowohl privat als auch auf der Piste verstehen wir uns prima“, sagt die 20-jährige Schenklengsfelderin, die in Jena Sportmanagement im dritten Semester studiert und für die SGK Rotenburg Rennen fährt.

Bester Beweis für das gegenseitige Vertrauen: Beim ersten gemeinsamen Auftritt beim paralympischen Europacup im Pitztal in Österreich erkämpfte sich das Duo Ristau/Brenzel schon einen Tagessieg und zwei zweite Plätze im Super-G. Drei Slalom-Rennen bestritt das Duo bei den Wettbewerben in Prato Nevoso in dieser Woche in den ligurischen Alpen bei Turin, wobei drei dritte Plätze heraussprangen. Zweite Plätze gab es noch in Veysonnaz im Riesenslalom. Den größten Erfolg schafften sie aber bei den Wettbewerben in dieser Woche in Kranjska Gora: Der erste Weltcup-Sieg Riesenslalom sowie zwei zweite Plätze.

Weil die Disziplinen Riesenslalom und Super-G im Rennkalender des Weltcups überwiegen, hatten sich die beiden im Training auf diese beiden Disziplinen konzentriert. Und das Slalomtraining vernachlässigt. „Daher dürfen wir mit den dritten Plätzen zufrieden sein, obwohl wir natürlich gern noch weiter nach vorn gefahren wären“, sagt Brenzel. Eigentlich sollten die beiden schon im vergangenen Winter zusammen Rennen fahren. Weil sich die aus dem oberfränkischen Großostheim stammende Ristau, die in Marburg wohnt und für den Verein SSG Blista Marburg antritt – ein Verein, der sich vorwiegend Sehbehinderten widmet – aber im Training den Knöchel brach und die Verletzung erst ausheilen musste, wurde der Start der beiden verschoben.

Ristau besitzt wegen der seltenen Augenkrankheit Morbus Stargardt, die bislang als unheilbar gilt, nur zwei Prozent Sehfähigkeit. „Durch das Skifahren bekam ich danach das erste Mal wieder das Körpergefühl zurück“, erzählt sie. Für sie stellt die Augenkrankheit kein Leid dar. Der Sport sei für sie eine ultimative Herausforderung. „Ohne die Erkrankung wäre es wahrscheinlich nur ein Hobby geblieben.“ In Sachen Skifahren ist Brenzel das für Ristau, was man einen Glückfall nennen darf. Als Brenzels Vorgänger Lucien Gerkau aus familiären Gründen nicht mehr mit ihr fahren konnte, sprang Brenzel auf.

Denn die Schenklengsfelderin gilt als eine der besten hessischen Skifahrerinnen. Die Kommunikation im Training und beim Rennen erfolgt über ein Headset, ähnlich wie beim Telefonieren. Wenn Paula „Hoch - vor - drauf“ in das Mikro ruft, weiß Noemi genau, was sie im nächsten Moment zu tun hat. Die beiden starten gleichzeitig, für das Ergebnis ist aber nur die Zeit von Ristau relevant. Ristau hat es auch schon geschafft, allein den Berg hinunterzukommen – mithilfe zusätzlicher Video-Ausstattung. Bei den Weltcup-Wettbewerben im slowenischen Kranjska Gora wollen die beiden nun noch mal Gas geben. Auf dem Rennkalender stehen dort insgesamt drei Riesenslalom-Wettbewerbe sowie am letzten Wettkampftag noch ein Spezial-Slalom. Das Fernziel der beiden ist klar umrissen: Es sind die Paralympics in Peking in 2022. Dort will Ristau besser abschneiden als in Pjöngjang, wo sie Vierte wurde. Zeit genug bleibt, um an der Form zu feilen.

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