Fußball-WM

Party mit schwedischen  Nationalspielern 

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Klassenfoto mit schwedischen Fußballern: Die Hersfelder Abiturienten mit DEN schwedischen Nationalspielern Jan Möller (links, mit der großen Hand), Hasse Borg (vorn, mitte) und Ingemar Erlandsson (Vierter von rechts, obere Reihe). Der Verfasser ist der Dritte oben von rechts. 

Bei der Fußball-WM in Russland trifft Deutschland am Samstag um 20 Uhr auf Schweden. Das Spiel weckt bei HZ-Redakteur Hartmut Wenzel Erinnerungen an eine Abi-Fahrt nach Prag.

Bad Hersfeld. Diese Abitur-Fahrt in die Tschechoslowakei ist jedem meiner damaligen Mitschüler in Erinnerung geblieben. Nicht nur wegen der Hauptstadt Prag, der Karlsbrücke, der Burg und den Starkbierkneipen. Sondern auch wegen eines Fußball-Länderspiels zwischen dem damaligen Europameister CSSR und Schweden. Und einer Zimmerparty mit den schwedischen Nationalspielern. Und das kam so.

Bus fährt vor

In der damals sozialistisch regierten Tschechoslowakei war es üblich, dass sich Pauschal-Touristen die Hotels in Städten nicht aussuchen durften. Sie wurden vielmehr zugeteilt. Die Hersfelder Obersbergschüler (Abschlussjahrgang 81) hatten Glück, dass sie in einem für damalige Verhältnisse relativ guten Hotel untergebracht waren. Wie gut es war, erfuhren wir am dritten Tag unseres Aufenthalts. Da fuhr, begleitet von zwei Lada-Polizeifahrzeugen, ein Bus vor.

Zu unserer großen Überraschung stieg die schwedische Fußball-Nationalmannschaft in knallgelben Trainingsanzügen aus, die ebenfalls in diesem Hotel untergebracht, war. Und die in Prag ein EM-Quali-Spiel gegen die CSSR absolvieren musste. Schweden – diese Nation hatte sich im internationalen Fußball bei der WM ´74 in Deutschland wieder Respekt verschafft. Spieler wie Hellström, Torstensson, Sandberg, Borg oder Magnusson spielten schon in der Bundesliga. Und Malmö stand im Finale des Europapokals gegen Nottingham Forest. Gastgeber CSSR war drei Jahre zuvor Europameister geworden.

Die Tatsache, dass die Schweden in unserem Hotel übernachteten, war für uns fußballinteressierte Abiturienten schon fast Verpflichtung, dieses Länderspiel zu besuchen. Das war das damals einfach. Weil die D-Mark zur Krone hoch gehandelt wurde – die Schwarzmarkthändler unterhalb der Burg notierten einen Kurs von 1:14 – war das Ticket für einen Preis unter fünf Mark zu haben. Das Spiel im Fußballstadion des Prager Stadtteil Strahov endete 4:1 für die Tschechen, die mit Europameistern wie Nehoda, Panenka und Ondrus antraten. Beeindruckend, mit welcher Disziplin sie auftraten. Nach der Partie trafen wir die Schweden an der Hotelbar wieder. Trotz Niederlage: Sie verstanden zu feiern.

Geburtstagsfete

Als die Hotelbar schloss, ging die Party auf dem Zimmer weiter. Mit dabei die Schweden Hasse Borg (damals Braunschweig), Torhüter Jan Möller und Ingemar Erlandsson (beide Malmö FF). Auf dem Zimmer gab es noch ein Gruppenfoto, das bei Klassentreffen immer wieder die Runde macht. Einer aus unserer Tutorengruppe, Martin Matschke, feierte damals seinen 18. Geburtstag. Ich kann mich genau erinnern, wie Matschke – er kickte damals für den SSV Eichhof – auf dem Bett saß und mit dem Kopf schüttelte: „Das ich mit schwedischen Nationalspielern Geburtstag feier, das glaubt mir zu Hause im Verein kein Mensch.“

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