Handballtorhüterin Lea Hollstein (17) hat von Geburt an ein Handicap an der Hand

Paraden mit Prothese

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Die sportliche Heimat: Lea Hollstein steht für die A-Jugend, aber auch für die Frauen der HSG Landeck/Hauneck in der Bezirksoberliga zwischen den Pfosten.

Schenklengsfeld. Lea Hollstein nimmt es sportlich. „Sie können es gern beschreiben wie sie wollen. Ich bin da sehr humorvoll“, sagt die junge Handballtorhüterin der HSG Landeck/Hauneck beim Gesprächstermin in der Hersfelder Waldhessenhalle lachend. Die 17-Jährige hat ein Handicap: Die Finger ihrer linken Hand sind von Geburt an nicht ausgebildet. Die Linke ist somit gerade einmal so groß wie die Handfläche der rechten Hand.

Die Vorgeschichte

Lea Hollstein wird am 6. Dezember 2000 mit einer Handbehinderung geboren. Die Finger ihrer linken Hand sind zurückgeblieben – und bilden sich auch in der Kindheit nicht aus. Nichtsdestotrotz beginnt Lea im Kindesalter mit dem Mini-Handball. Zunächst spielt sie im Feld. Nach der E-Jugend wechselt sie ins Tor. „Je älter ich wurde, desto schwieriger wurde es mit der Hand. Da wollte ich unbedingt ins Tor“, berichtet sie. Lange Zeit geht das gut.

Doch je älter sie wird und je härter die Würfe der Gegnerinnen werden, desto schwieriger wird es. Und schmerzhafter. Oftmals platzen die Fingerkuppen auf und bluten. Eine Lösung muss her. Und wird vor etwa zwei Jahren gefunden. Bei Orthopädie- und Schuhtechnik Greb in Bad Hersfeld wird für Lea eine Handprothese aus Hartgummi angefertigt, die sie fortan trägt, wenn sie im Tor steht. „Ohne sie fühle ich mich nicht vollständig. Sie gehört einfach dazu und gibt mir Sicherheit“, sagt Lea.

Das Problem

Torwarthandschuhe sind im Handball eigentlich kein Thema. Und eine Prothese? Erlaubt – aber dafür benötigt der Verein eine Genehmigung seitens des Verbandes. Und eine Zustimmung der Gegner. Der Hessische Handballverband zögert aber zunächst mit seinem Okay, sodass die Entscheidung beim DHB an höchster Stelle gefällt wird. Das ist ein ordentlicher Papierkrieg und dauert einige Zeit. „Wir müssen die Genehmigungen der Gegner jetzt vor jeder Saison einholen. Das ist ziemlich umständlich“, berichtet Alicia Wedel, ehemalige Spielerin und Tochter von Hans-Georg Bock, dem Trainer der HSG Landeck/Hauneck. Bis auf zwei Gegner aus der B-Jugend – dem Vernehmen nach aus dem Schwalm-Eder-Kreis – haben bislang alle Kontrahenten grünes Licht gegeben. „Es ist ja noch nie etwas passiert, weil ich das Tor ja nicht verlasse. Für die meisten Gegner ist mein Handschuh überhaupt kein Thema“, erzählt Lea.

Die Gegenwart

Lea Hollstein spielt mittlerweile nicht nur für die A-Jugend der HSG Landeck/Hauneck, sondern seit dieser Saison auch für die Damen in der Bezirksoberliga. Weil Julia Döring und Saskia Vogt lange verletzt waren, ist sie Stammtorhüterin. Und Lea macht ihre Sache beim Tabellenneunten ziemlich gut. „Ich habe in dem Alter selten eine so starke Torhüterin gesehen“, lobt Alicia Wedel. Und geht sogar noch weiter. „Unsere Linksaußen Celine Pick und Lea sind für die erste Mannschaft mittlerweile unverzichtbar.“

Die Ambitionen

„Ich bin sehr ehrgeizig und perfektionistisch, wenn ich im Tor stehe“, berichtet Lea. Deshalb werde sie auch mal laut, wenn es nicht so laufe, wie sie sich das vorstelle. Doch derzeit läuft es ja ganz gut. Gedanken über ihre sportliche Zukunft macht sie sich deshalb nicht. „Es macht mir viel Spaß bei der HSG, und ich freue mich, dass ich so viele Einsätze in der Frauenmannschaft bekomme“, sagt sie zurückhaltend. Und bekommt noch ein weiteres Lob von Alicia Wedel. „Lea ist in jedem Training da und ein absoluter Teamplayer.“ Trotz Handicap.

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