„Papa, mir ist langweilig“

Die achtjährige Charlotta Kurz ist ein Bewegungstalent

Charlotta Kurz schießt einen bunten Fußball Richtung Kamera.
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Charlotta Kurz, wie sie leibt und lebt.

Charlotta Kurz ist acht Jahre alt und fußballverrückt. Im Alter von drei fing sie an zu kicken und sie nahm bereits an Camps bei Bayern München und Eintracht Frankfurt teil.

Saasen – „Papa, mir ist langweilig.“ Kaum ist Matthias Kurz von seiner Arbeit zu Hause, nervt ihn seine Tochter. Charlotta meint es nicht böse, und außerdem: Ihr Vater ist es gewöhnt. „In zehn Minuten“, versucht er, sie zu beruhigen. Die Aufforderung der Achtjährigen zeigt: In ihr steckt Leidenschaft, sie weiß nicht, wo sie hin soll mit ihrer Energie. Charlotta will nur eins: kicken.

Ihre Mama weiß noch ganz genau, wann Charlotta erstmals auf dem Platz stand. „Am 27. Mai 2016 war das“, sprudelt es fast aus Tabea Kurz heraus. „Bei den G-Junioren in Neuenstein. Sie war dreieinhalb.“ Eine Portion Stolz legt sich um die Augen der Mutter, eine der namhaftesten Sportlerinnen unserer Region – im Tischtennis schaffte sie es in Besse bis in die Zweite Liga, als Fußballerin war sie für Geschick auf engem Raum, für Ideen und Tore bekannt.

Ein Jahr später war Charlotta natürlich beim Tag des Mädchenfußballs dabei, als der 1. FFC Frankfurt, heute zur Eintracht verschmolzen, in Obergeis aufschlug. Nur kurz kickte das junge Mädchen für Ober-/Untergeis’ G-Junioren – im Sommer 2018 wechselte sie ins Solztal, zur JSG Sorga/Kathus. Seit Sommer dieses Jahres ist sie für die F-Junioren spielberechtigt – und als sie in der höheren Altersklasse mitkicken durfte, gelang Charlotta ihr erstes Tor: beim Fair-Play-Cup der E2-Junioren.

Und das gegen ihr altes Team aus Neuenstein. In Untergeis. Gegen einen Klassenkameraden. Gegen einen Freund. Moritz Reif heißt der. Apropos Sorga/Kathus: Stark ist die Nachwuchsarbeit dort; Charlottas Trainer bei den F-Junioren ist Carsten Lenz, der betont: „Sie ist immer eine der Ersten auf dem Trainingsplatz – und geht nur ungern, wenn das Training beendet ist.“ Auch Tabea ist eingestiegen ins Trainerteam.

„Mittlerweile hat Charlotta ihre Angst abgelegt bei den Jungs. Sie konnte sich noch nicht so durchsetzen. Jetzt nimmt sie den Ellenbogen zur Hilfe oder setzt ihren Körper ein“, hat Charlottas Vater Matthias beobachtet; Matthias kickte einst bei der SG Ober-/Untergeis zusammen mit Markus Schäfer, Sascha und Micha Lassok, Sven Dorfschäfer oder Mirko Rosenkranz.

„Nebenbei fährt sie Ski. Besser als die Mama“, sagt Matthias noch. Auch er ist stolz, ohne es zu sagen. Oder doch? „Das Schlimme: Charlotta ist schneller als ich.“ Prompt reagiert Tabea. „Wenn wir ehrlich sind: Die Schnelligkeit hat sie von dir. Das Fußballerische von mir.“

Überhaupt ist deren Tochter ein motorisches Talent. Charlotta fährt Rad, Inliner, ist im Schulsport in der Talent-Aufbaugruppe – und machte ihr Seepferdchen, als sie noch nicht mal Vier war. Ihr Schwimmlehrer prophezeite, kaum als er sie gesehen hatte in ihrem Element: „In zehn Stunden kann sie schwimmen.“

Kein Wunder, dass Charlotta auf die Frage, was sie am Fußball so mag, antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Das Dribbeln gefällt mir. Und das Toreschießen. Ich spiele immer vorne im Sturm.“ Als der Reporter geht, kommt Charlotta zu ihrem Recht. Endlich. Es wird dunkel, der Abend bricht heran. Doch das stört sie nicht. Ebenso wenig, dass nicht ihr Vater, sondern die Mutter mit ihr spielt. Jetzt ist Charlotta nicht mehr langweilig.

Von Walter Kell

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