Nachspielzeit: Wartestand, Wertschätzung, Weltmeister 

Rainer Henkel

In dieser Wochenendkolumne von Rainer Henkel geht es um zwei Fußballtalente, um gegenseitige Wertschätzung und den Unterschied zwischen Alexander Zverev und Boris Becker. 

Ihre Zeit wird kommen. Da sind sich diejenigen, die die Laufbahn von Daniel Hanslik aus Unterhaun beim VfL Wolfsburg und Christian Stark aus Bad Hersfeld beim Hamburger SV beobachten, ganz sicher. Wann?

Hanslik könnte einen Tick näher dran sein. Beim Testspiel der Wölfe gegen Paderborn spielte er die ersten 45 Minuten – und erzielte sogar per Linksschuss das zwischenzeitliche 1:1. Allerdings ging der Vergleich mit dem Zweitligisten mit 1:3 verloren. Im Kader für die Bundesligapartie gegen Leipzig am Wochenende taucht Hanslik nicht auf.

Stark hatte in der Länderspielpause nur die Möglichkeit, sich im Training zu empfehlen. Zuvor hatte er beim 2:1-Sieg in der Regionalliga gegen BW Rehden getroffen. Auch er fehlt (noch) im Profikader fürs Wochenende.

Es gibt Trainerentlassungen, die lassen weder Beobachter noch Beteiligte kalt. So war das, als sich die Wege von Senouci Allam und Fußball-Kreisoberligist SG Haunetal trennten. Vorherige Gespräche und dann ein Schritt, den wohl beide Seiten schweren Herzens getan haben, sind Ausdruck einer gegenseitigen Wertschätzung, die sich nicht allein am Tabellenstand bemisst. Wir meinen: Kriegt nicht jeder Bundesligist hin.

Sie sehen in ihm einen neuen Boris Becker: Tennisfans in Deutschland bejubeln Alexander Zverevs Triumph bei der ATP-WM in London. Und in der Tat kann der 21-jährige Hamburger diesem Erfolg noch weitere hinzufügen. Sein Coach ist kein Geringerer als Ivan Lendl.

Doch so verständlich die Wünsche des Publikums sind, mal wieder einen Weltkassemann zu haben, der sie so mitreißt wie einst der rotblonde Mann aus Leimen – Zverev diesen Vergleich aufzubürden, hilft niemandem. Boris Becker war in seinen Triumphen, Niederlagen, seiner Spielweise und seinem Auftreten einzigartig. Dem jungen Hamburger sollten wir eben dies zugestehen. Er ist keine Becker-Kopie. Niemand ist das. Und Alexander Zverev kann uns auch als Alexander Zverev viel Spaß machen.

Schönes Wochenende!

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