Nachspielzeit: Blaue Maus oder Sofa?

In dieser Wochenendkolumne geht es um zwei Spitzenspiele im Handball und im Fußball und um Respekt auf dem Sportplatz. 

Es ist angerichtet: Mit der Empfehlung einer starken bisherigen Runde erwarten die Handballer des TV Hersfeld am Samstag ab 18.30 Uhr die HSG Großenlüder/Hainzell, seit Jahren eine der stärksten Mannschaften der Landesliga, und derzeit Spitzenreiter. Als einziges Team ist der Primus noch verlustpunktfrei – Hersfelds Handballfans sollten sich den Abend freihalten und schauen, ob die weiße Weste des Spitzenreiters womöglich erste Flecken bekommt.

Könnte also ein idealer Sportabend werden, wäre da nicht eine unglückliche Terminkollision. Denn zeitgleich bittet in der Fußball-Bundesliga der FC Bayern München seinen vermeintlich größten Rivalen Borussia Dortmund zum Spitzenspiel. Und da nicht wenige Handball- auch Fußballfans sind, lautet die Frage des Abends daher: Geistalhalle und anschließend Fachsimpelei in der Blauen Maus – oder Sofa dahoam mit Spitzenspiel bei Sky.

Der Rat der Sportredaktion ist dieser: Erst TVH gucken – und irgendwann am Abend sich eine der gefühlt Dutzend Zusammenfassungen und Analysen des sogenannten deutschen „Clasico“ ansehen.

Für den Handballknüller in Bad Hersfeld haben wir natürlich auch den Trainer angerufen, der beide Teams trainiert hat: Matthias Deppe war in der vergangenen Saison noch Coach beim TV Hersfeld, davor trainierte er Großenlüder/Hainzell. Er freue sich, wenn es ein tolles Spiel gebe, erklärte Deppe, dessen Sohn Jannis im TVH-Trikot spielt. Ansonsten aber sei er nicht nah genug an beiden Teams dran und wolle keine Glaskugelleserei betreiben. Ehrliche Worte – zu respektieren.

Respekt auf und neben dem Fußballplatz – das ist ein Wort, das in diesen Tagen immer wieder fällt, wenn die erschreckenden Angriffe auf Gegenspieler oder Schiedsrichter zum Thema werden. Kaum ist der Schock nach dem Faustschlag gegen einen jungen Unparteiischen im südhessischen Münster etwas abgeklungen, da ruft uns ein Sportgerichtsurteil einen weiteren schlimmen Fall ins Gedächtnis. In Kassel wurde ein Kreisligaspieler für 36 Spiele gesperrt, nachdem er einem Schiedsrichter nach Spielschluss von hinten ans Knie getreten hatte.

Der dortige Richter hatte gegenüber unserer Zeitung zu bedenken gegeben, „dass ohne Schiedsrichter der Fußball ausstirbt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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