Vom Stürmer zum Verteidiger umgeschult

Fußballer Marcel Mangold spielt seit 23 Jahren für Nentershausen

Fußballer Marcel Mangold (am Ball) für die SG Nentershausen/Weißenhasel/Solz
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Schritt für Schritt ging es vom Stürmer in die Innenverteidigung: Nun soll Marcel Mangold (links) dem Spiel der SG Nentershausen/Weißenhasel/Solz noch mehr seinen Stempel aufdrücken.

Nentershausen – Stets solide im Mittelfeld läuft Fußball-A-Ligist SG Nentershausen/Weißenhasel/Solz am Saisonende ein. Genauso solide lässt sich sein Kapitän Marcel Mangold beschreiben. Und für den Klub ist der 26-Jährige ein ungemein schweres Gewicht – auf und neben dem Platz.

Hört man sich in den Kreisen des SC Tannenberg Nentershausen – seinem Heimatverein – um, kommen die Verantwortlichen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Mangold stehe mehr als jeder andere für den Verein, sei Anführer der gesamten Truppe und Vorstandsmitglied. Wenn die Zeichen eher negativ stehen, sei er derjenige, der als Fels in der Brandung stehe. Und nicht nur sportlich bringt sich Mangold ein, auch anderweitig, etwa für die Kirmes, bei Mannschaftsabenden oder Spielergesprächen, ist der 26-Jährige immer mit einem offenen Wort dabei.

Selbst hört der Bürokaufmann solche Worte ungern – sich in den Vordergrund zu schieben mag er überhaupt nicht. Das große Ganze, in dem Fall sein Verein und sein Team, sei nunmal seine Heimat, er dagegen nur ein Teil davon. Die Lorbeeren hätten andere, wie beispielsweise Rico Muhlack, mindestens genauso sehr verdient. „Weil er auch mit Leib und Seele dabei ist, seine Schichten an der Arbeit für Spiele tauscht oder sogar Urlaub nimmt. Für mich ist er zudem mein bester Freund, mit dem ich stets über Fußball unterhalten kann“, schildert Mangold.

Dabei habe er es in die Wiege gelegt bekommen, für den Klub da zu sein. Vater Michael war nämlich die komplette Juniorenzeit sein Trainer und ist nun Vorsitzender in Nentershausen.

Und deshalb lebt er die Werte, die für ihn im Amateursport wichtig sind, gerne vor. Keinen müden Cent gebe es beim A-Ligisten, „und das ist richtig so. Wir haben nur Leute, die nach dem Spiel oder Training noch lange sitzen. Spieler, die nicht so ticken, passen nicht zu uns“, weiß Mangold. Ein Vereinswechsel, nachdem er seit dem dritten Lebensjahr nur für Nenterhausen auflief, kam für ihn deshalb auch nur kurzfristig einmal in den Sinn.

Vor einigen Jahren erlebte der Verein einige Abgänge, zudem blieb der sportliche Erfolg aus. Doch dann sagte er zu „seinen Jungs“, wie er verrät, folgenden Satz: „Egal wie es weitergeht, ich bin der letzte, der geht.“ Ein Satz, der ihn prägt und an den er sich halten wird. Denn er ist stolz darauf, sein Hobby mit seinen Freunden ausüben und mit ihnen die gemeinsame Leidenschaft zum Fußball teilen zu dürfen.

Dass er sich so wohl fühlt, zeigt den Charakter des Kapitäns. Sportlich gesehen hätte er nämlich allen Grund, unzufrieden zu sein. Als offensiver Spieler agierte er in den jüngeren Jahren und anfangs seiner Seniorenzeit. Und machte das nicht allzu schlecht. 40 Tore in einer Saison gelangen ihm zu Beginn bei den Männern, die Torjägerkrone war logischerweise sein, doch fortan durfte er nicht mehr in vorderster Front spielen. Eigentlich absurd, aber Mangold fügte sich. So sehr, dass er mittlerweile in der Innenverteidigung angekommen ist.

„Schritt für Schritt ging es vom Stürmer auf die Zehnerposition, dann ins defensive Mittelfeld und schließlich in die Innenverteidigung. Wir hatten zu viele Offensivspieler, der Trainer wollte mich lieber im zentralen Mittelfeld einsetzen, sodass ich dem Spiel mehr meinen Stempel aufdrücken kann“, sagt er.

Gepocht auf einen Positionswechsel habe er nie. Und in seiner derzeitigen Rolle kann er gewiss mit ein paar Pluspunkten aufwarten. Als guter Stürmer wisse er nämlich, wie so mancher Gegenspieler ticke. Am liebsten fühle er sich dennoch in einer offensiveren Rolle.

So viel Spaß ihm der Fußball auch bereitet, so kann der 26-Jährige aber nicht sagen, wie lange er seinem Hobby noch nachgehen kann. Eine Operation an der Hüfte im November 2019 musste er vornehmen lassen. Der Knorpel nutzte sich ab, ein schleichender Prozess über viele Jahre, der repariert werden musste. Und die Schmerzen spüre er dennoch, selbst im Alltag.

„Deshalb kann es sein, dass demnächst irgendwann Schluss ist. Aber ich werde immer spielen, so lange es mein Körper mitmacht“, stellt der Vater – im Januar kam sein erstes Kind auf die Welt – klar.

Von Tobias Konrad

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