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Motorsport: EM-Semifinale mit Läufen, die Geschichte schreiben

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Im Endlauf noch zurückgefallen: Markus Brandhofer und Sandra Mollema (links) wurden im Semifinale des Europameisterschaftslaufs nach einem Motorschaden nur Dritte. alle fotos: Hartmut Wenzel
Im Endlauf noch zurückgefallen: Markus Brandhofer und Sandra Mollema (links) wurden im Semifinale des Europameisterschaftslaufs nach einem Motorschaden nur Dritte. © Hartmut Wenzel

Nach zwei Jahren Corona-bedingter Pause richtete der MSC Bad Hersfeld wieder das Grasbahnrennen aus. 2000 Zuschauer sahen bis zum Schluss packende Läufe.

Bad Hersfeld – Als um 22.38 Uhr das letzte Gespann die Ziellinie überquert hatte, waren fast drei Stunden atemberaubender Bahnsport zu Ende. Vor allem der letzte Lauf hatte es in sich, er war das I-Tüpfelchen auf packende Vorrennen. Vier Gespanne lieferten sich zwei Runden lang ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Dann schafften es Markus Brandhofer und Sandra Mollema auf die Innenbahn, zogen vorbei und hatten sich einen Vorsprung von fast 100 Metern herausgearbeitet. Doch in der letzten Kurve passierte es. Der Motor blockierte, die Bahn war frei für Sven Hollstein und Natasha Bartlett, bei denen zur Überraschung aller als Erste die Zielflagge nach unten ging. Brandhofer/Mollema rollten gerade noch über den Strich, standen aber trotzdem als Dritte auf dem Treppchen. „In Bad Hersfeld ist heute ein Stück Grasbahngeschichte geschrieben worden“, so entfuhr es Bahnsprecher Michael Schubert am Mikrofon.

Brandhofer selbst betrachtete das EM-Semifinale mit gemischten Gefühlen. „So ein ....“, schimpfte er im ersten Moment. Aber dann fing er sich wieder. „So etwas kann passieren. Unser Ziel, das Finale in Eenrum, haben wir trotzdem erreicht. Eigentlich sind wir froh, dass wir soweit gekommen sind“, sagte der Bad Tölzer, der Bad Hersfeld mag. „Das ist meine Lieblingsbahn. Wegen des Radius.“

Zur Coronazeit, als die Rennen ausgefallen sind, hatte er es endlich einmal geschafft. „Da habe ich mich mit meiner Frau eine Städtetour geplant und habe die Orte besucht, wo wir ansonsten immer Rennen fahren, unter anderem Melsungen und Bad Hersfeld. Wir waren total begeistert. Richtig schöne Städte mit eigener Historie.“ Doch diesmal musste der Gang durch das Städtchen ausfallen. Genau wie viele Andere aus dem 46-köpfigen Fahrerfeld fuhr er noch in der Nacht nach Rastede bei Bremen. Mit neuem Motor wurde das Duo dort Vierte.

Darf die Lullusglocke läuten: Der A-Solo-Sieger Jannick de Jong (Mitte) aus den Niederlanden, links der Zweite Jacob Bukhave und rechts William Kruit.
Darf die Lullusglocke läuten: Der A-Solo-Sieger Jannick de Jong (Mitte) aus den Niederlanden, links der Zweite Jacob Bukhave und rechts William Kruit. © Hartmut Wenzel

Aber nicht nur die Gespanne, sondern auch die Solisten zeigten sich von ihrer besten Seite. Jannick de Jong freute sich, dass er als souveräner Erster der A-Klasse den Lullusglocken-Pokal in Empfang nehmen durfte. „Prima, da wird sich meine Frau aber freuen“, sagte er bei der Siegerehrung und grinste. „Die Glocke kann meine Frau dann immer läuten, wenn ich zum Essen kommen soll.“

Aber nicht nur bei der sportlichen Bilanz konnte Hersfeld erneut glänzen, Auch die Organisation bekam von den Verbandsvertretern Bestnoten. Sportkommissar Jacob Alkema vom DMSB schwärmte in höchsten Tönen von Bad Hersfeld. „Congratulation to the organisation“, so eröffnete er die Abschlussbesprechung im Zeitnehmerraum.

Überdies kein einziger Unfall, bei dem Ärzte oder das Rote Kreuz hätten eingreifen müssen, das Rennen. Lediglich Immanuel Schramm und Frank Schlemer stürzten einmal im Training, wurden dann aber noch Zweiter. „Alles top gelaufen“, sagte Rennleiter Dennis Schäfer. Für die Zuschauer eröffnete sich im übrigen auch eine neue Perspektive. Weil die Bäume zur Autobahn hin gefällt werden mussten, ergab sich freie Sicht am „Laufholz“ unterhalb des Johannesbergs. Ein paar Zaungäste, die sich Decken mitgebracht hatten, verfolgten das Geschehen aus der Distanz. (Hartmut Wenzel)

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