Johannes Flicker nimmt an einem Experiment über das Rudern im Alter teil

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Ein Mann und seine Leidenschaft: Johannes Flicker aus Bad Hersfeld (vorn), auf dem linken Foto im Zweier mit Maximilian Moos, Weltmeister der U 23 von 2016 im leichten Doppelzweier sowie an Land mit einem seiner Boote.

Bad Hersfeld. „Ich bin ein Verrückter was meinen Sport angeht“, sagt Johannes Flicker. Der Mediziner aus Bad Hersfeld ist 59 Jahre alt – und Rudern ist seine Leidenschaft. Flicker nimmt regelmäßig für den RC Amicitia Bad Hersfeld an nationalen und internationalen Wettkämpfen in seiner Altersklasse teil. Die Geschichte aber, die er zu erzählen hat, ist eine andere.

Das Experiment

Im September 2016 wird Flicker vom Ruder-Leistungszentrum Mainz unter der Leitung von Kadertrainer Robert Sens angefragt, ob er an einer 12 Monate dauernden Untersuchung über Leistungsrudern im Alter teilnehmen wolle. Kurze Überlegung, Beratung mit der Familie – gesagt getan. Seit Oktober 2016 unterzieht sich Flicker nun also einem regelmäßigen Leistungstraining unter Leitung des Leistungszentrums Mainz. Das beinhaltet sechsmal die Woche ein bis zweieinhalb Stunden Training auf dem Ruder-Ergometer, im Kraftraum, dem Rad oder auf dem Wasser. Einmal im Monat stehen in Mainz eine medizinische Untersuchung sowie ein Leistungstest an.

Das Trainingslager

Ende Februar absolviert Flicker mit sechs Kader-Ruderern aus dem Mainzer Leistungszentrum ein einwöchiges Trainingslager in Italien. Der Tagesablauf entspricht dabei keinem Urlaub in der Toskana. Aufstehen um halb Sieben, kurzes Frühstück, dann um 8.30 Uhr die erste Trainingseinheit auf dem Wasser. Danach Essen im Quartier, Duschen, eine Stunde Ruhe und um 15.30 Uhr die zweite Trainingseinheit. Bis zu 5000 Kalorien verbrennt Flicker am Tag – und erinnert sich als ehemaliger Leistungsruderer aus den 70er und 80er-Jahren, wie wichtig die Ernährung ist.

Johannes Flicker

Am letzten Tag des Trainingslagers steht dann ein Härtetest an, der Flicker an seine körperlichen Grenzen bringt. Morgens eine Zeitfahrt über 21 Kilometer, bei der im Minutenabstand gestartet wird. Am Nachmittag eine Übungseinheit im Doppelzweier über 16 km mit Tempofahrten. „Diese haben mich bis zur totalen Erschöpfung gefordert“, sagt Flicker. Und, nicht ganz ernst gemeint: „Da habe ich Blut geschwitzt.“

Die Teilnehmer

Jason Osborn und Maximilian Moos, beide Weltmeister der U 23 Meisterschaften 2016 im leichten Doppelzweier und Achte der Olympiade in Rio. Anton Braun, deutscher Meister im Zweier ohne Steuermann und Achter im Vierer ohne Steuermann der Olympiade in Rio. Luisa Werner, Weltmeisterin der U 23 Meisterschaften 2016 im leichten Frauen-Einer. Lea Kuehne und Meike Dütsch, beide Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaften 2016 in Rotterdamm im Frauen-Vierer ohne Steuerfrau. Mittendrin: Der 59-jährige Johannes Flicker. „Der Nächstälteste war 26 Jahre alt und damit so alt wie meine eigene Tochter“, amüsiert sich Flicker im Nachhinein.

Die Zukunftspläne

Doch der „Oldie“ hat scheinbar einen guten Eindruck hinterlassen. „Für mich ist es eine Ehre, dass man eine kleine Herbstregatta mit mir rudern möchte, bei der ich als Schlagmann eines Vierers in der offenen Männerklasse starten soll“, sagt er nicht ohne Stolz. Die Leidenschaft für seinen Sport – das Rudern – ist nicht zu überhören.

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