Swantje Glock (RSV Weiterode) ist eine der besten Kunstradfahrerinnen Deutschlands

Kopfstand in voller Fahrt

Weiterode/Sorga. „Nee, zur Schule fahr’ ich nicht mit dem Fahrrad.“ Swantje Glock lacht. Ganz offensichtlich ist der 13-Jährigen aus Sorga das zu langweilig.

Warum auch einfach radeln, wenn man mit und auf einem Fahrrad doch viel spannendere Sachen anstellen kann. „Auf dem Lenker stehen zum Beispiel“, ist, wie Swantje Glock sagt, „eine Babyübung.“ Mehr nach ihrem Geschmack ist da schon ein Kopfstand auf dem Sattel. „Das“, sagt die Obersbergschülerin, „können nicht so viele. In Hessen bin ich die Einzige in meinem Alter, glaub’ ich.“

Es gibt ziemlich viel, was Swantje Glock auf ihrem Fahrrad als Einzige oder zumindest besser als alle anderen Mädchen in ihrem Alter kann. Seit 2005 ist sie Hessenmeisterin im Kunstradfahren, im vergangenen Jahr wurde sie als Zwölfjährige Dritte der Unter-15-Jährigen bei der Deutschen Meisterschaft. In diesem Jahr wurde es Platz zwei - knapp hinter der Meisterin. Allerdings darf sie im nächsten Jahr noch einmal in derselben Klasse starten. Swantje Glock startet für den RSV Weiterode. Ihr Trainer dort ist - von Anfang an - Ingo Schaar. Die beiden Deutschen Meisterschaften waren die einzigen Wettkämpfe ihrer Altersklasse, die Swantje Glock seit 2005 nicht gewonnen hat.

Liegt in der Familie

Das Kunstradfahren liegt in der Familie. „Schon mein Opa hat den Sport betrieben, meine Mutter dann auch“, erzählt die Schülerin. Zwar versuchte sie sich auch in anderen Sportarten - „ich bin eine Zeitlang geschwommen“ -, entschied sich dann aber voll und ganz für den Sport auf zwei Rädern - oder manchmal auch auf einem: Pirouetten, also schnelle Drehungen um die eigene Achse auf einem Rad, das sind ihre Lieblingsübungen, verrät die Sorgaerin.

Ausnahmetalent

Unter den vielen guten und auf Bezirks- wie Landesebene sehr erfolgreichen Weiteröder Fahrerinnen ist Swantje Glock momentan die stärkste - ein echtes Ausnahmetalent, dazu unglaublich ehrgeizig“, lobt ihr Trainer Ingo Schaar. „Wir trainieren vier- bis fünfmal pro Woche zwei Stunden lang.“ In der Schule hat sie auch schon eine Vorführung ihres Könnens gegeben, bei den Wettkämpfen sind die Fahrerinnen des RSV allerdings dann mit denen anderer Vereine unter sich: Ein Publikumsmagnet wie etwa Eiskunstlauf ist das Kunstradfahren nicht. Monatelang arbeiten Trainer und Athletin vor der Saison an einer Wettkampfkür. Die dauert fünf Minuten und funktioniert ähnlich wie beim Eiskunstlauf: Unterschiedliche Übungen haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, diese werden mit einem Wert für die gute oder weniger gute Ausführung verrechnet, den Punktrichter geben. „Meist sind die Kampfrichter auch gerecht“, sagt Swantje Glock.

Darauf setzt sie. Denn die Niederlage bei der Deutschen Meisterschaft, die wurmt die 13-Jährige. Den Sieg dort nach Waldhessen zu holen, das ist Swantje Glocks Ziel. Sie wird sich dafür auf den Kopf stellen. Auf dem Sattel.

Von Rainer Henkel

Quelle: HNA

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