Fußball-Relegation

Köhler: Anstoß, Weitschuss, Traumtor

+
Verneigung vor dem Torschützen: Auf dem linken Bild hat Carsten Köhler (rechts) nach seinem Treffer gut lachen, Benjamin Blum scheint sich vor dem Torschützen zu verneigen. 

Schade, dass keine Videoaufzeichnung von diesem Spiel existiert. 

Denn der Treffer von Hohe Lufts Carsten Köhler im Relegationsspiel zur Fußball-Kreisliga A gegen Niederaula/Kerspenhausen II (3:2) direkt nach dem Wiederanpfiff hätte den Torschützen mit Sicherheit zum Torwandschießen ins „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF befördert.

Zusammen mit Zlatko Nikolovski stand der 49-jährige Regisseur am Anstoßpunkt an der Mittellinie. „Ich hab’ ihm gesagt, tipp ihn an, ich probier es. Und es hat tatsächlich geklappt“, freute sich Köhler. Seine Bogenlampe aus dem Mittelkreis wurde lang und länger, Torhüter Andre Skoupy unterschätze den Ball, der auf einmal im linken, oberen Eck zappelte – 2:1 – ein Traumtor, das den Hohe Lufter Anhang in Ekstase versetzte. „So etwas kann nur Carsten Köhler“, sagte Hohe Lufts Trainer Timo Reidt, der selbst vor Erstaunen lachen musste.

Dabei hatte ein Teil der Zuschauer Köhlers Geschoss gar nicht gesehen. Die meisten der 120 Fans hatten nach einem Gewitterguss gegen Ende der ersten Hälfte Schutz im Sportlerheim gesucht. Und eigentlich nicht damit gerechnet, dass der für Heringen pfeifende Schiedsrichter Jan-Philipp Finkler aus Wölfershausen gleich wieder anpfeifen würde, sondern eher wegen Blitz und Donner die Pause etwas verlängern würde. Aber nicht nur wegen seines Treffers war Köhler der beste Mann auf dem Platz.

Der Oldtimer war im Mittelfeld die wichtige Anspielstation und die Verteilerzentrale. Vor ihm gingen die meisten Impulse in Richtung des gegnerischen Tores aus. So zum Beispiel in der 16. Minute. Mit einem weiten, raumöffnenden Pass über 30 Meter, den Franz Beckenbauer in seinen besten Jahren nicht besser hätte schlagen können, setzte er Fabian Dick in Marsch, der zu einem Solo ansetzte und Skoupy zum ersten Mal überwand. Doch die energisch auftretenden Gäste hielten dagegen. Ihr gefährlichster Stürmer, André Hirschhäuser, sorgte nach einem Pass von Steffen Simon für den Ausgleich (26.) und hatte wenig später auch die Chance zum 2:1 – vergab jedoch aus spitzem Winkel.

Auch der Schock nach Köhlers Traumtor hielt sich bei Niederaula in Grenzen. Im Gegenteil: Trotzig stemmte sich Mike Porsches Team gegen die Niederlage. Doch die meisten Angriffe verpufften in der dicht gestaffelten Abwehr des FSV, der sich durch Köhlers Tor beflügelt sah. Nur in der 86. Minute kam Hirschhäuser noch einmal zum Zuge und schoss den Anschlusstreffer. Denn der FSV hatte zu diesem Zeitpunkt schon 3:1 geführt – nach einem Konter über Andrej Gidion vollendete Justin Bradke.

Für Niederaulas Mike Porsche bedeutet die knappe Niederlage keinen Beinbruch. „Das ist kein Ergebnis, das uns umwirft“, sagt der Trainer. Seine Devise für Freitag: „Mund abputzen, da geht noch was. Ein Tor können wir aufholen.“ Das Einzige, was ihn ärgerte, war die Defensive: „Die Fehler hatten wir alle angesprochen.“ Und dass sein Torwart an diesem Tag für einen kurzen Moment „im Heidelbeerland“ war. Und Köhlers Traumtor ermöglichte.

Das Rückspiel findet am Freitag um 19 Uhr in Kerspenhausen statt. 

Kommentare