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Klinikum Bad Hersfeld führt neues Arbeitszeitmodell ein

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Von: Daniel Göbel

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Freuen sich über das neue Arbeitszeitmodell: (von links) Sascha Sandow (kaufmännischer Direktor), Pflegedirektorin Birgit Plaschke, Flexbüro-Leiterin Maike Henning, Rekruterin Imke Albowitz und Disponentin Heike Klee.
Freuen sich über das neue Arbeitszeitmodell: (von links) Sascha Sandow (kaufmännischer Direktor), Pflegedirektorin Birgit Plaschke, Flexbüro-Leiterin Maike Henning, Rekruterin Imke Albowitz und Disponentin Heike Klee. © Daniel Göbel

Mit einem neuen Arbeitszeitmodell, das größtmögliche Flexibilität bietet, will das Klinikum Bad Hersfeld gegen den Mangel an Pflegefachkräften vorgehen.

Hersfeld-Rotenburg - Pflegefachkräften, die aufgrund von Kinderbetreuung oder anderen Verpflichtungen keine Voll- oder Teilzeitstelle im Schichtdienst übernehmen können, einen flexiblen und vor allem zeitlich selbst bestimmten Arbeitsalltag ermöglichen.

Das Modell „Flexpool“ stammt aus den Niederlanden, wo es in Pflegediensten flächendeckend eingesetzt wird, erklärt die Leiterin des Flexpools, Maike Henning. In Deutschland gebe es bislang hingegen kaum Kliniken, die auf dieses System zurückgreifen. Somit sei das neue Arbeitszeitmodell Neuland und könnte auch als Exempel für andere Pflegedienste und Kliniken dienen, erklärt Imke Albowitz, die sich um die Rekrutierung der künftigen Pool-Mitarbeiter kümmert.

Das Prinzip ist dabei simpel: „Arbeite, wann du willst“, lautet der Grundsatz. Über den Flexpool wird Pflegefachkräften ein Modell angeboten, in dem sie selbst ihre Arbeitszeit bestimmen. Das bedeutet, dass ein neuer Mitarbeiter mitteilt, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten er arbeiten kann und wird dann auf den Stationen eingesetzt, wo er gebraucht wird.

Für den Einstieg sei deshalb auch eine intensive Einarbeitungsphase notwendig. „Sowohl für die neuen Flexpool-Mitarbeiter als auch für die Kollegen auf den Stationen bedeutet das Konzept, dass sie seltener bis gar nicht mehr an ihren freien Tagen einspringen müssen. Kommt es auf einer Station zu einem Ausfall, meldet sich die Stationsleitung bei unserem Team und wir weisen ihr einen Flexpool-Mitarbeiter zu, dessen gewünschte Arbeitszeit passt“, erläutert Henning.

Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Ziel sei es, in dieser Zeit einen Pool mit 55 Vollzeitkräften zu bilden, so der kaufmännische Direktor Sascha Sandow. Er ist gemeinsam mit Pflegedirektorin Oberin Birgit Plaschke die treibende Kraft hinter dem Projekt. Beide haben die Entwicklung des Arbeitszeitmodells unter Projektmanagerin Anna Nicole Röhler in einem halbjährigen, intensiven Arbeitsprozess begleitet.

„Neben dem Fachkräftemangel im Bereich der Pflege haben wir während der Corona-Pandemie auch neue Erfahrungen machen müssen, was den Ausfall und das Einspringen von Mitarbeitern angeht. Der Flexpool ist ein wichtiger Baustein, diese Situation zu entschärfen oder sogar zu lösen“, so Sandow.

„Arbeite, wann Du willst“

Mit dem neuen Arbeitszeitprogramm Flexpool will das Klinikum Bad Hersfeld Menschen, die in der Pflege arbeiten möchten, mehr Flexibilität bieten. Dazu Fragen und Antworten:

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Flexpool?

Der Flexpool besteht aus ausgebildeten Mitarbeitern aus dem Bereich Pflege. Er unterstützt die bestehenden Teams im Klinikum Bad Hersfeld in den verschiedenen Fachbereichen. Als Teil des Flexpools werden die Mitarbeiter immer genau dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden aufgrund von Krankheitsausfällen oder temporär offenen Stellen etwa durch Personalwechsel.

Welchen Nutzen hat das Arbeitszeitmodell für die Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter entscheiden je nach Lebensumstand oder familiärer Situation selbst, wann und wieviel sie arbeiten. Das soll besonders der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen.

Wer kann überhaupt im Flexpool arbeiten?

Pflegefachkräfte, die Familienleben und Beruf in Einklang bringen möchten, zum Beispiel in oder nach der Elternzeit. Das Programm richtet sich auch an Pflegefachkräfte mit Erfahrung in der Altenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Intensivkrankenpflege, darüber hinaus auch an Pflegefachkräfte, die zum Beispiel gerne nur abends, nachts oder an Wochenenden arbeiten. Ebenso angesprochen sind examinierte Pflegefachkräfte, die in verschiedenen Fachrichtungen erste Berufserfahrung sammeln und sich erst orientieren möchten sowie Studierende mit einer Pflegeausbildung.

Wie werden die künftigen Pool-Mitarbeiter geschult und betreut?

Mit Beginn der Tätigkeit findet eine intensive Einarbeitung statt, die im Zuge des Programms erarbeitet wurde. Der Dienstplan wird dann gemeinsam mit dem persönlichen Betreuer auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters abgestimmt. Ebenso möglich sei eine individuelle Einarbeitung in bestimmte Fachbereiche, etwa für Pflegefachkräfte, die länger nicht in ihrem Job tätig waren.

Warum setzt das Klinikum auf dieses Modell?

Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung sehen Pflegedirektorin Oberin Birgit Plaschke und kaufmännischer Direktor Sascha Sandow vor allem im Fachkräftemangel und einem stetigen Anpassungsdruck aus der Corona-Pandemie. Dazu betont Plaschke, dass eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung stattgefunden habe: „Gemeinsam werden wir mehr und mehr feinfühlig dafür, was eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit für einen selbst bedeutet. Die Self-Care, also sich Zeit für sich selbst zu nehmen, gewinnt an Bedeutung. Deshalb freue ich mich, dass wir ein Modell geschaffen haben, das es Menschen erlaubt, wieder Freude am Pflegeberuf zu haben.“ „Ich bin überzeugt, dass wir hier ein Modell geschaffen haben, das verschiedensten Personen Vorteile bietet: Sei es die Mutter, die nur während der Betreuungszeiten ihrer Kinder arbeiten kann, ein Student, der sich etwas dazu verdienen möchte oder ein Absolvent, der Lust hat, in die Stationen zu schnuppern“, so Gesundheitsökonomin Imke Albowitz. (Daniel Göbel)

Arbeitsvertrag in drei Tagen

Sich für den Flexpool bewerben und mit dem Team in Kontakt treten kann man ab sofort über die Website klinikum-flexpool.de. Für Interessierte steht hier mit Imke Albowitz eine zentrale Ansprechpartnerin über Telefon, E-Mail und auch WhatsApp zur Verfügung. Das Programm wurde durch bestehende Mitarbeiter entwickelt, neu hinzugekommen ist aber die Gesundheitsökonomin Imke Albowitz, die für die Rekrutierung der Pool-Mitarbeiter verantwortlich ist. (dag)

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