Torhüter haben es ohne Mannschaftstraining besonders schwer

Handball: Keine Paraden in der Pandemie

Akrobatisch: Tobias Kretz, Torhüter des Handball-Landesligisten TV Hersfeld, versucht in dieser Szene den Wurf eines Gegenspielers zu entschärfen.
+
Akrobatisch: Tobias Kretz, Torhüter des Handball-Landesligisten TV Hersfeld, versucht in dieser Szene den Wurf eines Gegenspielers zu entschärfen.

Ein Jahr ohne nahezu jedes Pflichtspiel – die Handballer durchleben eine Leidenszeit. Wir haben mal speziell auf die Torhüter geschaut und gefragt, wie sie sich fit halten.

Hersfeld-Rotenburg – Sie haben ein gutes Stellungsspiel, blitzschnelle – teils katzenhafte – Reflexe und kennen auch oftmals die Wurfbilder der Gegenspieler. Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit, die viele Handball-Torhüter teilen: Sie sind nicht gerade als Laufwunder bekannt. Wie aber halten sie sich in der langen Corona-Zwangspause fit?

Kevin Schottmann

Der Torhüter des Handball-Bezirksoberligisten HSG Werra WHO muss ein wenig lachen und sagt: „Ich falle wohl aus dem Raster, denn ich laufe an sich ganz gern.“ Und so hat er sich während des ersten Lockdowns mit seinen Teamkollegen Robin Schneider und Florian Strümpf joggend und im Sattel des Fahrrads fitgehalten. „Das habe ich aber auch ansonsten neben dem Mannschaftstraining gemacht“, erzählt der 28-Jährige.

Kevin Schottmann, Torhüter der HSG Werra WHO

Mittlerweile sei er aber genervt von der Situation. Denn die Saisonvorbereitung im vergangenen Sommer sei für die Katz gewesen. „Wir hatten Hoffnung auf eine normale Saison, hatten uns als Ziel den Wiederaufstieg gesetzt – und nach einem Spiel ist dann schon wieder alles vorbei“, ärgert sich Schottmann, der im Bad Salzunger Ortsteil Langenfeld lebt. Immerhin hat die WHO ein Punktspiel bestritten: Am 17. Oktober 2020 gelang ein deutlicher 38:20-Erfolg gegen FT Fulda. Das war’s dann.

Handballspezifisches Training hat Schottmann seitdem nicht mehr absolviert. „Das ist in der Sporthalle doch einfacher. Zu Hause müsste man sich da mühsam etwas aufbauen – das macht keinen Sinn“, sagt er. Und gibt ganz offen zu: „Es fällt schon schwer, die Motivation aufrecht zu erhalten. Man genießt mittlerweile die freien Wochenenden.“

Tobias Kretz

Dem 25-jährigen Torhüter des Landesliga-Vizemeisters TV Hersfeld geht es nicht anders. „Das ist meine längste Sportpause, seit ich Mannschaftssport betreibe. Handball spielt zeitweise gar keine Rolle mehr“, sagt er. Und der Student der Elektrotechnik nimmt kein Blatt vor den Mund: „Das ganze Stellungsspiel und die Reflexe, um Bälle abzuwehren, geht flöten. Es wird seine Zeit brauchen, bis man da wieder drin ist. Aber es gibt ja eh keine Perspektive derzeit“, sagt Kretz enttäuscht.

Über Youtube versucht er sich seine Grundausdauer zu erhalten so gut es geht – und einmal die Woche steht mit den Teamkollegen ein Zoom-Trainings-Meeting an. „Bauch, Beine, Po“, nennt Kretz das. Dass Handball-Torhüter keine Laufwunder sind, kann der Hersfelder nur bestätigen. „Ich hasse joggen. Das geht nur dann, wenn der Trainer mich dazu nötigt.“

Laura Weidemann

Online-Übungen im Bereich Kraft, ab und zu mal ein Läufchen und das ein oder andere Dance Workout: So sieht der aktuelle Trainingsalltag von Laura Weidemann, Torfrau des Landesligisten TG Rotenburg aus. Spezielles Torwarttraining fällt aus: „Reaktionsschnell bin ich derzeit nur, wenn beim Abendbrot etwas runterfällt und ich es aufheben will, bevor die Hunde da sind“, scherzt sie.

Laura Weidemann, Torhüterin der TG Rotenburg

Im Großen und Ganzen halte sie sich wohl auf die Art fit, wie es die meisten Spieler derzeit tun – denn Kraft- und Grundlagenausdauer, so denkt sie, würden auf keiner Position beim Handball schaden. Dass sich ihre Torwartfähigkeiten dadurch merklich verschlechtern, glaubt die 25-Jährige nicht: „Das ist ein bisschen wie Fahrradfahren: Es kommt schnell wieder, wenn man es grundsätzlich kann.“

Larissa Kulisch

Corona-Blues oder fehlende Motivation lässt Larissa Kulisch als Ausrede nicht gelten. „Na klar kostet es ab und zu Überwindung, alleine zu Hause zu trainieren“, gibt sie zu. „Aber man versucht ja für das ganze Team fit zu bleiben, damit man irgendwann gut in die neue Saison starten kann.“ Wie ihre Mitspielerinnen hält sich die Torfrau der SG Schenklengsfeld via App durch Home Workouts fit. Koordination, Reaktion, Krafttraining, Ausdauer – das alles in verschiedenen Schwierigkeitsstufen: Man könne selbst die passenden Übungen wählen und damit entsprechende Schwerpunkte setzen.

Bei der 22-Jährigen liegen diese klar im Bereich Reaktion und Koordination, weshalb sie auch zusätzlich mit dem Springseil trainiert. Auch das Garagentor müsse für Übungen mit dem Ball herhalten und auf den Boden klebe sie mit Tape öfters eine Art Koordinationsleiter. „Das ist praktisch für gezielte Übungen, um schnell auf den Beinen zu bleiben, das Köpfchen etwas anzustrengen und die Reflexe zu fördern“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare