Griff in die Kiste (14): Der Slalomläufer Alberto Tomba war nicht nur auf der Piste ein Exzentriker

Keine Abfahrt wegen „Maamma“

War einer der besten Skiläufer Italiens: Alberto Tomba. Sein Spitzname: „Tomba la bomba.“ Foto: HZ-Archiv

Alberto Tomba hat drei Handys, eins für das Geschäft, eins für Freunde und Bekannte und eins für Liebschaften. Doch nur eine Person hat alle Nummern des einst so erfolgreichen italienischen Skirennsportlers: Seine Mutter! „Maamma“, wie er in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Blick“ zugab,„hat nicht eher Ruhe gegeben, bis sie alle meine Nummern rausbekommen hat.“

Wahrscheinlich war seine „Maamma“ auch dafür verantwortlich, dass er so erfolgreich wurde. Sie war sehr besorgt um ihn beim Skilaufen. Nur Abfahrtsläufe durfte er nicht bestreiten – er hätte sich wehtun können. Also konzentrierte sich Tomba junior auf Slalom, Riesenslalom und Super-G und wurde so zum größten italienischen Wintersportler aller Zeiten. Insgesamt 50 Weltcupsiege, drei olympische Gold- und zwei Silbermedaillen gehen auf sein Konto. Zweimal war er Weltmeister und zweimal Dritter.

Die Familie gewährleistete dem am 19. Dezember 1966 geborenen Alberto eine gute Skiausbildung. Sie konnte es sich leisten, denn sie waren steinreich. Sein Großvater – er hieß ebenfalls Alberto Tomba – hatte ein Herrenmodegeschäft in Bologna gegründet, das sein Vater Franco später zu einem florierenden Textilunternehmen ausbaute. In Cortina d’ Ampezzo besaßen die Tombas ein Ferienhaus. Hierhin fuhren sie im Winter regelmäßig zum Skifahren.

„Flotte Autos werden geklaut und schöne Frauen hauen von alleine ab.“

Alberto Tomba

Bevor er seinen ersten Auftritt bei der WM in Crans-Montana hatte, wo er alle überraschte, überzeugte Alberto bei vielen Jugendrennen. Sein muskulöser Körper und sein aggressiver Fahrstil brachten ihm seinen Spitznamen ein: „Tomba la bomba“ – Tomba, die Bombe. Er war ein Exzentriker nicht nur auf der Piste. Bei der Olympiade rasierte er sich täglich, was er sonst nie tat, nur um seine Gegner zu irritieren.

Wo Tomba auftrat, stand er im Mittelpunkt. Der Rennläufer durfte auf keiner Party der Mailänder Schickeria fehlen, fuhr schnelle Autos. Er beherrschte nicht nur durch seine Erfolge, die er intensiv zu feiern wusste, die Schlagzeilen der Presse, sondern auch durch zahlreiche Frauengeschichten. Um nur zwei Prominente zu nennen: Er war mit Miss Italia Martina Colombari verlobt, auch mit Michelle Hunziker hatte er eine Affäre.

Tombas Karriere war von Skandalen begleitet. Aus der Sportfördergruppe der Carabinieri schied er freiwillig aus, um disziplinarischen Maßnahmen zu entgehen. Und nach seiner aktiven Karriere, in der er sich auch als Filmstar versuchte, wurde er der Steuerhinterziehung angeklagt, musste vier Millionen Euro nachzahlen. Dem süßen Leben entsagt er nach vielen privaten und auch finanziellen Enttäuschungen. „Flotte Autos werden geklaut und schöne Frauen hauen von alleine ab“, pflegt er zu antworten, wenn er darauf angesprochen wird.

Tomba, der ledig ist („Ich habe zwei, drei Mädels, die ich immer anrufen kann“), ist heute Werbeträger für Sportartikelhersteller und Unicef-Botschafter. 2008 veröffentlichte er seine Biografie. Der Titel: „Prima e seconda Manche“ auf Deutsch: „Erster und zweiter Lauf“. Das Textilunternehmen hat eine Unterhosenserie nach ihm „La bomba“ benannt.

Von Hartmut Wenzel

Kommentare